„Wir sind die Robin Hoods des ländlichen Raums“
Rückläufige Erträge in der Landwirtschaft zwingen viele Landwirte zum Umdenken. Mit ein Grund, dass der Kärntner Landesverband von „Urlaub am Bauernhof“ um 20 Betriebe pro Jahr wächst.

„Wir sind“, sagt Günter Zeilinger, der Obmann des Landesverbandes von „Urlaub am Bauernhof Kärnten“, „die Robin Hoods des ländlichen Raums“. Mit „wir“ meint er die 466 Mitgliedsbetriebe von Urlaub am Bauernhof (davon 233 Almhütten). Pro Jahr kommen etwa 20 neue Mitgliedsbetriebe hinzu, „Tendenz steigend“. Denn gemeinsam gelinge es, dem ländlichen Raum neue Wertschöpfung zu geben, so Zeilinger, wenn etwa Forst, Milchwirtschaft oder Getreideanbau rückläufig sind. „Urlaub am Bauernhof ist eine Alternative für Landwirte bei sinkendem Einkommen.“ Der Zugewinn an Mitgliedsbetrieben trotz Strukturwandels sei keine Selbstverständlichkeit. Den Verband selbst gibt es seit 35 Jahren – und er floriert.
800.000 Nächtigungen pro Jahr
Rund 800.000 Nächtigungen zählten die Betriebe im Vorjahr. Die Zielgruppen hätten sich – auch aufgrund der Spezialisierungen – enorm verbreitert. Neben Familien kommen zunehmend Paare und Alleinreisende. Aus dem Billiganbieter von einst, mit dem sich die Bäuerinnen ein Zusatzeinkommen sicherten, wurde ein breit gefächertes Angebot in allen Preiskategorien, sagt Edith Sabath-Kerschbaumer, Geschäftsführerin des Landesverbands. Hinzukommen eigene Angebotsschienen wie Almhütten und Landurlaub. „Nebenbei vermieten“ sei kein Konzept mehr, es brauche Strategien und spezifische Angebote, um Gäste zu überzeugen.

Zahl der Betten bleibt stabil
Was sich erfreulicherweise kaum geändert habe, seien der hohe Stammgästeanteil von mehr als 50 Prozent und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer, die mit 6,9 Tagen weit über dem kärntenweiten Schnitt von etwa vier Tagen liegt. 111 Betriebe haben Höchstbewertungen. Trotz des massiven Zugewinns an Mitgliedsbetrieben – mit Kurs auf die 500 – hat sich die Zahl der Betten mit 5200 nicht erhöht. Warum? „Wenn investiert wird, geht dies meist zulasten der Zahl der Betten“, sagt Sabath-Kerschbaumer – also weniger Gästebetten auf gleich viel oder mehr Raum. Und dauernde Innovation ist ein Teil des Erfolgs.
Viele Vermieter mit Saison zufrieden
Und der stellt sich ein: Aktuell zeigen sich laut einer Blitzumfrage 80 Prozent der befragten Vermieter mit der Saison sehr zufrieden bzw. zufrieden. Auch die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr bleibt stabil. Viele Bauernhöfe wirkten bei Hitzewellen wie höhergelegene Frischeoasen mit natürlichem Schatten. Die Nachfrage für den Herbst wird als „realistisch“ eingestuft: 51 Prozent der Vermieter erwarten eine gleichbleibende Auslastung, 14 Prozent eine bessere.
Mehr als vier von zehn Gästen legen besonderen Wert auf bäuerliche Aktivitäten und Familienerlebnisse, sechs von zehn wollen vor allem eine Auszeit genießen und raus aus dem Alltag, jeder zweite will einen Aktivurlaub in Kärnten verbringen. Nachhaltigkeit und Umwelt spielen übrigens eine immer wichtigere Rolle – für 20 Prozent ist das ein zentrales Motiv.
Woher die „Bauernhof“-Feriengäste kommen
Die Gäste stammen aus 56 Nationen, hauptsächlich aus Deutschland (33,7 Prozent), Österreich (31,5Prozent) und Tschechien (5,5 Prozent).
Ein neuer Katalog mit einer Auflage von 30.000 Stück (unter urlaubambauernhof.at/de/service/kataloge oder unter office@urlaubambauernhof.com) soll die Sichtbarkeit des Angebots erhöhen.
„Weitermachen muss Sinn stiften“
Die Erfolge bleiben nicht verborgen: Bereits jeder zehnte landwirtschaftliche Betrieb in Kärnten bietet Beherbergung an, die Mehrheit davon gehört zum Verein „Urlaub am Bauernhof“. Die touristische Wertschöpfung für die Mitgliedsbetriebe beträgt laut Zeilinger 80 Millionen Euro pro Jahr. „Unser großes Ziel ist es, nun der nächsten Generation diesen Weg schmackhaft zu machen“, sagt Zeilinger, der selbst einen Vorzeigebetrieb in Himmelberg führt. „Weiterzumachen muss Sinn stiften.“

