Trockenheit zwingt Kärntens Bauern zu Notschlachtungen
Aufgrund der Trockenheit haben Kühe zu wenig Futter und Wasser. Futterpreis steigt und Fleischpreis sinkt, weil sich schon viele von ihren Tieren trennen.

Einst standen die Kühe auf saftigem Grün, jetzt auf vertrockneten Weiden oder bereits wieder im Stall, wo sie viel zu früh das Winterfutter fressen. Zahlreiche Milchkuhbauern in Kärnten sind aktuell so verzweifelt, dass sie wegen der Futterknappheit nur noch einen Ausweg sehen: Die Schlachtung der Tiere.
Jutta Unterberger betreibt mit ihrem Mann Ludwig Mutterkuhhaltung in Brückl, nennt 50 Stück ihr Eigen und weiß nicht mehr weiter. „Der erste Schnitt war heuer verfrüht, der zweite auch. 50 Prozent der Ernte sind in diesem Jahr ausgefallen, die Wiese ist verdörrt und auf den Weiden ist kein Wasser. Wir müssen es mit einem Güllefass hinführen. Die Tiere brauchen 5000 Liter pro Tag“, sagt sie. Noch hat der Betrieb von Ludwig und Jutta Unterberger Futterreserven aus dem Vorjahr. Aber auch die gehen zur Neige.

Alle paar Jahre erleben wir Landwirte kleine Katastrophen, jetzt eine große.
— Jutta Unterberger,, Landwirtin aus Brückl
„Alle paar Jahre erleben wir Landwirte kleine Katastrophen, jetzt eine große. Zukaufen ist unmöglich, niemand hat Futter. Im Herbst werden wir zehn Kühe verkaufen, die werden in die Schlachtung gehen – obwohl der Preis nach unten marschiert und der Markt steht“, so Jutta Unterberger.
Initiative der Kammer
Eine Möglichkeit, zusätzliches Grundfutter zu gewinnen, bietet der Anbau von Zwischenfrüchten für die Futternutzung. Die Landwirtschaftskammer Kärnten unterstützt die Zusammenarbeit zwischen viehlosen Ackerbaubetrieben und viehhaltenden Betrieben nun aktiv. Über die Außenstellen der LK Kärnten werden Angebot und Nachfrage zusammengeführt. Die Kammer richtet daher einen ausdrücklichen Aufruf an alle Betriebe: Wer Flächen für die Futternutzung anbieten kann oder dringend Futter benötigt, soll sich an die jeweilige Außenstelle der LK Kärnten wenden. Ziel ist es, mittels Futterzwischenfrucht-Partnerschaften möglichst rasch regionale Lösungen zu schaffen und die Versorgung der Tierbestände sicherzustellen. In der Außenstelle werden förderrechtliche Voraussetzungen abgeklärt. Ein eigens erstellter Kooperationsvertrag bietet Rechtssicherheit.
Tiere fressen jetzt das Winterfutter
Lobbychef Andreas Hetzlinger von der IG Milch spricht von einer absoluten Ausnahmesituation: „Die Kühe gehen nicht mehr auf die Weide, weil kein Futter wächst und es auch viel zu heiß ist, sie stehen im Stall und fressen das Heu für den nächsten Winter.“ Schlachthöfe würden bereits ein erhöhtes Aufkommen verzeichnen, weil sich viele Bauern den Zukauf von Futtermitteln nicht mehr leisten können. Die IG Milch fordert daher eine Dürreausgleichszahlung von 300 Euro je Großvieheinheit in Dürreregionen mit Mitteln aus dem Katastrophenfonds.
„Brauchen finanzielle Hilfe“
Der Unabhängige Bauernverband Kärnten wendet sich an die Kärntner Landesregierung und sagt: „Die Schadensabdeckung durch die Hagelversicherung reicht nicht aus, obwohl Landwirte hohe Versicherungsprämien bezahlt haben. Auch eine reine Futterbörse wird die wirtschaftlichen Folgen der Dürre nicht bewältigen können. Es braucht finanzielle Unterstützung aus dem Katastrophenfonds.“

Die Bauern erleben derzeit mehrere Wellen, die in einem Tsunami enden könnten.
— Rudolf Grünanger,, Obmann Agrarhandel Kärnten
Und der Agrarmarkt reagiert. „Die Quote der Kuhschlachtungen in Kärnten war heuer im Juli um rund 20 Prozent höher, als im Vorjahr“, sagt Rudolf Grünanger, Obmann vom Agrarhandel Kärnten. Konkrete Zahlen für Juli wird es erst Mitte August geben. „Aber die Situation wird sich weiter verschlimmern, wenn der Almabtrieb im vollen Ausmaß beginnt.“ Derzeit treiben erste Landwirte bereits ihre Tiere von den verdörrten Südhängen. Grünanger rät den Landwirten, „nicht in Panik zu verfallen, die Tiere durchzufüttern und den Bestand zu halten“, weiß aber, dass die Vorzeichen „dramatisch wie noch nie“ sind.

Grünanger ortet „mehrere Wellen, die in einem Tsunami“ münden könnten und nennt: Futtermangel, Notverkäufe bei fallenden Fleischpreisen, höhere Getreidepreise aufgrund höherer Nachfrage und Transportprobleme, weil etwa der Wasserstand von Flüssen zu niedrig ist. Der Agrarhandel sei „gnadenlos“. Aber es gebe Kollegen, die noch Heu, Stroh und Sonstiges anbieten würden. Er setzt auf Ergänzungsfutter - man hoffe, dass der Mais die Trockenheit gut überstehe. „Und es gibt auch die Möglichkeit, Zwischenfrüchte zu machen.“

Das Problem ist: Das Fleisch wird europaweit vermarktet, die Dürre gibt es überall und alle stocken ab.
— Johann Burgstaller,, Tierzuchtdirektor Landwirtschaftskammer Kärnten
Johann Burgstaller, Tierzuchtdirektor der Landwirtschaftskammer Kärnten, schätzt, dass im Juli in Kärnten die Schlachtquote um zehn bis 15 Prozent höher war als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. „Das Problem ist: Das Fleisch wird europaweit vermarktet, die Dürre gibt es überall und alle stocken ab. Daher sind viele Schlachtkühe am Markt und die Nachfrage fehlt. Erschwerend kommt dazu, dass die Schweiz die Kontingente für importiertes Rindfleisch beschränkt hat“, so Burgstaller. Die Landwirte müssten sich jetzt entscheiden: Teurer Futterzukauf, Hoffen auf Ergänzugsfutter oder Schlachtung?


