Nicht fuchteln! Was hilft, wenn Wespen zu sehr nerven?
Wespen gehören zum Sommer dazu – und sorgen trotzdem regelmäßig für Ärger. Experten verraten, wie man sich richtig verhält, wann die Tiere tatsächlich gefährlich werden und was man beachten sollte, wenn es wirklich zum Stich kommt.
Kaum stehen Kuchen, Grillfleisch oder Saft auf dem Tisch, sind sie da: Wespen gehören im Sommer einfach dazu. Besonders in einem starken Wespenjahr wie diesem. Doch wie verhält man sich richtig, wenn die Tiere aufdringlich werden? Manuel Vilgut, Vorstand der Fachgruppe Entomologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Kärnten, rät vor allem zu einem: Ruhe bewahren.
„Die meisten Wespen sind friedlich“, sagt der Insektenexperte. Sie werden in erster Linie dann aggressiv, wenn sie ihr Nest verteidigen müssen. Wer hektisch mit den Armen fuchtelt oder nach den Tieren schlägt, erhöht deshalb das Risiko, gestochen zu werden. Auch sollte man nicht versuchen, Wespen „wegzupusten“, weil das CO₂ im Atem auf die Insekten wie ein Alarmreiz wirkt.
Essen abdecken
Beim Essen im Freien ist es hilfreich, Speisen und Getränke abzudecken und Süßes nicht offen stehen zu lassen. Vor allem im Spätsommer sind Wespen verstärkt auf der Suche nach Zucker und werden deshalb besonders von Süßem angelockt. Vilgut sieht das ganz pragmatisch: „Ich esse zu der Zeit dann lieber drinnen.”
Wer auf den Platz im Freien besteht und sein Essen lieber nicht teilen will, versucht es mit Hausmitteln aller Art – von Aromakerzen über Kupfermünzen in der Sonne bis hin zu zerknüllten Papiersackerl, die ein Hornissennest imitieren sollen, manch einer druckt sich so eines mit dem 3D-Drucker. Vilgut wendet keine dieser Strategien an: „Ich lasse sie einfach machen.“
Anfüttern, aber rechtzeitig
„Insektenfritz“ Friedrich Kach rät zu feuerfesten Schalen, in denen Kaffee verbrannt wird: „Das ist eigentlich das Einzige, was hilft. Am besten bietet man ihnen aber eine alternative Futterstelle, etwas entfernt von Grill und Terrasse, an. Damit muss man aber schon Tage vorher anfangen, damit sie sich dran gewöhnen.“
Stichen vorbeugen
- Insektengitter an Fenster und Türen
- Nie aus Dosen oder undurchsichtigen Flaschen trinken
- Beim Essen und Trinken im Freien Gläser, Schüsseln abdecken
- Obst und Getränke im Kühlschrank aufbewahren
- Tisch gleich nach dem Essen abräumen
- Hektische Bewegungen in der Nähe von Wespen, Bienen vermeiden
- Schuhe (keine Sandalen) auf Wiesen und im Garten tragen, nicht barfuß laufen
- Auf duftende Sprays, Parfums oder Kosmetikprodukte verzichten
Sollte sich ein Nest direkt am Hauseingang, auf dem Balkon oder an einer anderen häufig genutzten Stelle befindet, sollte es fachgerecht entfernt werden. Wer dem Nest hingegen aus dem Weg gehen kann, sollte die Tiere möglichst in Ruhe lassen.
Vilgut erinnert außerdem daran, dass Wespen trotz ihres schlechten Rufs wichtige Nützlinge sind. Sie jagen große Mengen anderer Insekten und helfen so dabei, Schädlinge wie Blattläuse oder Raupen in Schach zu halten. Zudem kommen viele Wespenarten mit Menschen nur selten in Kontakt. „Ich weiß, die, die wir am häufigsten wahrnehmen, sind auch meist die Lästigsten.“
Mit dem ersten Frost löst sich das Problem schließlich von selbst. Dann stirbt das gesamte Volk ab. Nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern an geschützten Orten und gründen im nächsten Frühjahr einen neuen Staat.
Wann ist ein Stich ein Notfall?
Die Apothekerkammer Österreich erklärt: Treten nach einem Wespenstich Anzeichen einer allergischen Reaktion oder einer Anaphylaxie auf, sollte die Rettung gerufen werden (Notruf 144). Typische Anzeichen dafür sind:
- Atemnot (pfeifendes oder erschwertes Atmen, Engegefühl im Hals)
- Schwellung von Zunge, Lippen, Gesicht oder Hals
- Heiserkeit oder Schluckbeschwerden
- Hautausschlag am ganzen Körper (Nesselsucht, Rötung)
- Schwindel, Benommenheit, Kreislaufkollaps, Ohnmacht
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe kurz nach dem Stich
Ist eine Insektenallergie bekannt, sollte man mit dem Hausarzt oder der Hautärztin frühzeitig besprechen, welche Notfall-Medikamente immer zur Hand sein müssen.
Eine ärztliche Abklärung macht Sinn bei:
- Stich im Mund, Rachen oder Halsbereich (auch ohne Allergie kann die Schwellung gefährlich werden)
- stark zunehmender Schwellung (mehr als 10 Zentimeter Durchmesser) oder anhaltender Schmerzen
- Rötung, Überwärmung, Eiter (Verdacht auf Infektion)
- Fieber in den Tagen nach dem Stich
- mehreren Stichen gleichzeitig (Gefahr einer Giftüberdosis, vor allem bei Kindern)