Selbstversuch: Wie sich SUP-Yoga am Stubenbergsee anfühlt
Vom herabschauenden Hund und anderen tierischen Begegnungen auf dem Wasser: Die oststeirische Yogalehrerin Corinna Postl bietet Stand-Up-Paddle-Yoga auf dem Stubenbergsee an. Ein Selbstversuch zum Treiben lassen.

Die einzige treibende Kraft ist das Wasser mit seinen Wellen. So sachte wie das Stand-Up-Paddle-Board (SUP) auf den Wogen gleitet, bewege ich mich von einer Yoga-Übung, einer Asana, in die nächste. „Einatmen, mit den Schultern nach hinten unten kreisen, ausatmen, nach vorne kreisen“, gibt Yogalehrerin Corinna Postl in sanftem, eindringlichem Ton vor.
Ich sitze im Schneidersitz schwimmend auf dem Stubenbergsee und werde in der Gruppe zum Wir. Wie in einer Schicksalsgemeinschaft sind wir aneinander gebunden. Im wahrsten Sinne des Wortes: Um nicht auseinanderzudriften, sind die SUP mit einem Seil verknotet.
Kooperation mit Segelschule
Gemeinsam und doch jede Teilnehmerin für sich wird gestreckt, gedehnt, geatmet. Alles unter der Anleitung von Postl, die in Kooperation mit der Surf- und Segelschule Reiger im Sommer immer freitags SUP-Yoga anbietet.

Vorkenntnisse sind nicht nötig, versichert die 24-Jährige schon vor Beginn der Einheit bei einer kurzen Einführung. „Manche haben Bedenken, weil sie zuvor noch nie Yoga praktiziert haben, aber das muss man auch nicht. Wir machen ganz einfache Bewegungen“, sagt Postl, die in ihrem Heimatort Rohrbach an der Lafnitz als „Yogina“ ein eigenes Yogastudio betreibt.
Eintauchen in Yoga
Seit drei Jahren bietet sie SUP-Yoga auf dem Stubenbergsee an und es sei noch nie jemand ins Wasser gefallen, erzählt sie. So ganz will ich das nicht glauben, als ich mit leicht wackeligen Beinen auf das noch wackeligere SUP im Wasser klettere und zum Paddel greife. Jede Teilnehmerin in ihrem Tempo paddelt in Richtung Südufer des Sees.
Zum SUP-Yoga
Corinna Postl bietet in Kooperation mit der Surf- und Segelschule Reiger im Sommer immer freitags SUP-Yoga auf dem Stubenbergsee an. Die nächsten Termine sind am 21. und 28. August, jeweils von 17.30 bis 19 Uhr. Bei Schlechtwetter findet es nicht statt.
Am Ufer des Greinbachsees veranstaltet sie im Sommer mittwochs Yoga-Einheiten. Ab Oktober starten die Kurse in ihrem Yogastudio in Rohrbach an der Lafnitz. Mehr Infos und Anmeldung unter Tel. 0664-543 81 23 oder auf Instagram unter yogina_postl.
Den Nachzüglerinnen ruft Postl, die schon weiter vorn ist, zu: „Kein Stress!“ Es hört sich an wie ein Versprechen für die nächsten eineinhalb Stunden. Wir lassen nicht nur den Stress des Tages hinter uns, sondern auch badende Kinder, eifrige Schwimmer und strampelnde Tretbootfahrer, bis wir uns am naturnahen Teil des Sees wieder treffen.

Ruhig ist es auch hier nicht. Ein Gemisch aus Gute-Laune-Musik, fröhlichen Badegästen und düsenden Tandem-Fahrradfahrern dringt in die Ohren. Ruhe findet man trotzdem, als Postl dazu ermuntert, bei den ersten Übungen die Augen zu schließen, um in der Yoga-Einheit anzukommen. „Beim Yoga geht es nicht nur um das Körperliche. Es ist eine Verbindung aus Körper, Geist und Seele“, erklärt Postl.
Yoga sei ein Hilfsmittel, um zu sich zu kommen, erzählt die Psychotherapie-Studentin. Dazu passe die beruhigende Wirkung des Sees. Wie die Wellen kommen und gehen hier die Gedanken auf dem SUP, das zur Yogamatte geworden ist.
Katze-Kuh mit Spinne
Während ich mich für die „Katze-Kuh“-Übung, bei der der Rücken im Vierfüßlerstand abwechselnd rund gemacht und durchgebogen wird, bereit mache, entdecke ich auf dem SUP eine kleine Spinne. Wohl wissend, dass es mit dem blinden Passagier an Bord mit der vollkommenen Entspannung nun vorbei sein könnte, fange ich sie mit einer weggeworfenen Plastikflasche, die ich zuvor aus dem Wasser gefischt habe, ein.

Einatmend, ausatmend geht es unter der Anleitung von Postl tiefenentspannt weiter – von einer Asana in die nächste. Bis zur „diagonalen Katze“, bei der man gegengleich einen Arm und ein Bein hebt – die erste richtige Bewährungsprobe für die Teilnehmerinnen auf den noch immer zusammengebundenen SUP. Gemeinsam wird gewackelt, einen Tauchgang legt jedoch niemand ein.
Wo bin ich?
Stattdessen knüpfen wir den Knoten auf, um fortan völlig losgelöst voneinander im Wasser zu treiben. Wortwörtlich. So gilt bei den abschließenden Übungen der erste Blick nach dem Öffnen der Augen der ersten Orientierung: Wo bin ich? Wo ist die Yogalehrerin? Wo sind die anderen?

Für Postl ist das Besondere am SUP-Yoga, dass die Gruppe dabei zu einem Team werde. „Es ist eine andere Dynamik als bei Yoga-Einheiten in einem Raum. Man hilft sich auch gegenseitig.“ So wird beim Auseinanderdriften schnell mal die Hand oder besser gesagt das Paddel gereicht.
Losgelöst, entspannt und vor allem trocken geht es so am Ende wieder zurück zum Ufer. Trocken blieb übrigens auch der tierische blinde Passagier in der Plastikflasche, der schnell im Gras davon krabbelte.



