Antisemitismus: „Vorfälle wie der in Schladming sind Gott sei Dank noch selten“
Antisemitismus habe stark zugenommen, so IKG-Präsident Elie Rosen. Im Gegensatz zum Vorfall Ende letzter Woche im Ennstal handle es sich meist jedoch um Verbalattacken.
Nein, sagt Elie Rosen, im Gespräch mit der Kleinen Zeitung, der Vorfall Ende letzter Woche in Schladming, überrasche ihn nicht. Am Donnerstag hatte ein 70-jähriger Einheimischer einen 30-jährigen Urlauber mit einem Revolver bedroht und sich judenfeindlich geäußert. Antisemitische Vorfälle, erklärt der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) für Salzburg, Steiermark und Kärnten, hätten stark zugenommen.
Jener im Ennstal unterscheide sich aber von der Mehrheit. Es habe sich um keine reine Verbalattacke, sondern um eine Drohung mit einer Waffe gehandelt. Noch, so Rosen, seien „Vorfälle wie der in Schladming aber Gott sei Dank relativ selten“. Auch gebe es einen Unterschied, was den Täter betreffe. In der Regel würden diese aus dem linksextremen oder muslimischen Spektrum kommen, in diesem Fall nicht.
Unterschiede zwischen Bundesländern
Der Steiermark attestiert der IKG-Präsident im Vergleich mit anderen Bundesländern trotzdem einen durchaus sensiblen Umgang mit seiner jüdischen Bevölkerung. Auch wenn es in Graz seit 2020 eine Häufung antisemitischer Vorfälle – unter anderem einen körperlichen Angriff auf Rosen selbst – gegeben habe und sich die Situation seit dem Gazakrieg ab 2023 noch einmal verschärft habe.
Kritik übt er vor allem an Salzburg, wo einem Mitarbeiter eines Sicherheitsdiensts, der für den Schutz der Synagoge hätte sorgen sollen, ein Waffenpass verweigert wurde. Das Landesverwaltungsgericht, ärgert sich Rosen, habe argumentiert, dass die Gefahr von Anschlägen „reine Vermutung“ sei. Gleichzeitig schütze die Polizei das Gebäude bei Veranstaltungen aber selbst. Das sei widersprüchlich.
Wandel der Gästestruktur in Schladming?
Zurück nach Schladming und einer dortigen Entwicklung in jüngerer Vergangenheit, nämlich der Zunahme jüdisch-orthodoxer Urlauber. Die Kleine Zeitung hat darüber bereits letztes Jahr berichtet. Auch einer Leserin ist diese Entwicklung bei ihrem heurigen Sommerurlaub nicht verborgen geblieben. Die Reaktionen darauf, schildert sie, würden unterschiedlich ausfallen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage würden die Gäste aus Nahost bei manchen anderen Urlaubern für Diskussionen sorgen. Teils lasse sich auch Verunsicherung beobachten, so die Leserin in ihrem Schreiben an die Redaktion. Sie würde auch gerne wissen, wie man beim Tourismusverband Schladming-Dachstein mit diesem Wandel der Gästestruktur umgehe.
Gäste aus Israel machen nur 1,67 Prozent aus
Einen solchen gebe es nicht, sagt TVB-Geschäftsführer Mathias Schattleitner. Man merke zwar, dass dieses Gästesegment wachse, von einem Wandel sei man aber weit entfernt. 2025 seien nur 1,67 Prozent der Nächtigungen – das sind rund 32.000 von über 1,9 Millionen – auf Personen aus Israel entfallen. Von denen wiederum nur ein Teil jüdisch-orthodox sei. Verunsicherung habe er nicht wahrgenommen.

Warum sich Schladming bei strenggläubigen Juden wachsender Beliebtheit erfreut, ist für den Touristiker ein Rätsel. „Es gibt keinen offensichtlichen Grund, das ist kein Markt, den wir aktiv bearbeiten. Wir freuen uns aber natürlich über alle Gäste.“ Es sei grundsätzlich ein Trend, dass die Urlauberschaft in den österreichischen Alpen internationaler werde, unter anderem aufgrund vergleichsweise kühler Temperaturen.

