Endless Wellness: „Wir wollten eine Zukunft behaupten, wie sie auch möglich ist“
Phillipp Auer von Endless Wellness über Klimakrise, Utopien und den Auftritt am Fuzzstock Festival in Kärnten.

„Ich möchte kein Eisbär sein, ich möchte eine Zukunft“. . . hat sich diese Zustandsbeschreibung seit der Single „Danke für alles“ vor zwei Jahren verändert?
Phillipp Auer: Die Regler sind noch einmal hochgedreht worden. Wir haben während der letzten Tour noch geglaubt, dass wir so zehn oder 20 Jahre Zeit haben, doch jetzt sind wir mitten in einer Klimakrise und es wird nicht besser, sondern wir gehen von einem Katastrophenwetter in das nächste. Ich mag auf jeden Fall noch immer kein Eisbär sein.
Ihr habt euch als Band in Salzburg kennengelernt, aber in Wien gegründet. Ist Wien der bessere Boden für Indie-Rock als die Mozartstadt?
Wir haben das tatsächlich damals in Salzburg besprochen, dass es für Bands in anderen Städten schwer war, sich Gehör zu verschaffen. In Wien sind sehr viele Leute und eine aktive Szene, das hilft. Es ist sehr schade, dass Bands aus anderen Städten es oft schwieriger haben an die Öffentlichkeit zu finden. Zum Beispiel aus Innsbruck heraus ist der Weg in die Köpfe der Menschen schwieriger.
Wie hat der Ausstieg von Hjörtur Hjörleifsson die Musik verändert?
Es hat auf jeden Fall unsere Musik verändert, weil die Orgel nicht mehr da ist. Es gibt schon noch etwas Synthesizer, aber weniger und anders. Das kommende Album „Domino Days“ ist gitarrenlastiger. Wenn man ein Glied in einer Kette nimmt, klingt es anders. Es fühlt sich jetzt sehr nach einem gemeinsamen Sound an. Ich habe das Gefühl, wir sind dem, wo wir mit unserer Musik hinwollen, jetzt näher als noch beim ersten Album. Vielleicht auch, weil wir es nicht zum ersten Mal machen und mehr musikalisch zusammengewachsen sind.
Patrick Huter ergänzt euch jetzt an den Drums und Percussion.
Neu ist er ja nicht, er war immer einer von zwei Drummern und ist eigentlich von Anfang an mit dabei. Aber er ist jetzt nicht mehr nur ein Musiker, der dabei ist, sondern viel früher ins Songwriting involviert und das hört man dem Album an. Jedes Mal, wenn ich „Domino Days“ höre, denke ich, was für tolle Drums darauf zu hören sind.

Wer hat die Musik geschrieben?
Das ist immer unterschiedlich. Bei vielen Songs bin ich Haupt-Songwriter, bei zwei Songs übernimmt Milena die Position. Beim ersten Album waren die Songs sehr oft fertig, da hatte ich sehr deutliche Ideen. Beim zweiten Album habe ich viel früher die anderen eingebunden.
Bevor das Album herauskommt, werden noch fleißig Singles veröffentlicht: Lustig oder lästig?
Lustig ist das Musikmachen, lustig ist es, sich etwas zu überlegen. Lästig ist es aber, darüber nachzudenken, welcher Song wirtschaftlich ist. Das ist schade. „Danke für alles“ (Hit-Single von ihrem ersten Album „Was für ein Glück“, Anmerkung) fühlt sich mittlerweile für uns sehr fremd an. Die Leute lieben ihn, aber es tut manchmal weh, dass genau das der Song ist, für den wir bekannt sind. Ein lästiger Aspekt ist es auch, sich über Social Media Gedanken machen zu müssen. Da ist man dann hauptsächlich damit beschäftigt, sich über die Internetpräsenz und irgendwelche blöden Algorithmen Gedanken zu machen. Aber es ist schön, wenn man sich darüber Gedanken machen darf, wie ein Single-Cover aussehen kann, das gar nie gedruckt wird.
Die neue Single „So allein sollen wir nie wieder sein“ ist eine Utopie geworden. Eine kinderfrohe Utopie, die aber mit jener Kritik daherkommt, die man von euch kennt . . .
Es ist auf jeden Fall eine Utopie. Wir haben ganz klar versucht, keinen Sarkasmus reinzubringen, dass der Song sich nicht entlarvt. Dass er als Utopie dastehen darf. Wir wollten eine Zukunft behaupten, wie sie auch möglich ist und nicht nur die realen Schieflagen wie Klimapolitik, Rechtsextremismus oder Tech-Oligarchie offenlegen. Wir wollten darüber reden, dass es auch eine andere mögliche Zukunft gibt. Und die wollen wir gemeinsam laut singen.
Ihr spielt jetzt am Fuzzstock-Festival von Herwig Zamernik, unterhalb der Petzen, mögt ihr die Berge?
Auf jeden Fall. Wenn wir im Flachland sind, fühlen wir uns irgendwie unsicher. Adele wird immer übel, wenn man so weit sehen kann. In Wien geht es sich komischerweise aus, weil eh überall Häuser stehen und es ein paar Weinberge gibt. Aber ich mag dieses Jahr unbedingt noch wandern gehen.
Herwig Zamernik sagt, das Wandern ist des Fuzzmans Lust.
Ich liebe das Wandern auch, wenn es nicht gerade 40 Grad Celsius hat.
Nächste Termine:
Fuzzstock. 27. bis 30. August auf der Petzen (Talstation). Donnerstag (27. August, 17 Uhr) mit lokalen Bands bei freiem Eintritt. Freitag (28. August, 16 Uhr) mit Endless Wellness, Voodoo Jürgens u. a. Samstag (29. August) mit Wanderung (12 Uhr), Fuzzman & Co auf Emmis Mosthütte (14.15 Uhr), Dirk Stermann (17.30), Lara Hulo, Fatoni u. a. Sonntag (30. August) Frühschoppen mit Fritz Ostermayer (11 Uhr).
Endless Wellness spielen auch am 1. November, Dom im Berg, Graz. Das neue Album „Domino Days“ erscheint am 16. Oktober. Die Band besteht aus Philipp Auer (Gitarre, Gesang), Adele Ischia (E-Gitarre, Violine), Milena Klien (Bass, Gesang) und Patrick Huter (Drums, Percussion).

