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Drückende Hitze: „Siedlungsräume wurden schlichtweg falsch geplant“

Die Hitze ist vielerorts in diesem Sommer kaum zu ertragen. Die Frage, die daher immer öfter aufkommt: Warum sind unsere Lebensräume so wenig klimafit?

Das Bild zeigt zwei Menschen, die unter einem Regenschirm zusammengekauert auf einer Bank in der Sonne sitzen
© APA / Helmut Fohringer
Die drückende Hitze ist in vielen Städten kaum zu ertragen
Marie Miedl-Rissner
Redakteurin Bundesland Steiermark

Asphalt, der mehr als 60 Grad hat, Hitze, die sich in den Straßen zwischen den Wänden staut, und Wohnungen, in denen es weit über 30 Grad hat. Das ist die Realität, in der viele in diesem Sommer leben. Damit stellt sich immer öfter die Frage, wie es in Zukunft weitergeht und warum viele unserer Lebensräume so wenig klimafit sind.

Ein Umstand, der nun auch den Präsidenten der Ziviltechnikerkammer Österreichs, Daniel Fügenschuh, Alarm schlagen lässt. Denn für ihn steht fest: Blickt man auf die Planung in den letzten 20 Jahren, ist gehörig etwas schief gelaufen. Das sei vielerorts auf den ersten Blick sichtbar. „Es gibt ganze Straßenzüge ohne außenliegenden Sonnenschutz“, sagt er. Einen solchen flächendeckend anzubringen wäre für ihn eine dringende Akutmaßnahme.

Wenn Grundversorgungsstätten nicht ohne Auto erreichbar sind, dann sind die Siedlungsräume schlichtweg falsch geplant

— Daniel Fügenschuh, Präsident der Kammer für Ziviltechniker Österreichs

Klimaanlagen „flächendeckend nicht umsetzbar“

Die Diskussion um Klimaanlagen als Abhilfe greift für ihn dabei zu kurz. „In der Masse sind diese nicht umsetzbar“, sagt Fügenschuh. Denn dafür würde die Kapazität im Stromnetz fehlen. Auch Rainer Wührer, Präsident der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten, stimmt ihm grundsätzlich zu. Allerdings sieht er kurzfristig vor allem für besonders vulnerable Gruppen keinen Weg an Klimaanlagen vorbei. Was dabei besonders wichtig ist: „Davor müssen alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sein, allen voran eine außenliegende Beschattung.“

Das Bild zeigt Daniel Fügenschuh
©  Sandra Schartel
Daniel Fügenschuh ist Präsident der Kammer für Ziviltechniker Österreichs

Nicht ganz so einfach wird es dort, wo Infrastruktur fehlt, Geschäfte, Schulen und Arbeitsplätze nur mit dem Auto zu erreichen sind. Denn Autos sind für Fügenschuh ein großer Teil des Hitzeproblems. „Wenn Grundversorgungsstätten nicht ohne Auto erreichbar sind, dann sind die Siedlungsräume schlichtweg falsch geplant.“

Neue Bodenversiegelung für beide ein No-Go

Fest steht aber auch, bestehende Wohnräume zu verändern und anzupassen braucht Zeit. Die Alternative: nämlich neuen Boden zu versiegeln, wie es nach wie vor passiert, ist für Fügenschuh jedenfalls keine. Denn neu versiegelter Boden bedeutet nicht nur mehr Hitze, sondern auch weniger gespeichertes Wasser. „Nicht einmal das selbst gesteckte Ziel von 2,5 Hektar am Tag steht in mehreren Regierungsprogrammen, ist aber nie umgesetzt worden.“

Das Bild zeigt Rainer Wührer
© Robert Anagnostopoulos
Rainer Wührer ist seit Juni an der Spitze der Kammer der Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten

An Ideen und gut erprobten Systemen, wie ein klimafiter Lebensraum aussehen könnte, mangelt es jedenfalls nicht. Die Grundvoraussetzung für den Erfolg: Es müssen alle an einem Strang ziehen und Zeit für die Planung bleiben. Genau das müsse man laut Wührer auch noch besser an die Bauherren bringen. „Wir haben im Bauen sehr oft Anforderungen, die einander widersprechen. Transparenz in Gebäuden widerspricht sich etwa mit dem sommerlichen Hitzeschutz.“

Mehrere Positivbeispiele in der Steiermark und Kärnten

Für Projekte bei denen genau dieser Spagat gelungen ist, gibt es in der Steiermark und in Kärnten zahlreiche Beispiele: In der Steiermark etwa die neu gebauten Schulen – allen voran die Volksschule Reininghaus. In Kärnten wiederum der Neubau des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee. Denn hier wurde das gesamte Gebäude auf die umliegenden Park- und Grünflächen ausgerichtet. Auch außenliegende Verschattung und Kühldecken wurden von Anfang an mitgeplant.

Wir haben im Bauen sehr oft Anforderungen, die einander widersprechen. Transparenz in Gebäuden widerspricht sich mit dem sommerlichen Hitzeschutz

— Rainer Wührer , Präsident der Kammer für Ziviltechniker für Steiermark und Kärnten

Wie man bestehende Problemfelder klimafit bekommt, zeigten unterdessen in Graz der Umbau des Vorplatzes der Kunstuniversität. Er wird entsiegelt und begrünt – und das nur zwölf Jahre nach dem Bau. Vorwürfe möchte Wührer den Planern von damals dennoch keine machen. „Hitzeschutz war damals einfach kein Thema, die Zielsetzungen für den Platz waren andere.“ Ebenfalls alles neu wird im Grazer Burghof. Dieser wird laut Wührer künftig zweigeteilt sein. Ein Teil davon wird dann eine Art Wald mit einer sehr starken Begrünung. Das Ziel: eine deutliche Abkühlung. „Da reden wir schon von vielen Grad, das ist nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, sagt Wührer.

Fügenschuh spricht sich für Notfallgremium aus

Für Fügenschuh steht derweil fest: Das Problem wird nach wie vor nicht ernst genug genommen. „Bei jeder anderen Katastrophe, die so viele Tote fordert wie die Hitze, würde es sofort Notfallmaßnahmen geben, aber hier schummelt man sich von Hitzewelle zu Hitzewelle und von Jahr zu Jahr.“ Für ihn wäre daher ein eigenes Gremium angebracht, das langfristige Maßnahmen entwickelt.