Steirerin ist Sonderpädagogin am Tag, Krimiautorin bei Nacht
Margot Mühlfellner lebt zwei Leben: Als Pädagogin formt sie untertags die Generation der Zukunft, ehe sie als Autorin in die Welt der Kriminalfälle eintaucht.

Eine Rechtschreibschwäche in der Schulzeit hätte Margot Mühlfellner beinahe davon abgehalten, ihren Traum zu erfüllen. Heute arbeitet die Steirerin, die eigentlich Sonderpädagogin ist, bereits an ihrem dritten Krimi – und wurde kürzlich mit dem Fine Crime Newcomer Award ausgezeichnet. „Ich habe mir schon immer gern Geschichten ausgedacht, hätte aber nie für möglich gehalten, dass ich einmal selber ein Buch schreiben würde, geschweige denn drei“, so die 50-Jährige.
Während untertags also die Arbeit mit Kindern das Leben der Pädagogin bestimmt, taucht sie abends in den Grazer Untergrund ein und lässt ihre Protagonisten Kriminalfälle lösen. „Ich liebe es, die menschliche Seite in der Ermittlungsarbeit zu zeigen und wie persönliche Erfahrungen Entscheidungen beeinflussen.“ Da Mühlfellner selbst leidenschaftliche Krimileserin ist, lag das Genre für sie auf der Hand, Graz habe sie ganz bewusst als Schauplatz gewählt. „Man findet mich als Autorin in diesen kleinen Elementen wieder, sei es in dem Fall diese Nähe zur Heimat oder gewisse Charakterzüge, die meine Figuren haben.“
Mein Verleger hat zu mir gemeint, dass gute Geschichten nicht auf perfekter Grammatik basieren
— Margot Mühlfellner, Autorin

Dass Mühlfellner heute ihre eigenen Bücher und einen Preis in ihrem Regal stehen hat, verdankt die Steirerin aus Dobl auch einer guten Freundin, wie sie erzählt. „Sie hat mich bestärkt, den ersten Teil fertigzuschreiben und einzureichen.“ Bereits beim zweiten Anlauf hatte die Doblerin Glück, ein Züricher Verlag griff zu. „Dass es so schnell klappt, ist in der Buchbranche nicht selbstverständlich“, kann es die Autorin heute noch nicht ganz glauben.
Bücher machten Tochter zur Leseratte
Die Rechtschreibschwäche – kein Thema: „Mein Verleger hat zu mir gemeint, dass gute Geschichten nicht auf perfekter Grammatik basieren und dieses Mindset hat mir sehr geholfen.“ Ihre sonderpädagogische Arbeit hat sie trotz ihres Erfolgs nicht niedergelegt, „denn wer Bücher für das Geld schreiben will, dem sei dringend davon abgeraten“, sagt die 50-Jährige lachend. Ihr Ziel war immer, das Leben von Menschen positiv zu verändern und die Gesellschaft mitzugestalten. „Und wo geht das besser als bei Kindern.“ Besonders stolz ist Mühlfellner aber darauf, dass sie ihre Tochter mit ihren Büchern zur Leseratte machen konnte. „Früher konnte ich sie nie zum Lesen bewegen, jetzt verschlingt sie Bücher geradezu.“
Im Oktober ist Mühlfellner dann beim Krimifest in Kärnten zu Gast: „Als ich von Schriftsteller Bernhard Aichner die Anfrage bekam, habe ich mir nur gedacht: ,Ich kann nicht glauben, dass das mein Leben ist.‘“