LKH-Chef Stefan Pötz: „Es ist nicht zeitgemäß, dass jedes Haus für sich kämpft“
Stefan Pötz ist seit einem Jahr Ärztlicher Leiter des LKH Weiz. Dieses wird im Verbund mit der Uniklinik Graz geführt. Wie läuft die Zusammenarbeit? Ist die Kooperation eine Aufwertung für Weiz?
Sie sind seit einem Jahr Ärztlicher Standortleiter am LKH Weiz. Wie gut haben Sie sich eingearbeitet?
Sehr gut. Ich habe die ärztliche Verantwortung für das gesamte Haus. Mit Wolfgang Köle am Uniklinikum Graz habe ich einen Ärztlichen Direktor über mir, der die Gesamtverantwortung hat. Wir arbeiten eng und gut zusammen.
Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem ersten Jahr?
Zufrieden ist man nie. Ich bin sehr kritisch, versuche zu reflektieren, was man besser machen kann. Wir versuchen, am Puls der Zeit zu bleiben. Ein gutes Beispiel sind die Lean-Projekte.
Was bedeutet Lean?
Es geht darum, die Abläufe zu verbessern. Es soll die Mitarbeiter entlasten und die Patientenströme verbessern. Seit einem dreiviertel Jahr arbeiten wir am Thema Lean-Ambulanz. Wir starten im Oktober mit den ersten Umsetzungen.
Zur Person
Stefan Pötz (44) ist seit 1. August 2025 ärztlicher Standortleiter am LKH Weiz. Er arbeitet seit Februar 2024 im LKH Weiz und leitet auch die Abteilung für Innere Medizin. Pötz ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Intensivmedizin. Er ist auch Herzinsuffizienzspezialist, Notarzt und Flugrettungsnotarzt. Da versieht er mehrere Dienste pro Monat. Er ist ärztlicher Leiter des Projekts „HerzMobil Steiermark“. Begonnen hat er die ärztliche Laufbahn 2007 im LKH Bruck.
Stefan Pötz wuchs in St. Lorenzen im Mürztal auf. Er ist verheiratet und hat einen Sohn (10). Er lebt mit seiner Familie in Gratwein.
Im LKH Weiz gab es in den letzten beiden Jahren zahlreiche Veränderungen, personell und organisatorisch. Wie läuft es?
Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. In der Standortleitung diskutieren wir Probleme auf kurzem Weg. Wir ziehen alle am gleichen Strang. Wir wollen das Haus zukunftsfit machen. Unser Ziel ist es, die Wege möglichst kurz zu halten. Das geht aber nicht immer, weil nicht jedes Haus alles anbieten kann und es entsprechende Experten braucht. Das war auch ein Grund für die Umstrukturierung. Wir haben die Chirurgie verloren, aber durch die Orthopädie-Traumatologie eine deutliche Stärkung bekommen. So können wir unsere Ressourcen besser nutzen. Was wir selbst nicht abdecken können, machen wir mit unseren Verbundpartnern. Wir wollen uns auch weiterhin an Studien beteiligen und einen Beitrag zur Wissenschaft leisten.
War die Umstrukturierung eine Aufwertung für das LKH Weiz?
Es war eine zeitgemäße Umstrukturierung. In der Steiermark werden die Chirurgischen Abteilungen zentralisiert. Früher standen zwei Operationssäle für zwei Fachbereiche zur Verfügung, heute kann ein Fachbereich die vorhandenen Kapazitäten gezielter nutzen und mehr Eingriffe durchführen. Wenn ein Patient zu uns kommt und wir sehen, dass eine allgemeinchirurgische Behandlung notwendig ist, schicken wir ihn in der Regel an die Uniklinik nach Graz. Wenn dort die Ressourcen knapp sind, kann die weitere Versorgung auch in Feldbach erfolgen. Das funktioniert reibungslos.
Es kommen auch Patienten aus Graz nach Weiz…
Ja. Bei Kapazitätsengpässen werden Patienten aus Graz zur Operation nach Weiz geschickt. Zusätzlich gibt es eine Kardiologische Kooperation.
Wenn sich ein Motorradfahrer auf der B72 bei Kumberg am Bein verletzt – wird er nach Weiz oder Graz gebracht?
Das entscheidet die Rettung oder der Notarzt vor Ort. Ein einfacher Beinbruch kann in Weiz versorgt werden, größere Verletzungsmuster werden nach Graz überstellt.
Das LKH Weiz
Am 1. Jänner 2000 wurde das neue Landeskrankenhaus in Weiz eröffnet. Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) übernahm das Haus. Dieses war zuvor ein städtisches Krankenhaus und ein Privatkrankenhaus (betrieben von den Vorauer Schwestern). Das erste Bürgerspital in Weiz war schon 1564 errichtet worden.
Das LKH Weiz wird heute im Verbund mit LKH-Universitätsklinikum Graz geführt. Mit 1. August 2025 wurde die Abteilung für Chirurgie in eine Abteilung für Orthopädie und Traumatologie umgewandelt. Zwischen 1. August 2025 und 31. Juli 2026 gab es in dieser Abteilung rund 2500 Operationen (darunter 750 Implantationen von Hüft,- Knie- und Schulterprothesen).
In Weiz gibt es zudem eine orthopädisch-traumatologische Ambulanz. Es gibt einen Austausch mit dem Uniklinikum Graz: Im ersten Jahr wurden 103 verletzte Patientinnen und Patienten nach Weiz transferiert (davon 67 zur Operation). Zudem werden in Graz Operierte in Weiz weiterbetreut. In Weiz gibt es zusätzlich die Abteilungen für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Innere Medizin.
Ärztlicher Direktor des Spitalsverbundes ist Wolfgang Köle, Pflegedirektorin Gabriele Möstl, Betriebsdirektor Bernd Leinich. Die Standortleitung in Weiz besteht aus Stefan Pötz (Ärztlicher Leiter), Karin Puchner (Standortleiterin) und Heidelinde Bachler (Pflegeleiterin).

Das LKH Weiz wird seit 1. Jänner 2024 als Verbund mit dem Uniklinikum Graz geführt. Ein Vorteil?
Die Zusammenarbeit im Verbund hat sich sehr positiv entwickelt. Wir werden auf Augenhöhe wahrgenommen und die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Es wird gegenseitig ausgeholfen. Dass jedes Haus für sich allein kämpft, wie es vor 20 Jahren war, ist nicht mehr zeitgemäß. Wir liefern die Basisstruktur, die High-End-Medizin passiert im Verbund.
Sind Sie da ein Best-Practice-Beispiel in der Steiermark?
Man kann Verbünde nicht vergleichen. Wir sind stolz, dass wir den Versorgungsauftrag gut erfüllen. Ein großer Dank an alle Mitarbeiter im Haus.
Wie weit ist man nach mehr als zwei Jahren in der neuen Struktur?
Es ist ziemlich abgeschlossen. Wir haben unsere strategischen Ziele erreicht.
Es hieß, es gibt beim Personal einen stärken Austausch zwischen Weiz und Graz und auch eine Ausbildungsrotation. Wie weit ist man da?
Zwei Kolleginnen aus Weiz absolvieren derzeit eine Sonderausbildung in Graz, zudem sind Rotationen an der orthopädisch-traumatologischen Abteilung möglich. Auch dadurch wird unser Haus gestärkt.
Zahlen und Daten
Im LKH Weiz arbeiten derzeit 362 Frauen und Männer: Es gibt 59 Ärztinnen und Ärzte, eine Psychologin sowie 185 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich. 82 Personen arbeiten im Bereich Verwaltung/Wirtschaft/Technik, 35 im medizinisch-diagnostisch-therapeutischen Bereich.
2025 wurden 63.519 ambulante Behandlungen durchgeführt. 3833 Patientinnen und Patienten stationär behandelt.
Im Spital gibt es 44 Betten in der Inneren Medizin sowie 30 Betten in der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie. Hinzu kommen sechs Betten in der Intensivstation.
Das Spital ging im Jänner 2000 in Betrieb. Wird es Sanierungen oder Ausbauten geben?
Eine bauliche Erweiterung ist derzeit nicht vorgesehen. Ein Klimatisierungsprojekt wird gestartet. Die Patientenwege werden durch eine übersichtlichere Beschilderung optimiert.
Abschließend: Wo werden Sie heuer urlauben?
Ende August geht es nach Stockholm.



