Weststeirischer Bestatter startet KI-Angebot für den letzten Gruß
Mit KI-generierten Abschiedsbotschaften und Trauerreden will „Lebensstimmen“ in einen neuen Markt vorstoßen. Für die Skalierung sucht das Start-up nun Kapital.

Ein paar Fragen beantworten, eine Stimmprobe abgeben, auf Wunsch auch eine Videoaufnahme machen – und am Ende auf „Abschließen“ drücken. In wenigen Minuten entsteht daraus eine persönliche Botschaft, gesprochen mit der eigenen Stimme, auf Wunsch auch von einem digitalen Avatar. Nicht für den nächsten Geburtstag oder den Polterabend, sondern für die eigene Trauerfeier.
Hinter dieser Idee steht das Grazer Start-up „Lebensstimmen“. Mitgründer ist Markus Pinter, Geschäftsführer der Bestattung Pinter in Deutschlandsberg. Der Jurist leitete davor viele Jahre die Bestattung und Friedhöfe Wien. Seit 2023 führt er den weststeirischen Familienbetrieb.
Wenn der Avatar die letzten Worte spricht
Die Plattform soll Menschen ermöglichen, zu Lebzeiten Grußbotschaften oder sogar ihre eigene Abschiedsrede vorzubereiten. Ein digitaler Fragebogen liefert die Inhalte, eine Stimmprobe das Material für die KI. Auf Wunsch kann daraus nicht nur eine gesprochene Botschaft, sondern auch ein eigener Avatar entstehen, der in passende Umgebungen gesetzt wird – etwa an den Strand oder, für Fußballfans, ins Stadion. „Die Antwort ist immer nur so gut wie der Prompt“, sagt Pinter. Die Technik solle dabei den persönlichen Abschied nicht ersetzen. „Es ist ein zusätzliches Angebot“, betont er.
Genau darin liegt die Herausforderung: Wie viel Technik verträgt einer der intimsten Momente überhaupt? Pinter glaubt, dass vor allem jüngere Generationen offener dafür sein werden. KI könne Trauerfeiern individueller machen und den Tod vielleicht auch „ein bisschen aus der Tabuzone“ holen.

Wirtschaftlich steht „Lebensstimmen“ noch am Anfang. Die GmbH wurde am 19. Juni in Graz eingetragen, das Stammkapital beträgt 10.000 Euro. Hinter dem Start-up stehen Pinter sowie die Grazer Unternehmer Philipp Berkessy und Lukas Stern, die Geschäftsführung liegt bei Berkessy.
Für die technische Skalierung brauche es jetzt laut Gründerteam einige hunderttausend Euro. Gespräche mit einem größeren Investor stünden laut Pinter kurz vor dem Abschluss, unterschrieben sei aber noch nichts.

So viel kostet der digitale letzte Gruß
Die ersten Angebote sollen ab rund 200 Euro starten und je nach Umfang in Paketen gestaffelt werden. Einnahmen verspricht sich das Start-up vor allem über Bestatter, Versicherungen und weitere Vertriebspartner. Der offizielle DACH-Launch ist laut Unternehmen für Oktober geplant, der internationale Rollout ab 2027.
Pinter selbst wickelt mit seinem Deutschlandsberger Unternehmen jährlich rund 400 bis 500 Bestattungsfälle ab. Für das Start-up „Lebensstimmen“ kalkuliert er noch vorsichtig: Bei seinen eigenen Trauerfällen könnten zunächst „bis fünf Prozent“ ein solches digitales Zusatzangebot nutzen.
„Lebensstimmen“ sei nicht nur ein neues Geschäftsfeld, sondern auch ein Ausdruck für die veränderte Bestattungskultur. Abschiede würden individueller, digitale Angebote selbstverständlicher. KI könne dabei künftig eine größere Rolle spielen – als Zusatzangebot. Der persönliche Abschied und die Begleitung der Angehörigen blieben aber auch künftig zentral, betont Markus Pinter.