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Graz schwitzt um die Wette bei der Meisterschaft im Sauna-Aufguss

Die Staatsmeisterschaft im Sauna-Aufguss macht erstmals Halt in Graz. Worauf es beim perfekten Aufguss ankommt, warum Sauna auch im Sommer sinnvoll ist, und was das mit Feminismus zu tun hat.

Zwei Menschen wacheln mit dem Handtuch in einer Saunakabine
© Klz / Daniel Winter
Kathrin Waldhauser-Jarz und Mark Zipperle üben ihren Aufguss
Michael Suntinger
Bundesland Steiermark | Graz

„So won‘t you, please be my, be my Baby“, schallt es aus der Boom-Box auf dem Ofen, während Veranstalterin Katharina Waldhauser-Jarz mit ihrem Partner Mark Zipperle durch die finnische Saunakabine tanzt. Dirty Dancing lautet das Thema des Eröffnungsaufgusses der diesjährigen Sauna-Staatsmeisterschaft in der Grazer Auster. In der Luft liegt der Geruch von Rhododendron. Das Publikum folgt gebannt der Show.

Das Verhältnis der Geschlechter ist gemischt am Freitagnachmittag im Saunazelt in der Auster. „Bei uns gibt es zum Beispiel nicht den klassischen schlechten Herrenwitz am Ende”, lacht Waldhauser-Jarz. „Das ist unser feministischer Anspruch, zu sagen: Wir wollen das nicht.” Bei ihrer Veranstaltung will sie die Teilhabe von Frauen in einer Männerdomäne fördern.

Ein Mann und eine Frau posieren für ein Foto. Sie lächeln gut gelaunt in Richtung Kamera. Im Hintergrund stehen eine weitere Frau und zwei Männer.
© KLZ / Daniel Winter
Das Publikum erwartet den Eröffnungsaufguss

Grundsätzlich kann jeder mitmachen. Voraussetzung ist nur die Staatsbürgerschaft, ein Saunameister-Zertifikat und eine Referenzliste, erklärt Waldhauser-Jarz. Bei dem Bewerb geht es nicht etwa darum, wer länger schwitzen kann, sondern um den besten Aufguss. „Es geht uns um Wohlfühlaufgüsse. Die dauern höchstens 15 Minuten. Es soll gesundheitsförderlich bleiben”, kommentiert die Veranstalterin.

Worauf es ankommt

Bewertet werden die Aufgüsse von einer Fachjury. Zwei Kriterium sind Achtsamkeit und Auftritt. Bewertet werden die Ansprache, die Interaktion mit dem Publikum und die Sicherheit, mit der ein Kandidat den Aufguss durchführt. Wichtig sind vor allem Hygiene und Sauberkeit. „Das beginnt beim Umgang mit Schweiß bis hin zum Verschütten von Wasser und Ölen", erklärt Juror Markus Schatzl.

Aus Hygienegründen sind Katharina Waldhauser-Jarz und ihr Aufgusspartner die einzigen in der Kabine, die bekleidet sind. Zwischen zwei Songs trocknen sie sich ab. Von Durchgang zu Durchgang wird es heißer in der Kabine. Am Ende dann der Hitzeschauer: Zu den Klängen von „I love Rock‘n‘Roll“ heizen die beiden, begleitet von einer Duftmischung aus Zedernholz und Ingwer, ein. Und das Publikum geht mit. Begleitet von Applaus öffnen die beiden die Türen. Vergleichsweise kalte Luft strömt in die Sauna. Nach circa 12 Minuten ist alles vorbei.

Die beiden Aufgießer posieren nach ihrem Aufguss für ein Foto in der Kabine
© KLZ / Michael Suntinger
Veranstalterin Kathrin Waldhauser-Jarz und ihr Partner Mark Zipperle nach dem Eröffnungsaufguss

Die Verteilung der warmen Luft im Raum ist ein weiteres wesentliches Kriterium für einen guten Aufguss. „Es geht darum, einen Spannungsbogen aufzubauen”, erklärt Andreas Peissel, einer der Wettkämpfer. Der ganze Ablauf wird einstudiert. Choreographie, Duftauswahl und Musik müssen alle auf ein Thema abgestimmt sein, wenn man eine Chance haben will zu gewinnen.

Andreas Peissel sitzt auf einer Bierbank im Außenbereich der Auster und ist in sein Gespräch vertieft
© Klz / Daniel Winter
Andreas Peissel nimmt selbst an der Saunameisterschaft teil

Die Kunst des richtigen Wachelns

Alen Pikon lebt von Aufgüssen. Er ist hauptberuflich Saunameister, gießt in verschiedensten Hotels auf und betreibt eine Sauna-Schule. „Wir bereiten Teilnehmer gezielt auf solche Veranstaltungen vor“, berichtet er. Gemeinsam wird dann der perfekte Aufguss erarbeitet. „Einige schaffen das in wenigen Monaten, andere brauchen Jahre“, meint er. Für ihn gibt es sowas wie ein Talent zum Saunameister. Wichtig ist aus seiner Sicht vor allem die Leidenschaft. „Du musst deinen Gästen ein schönes Erlebnis bieten wollen“, sagt er.

Alen Pikon steht gestikulierend in einer Menschenmenge
© KLZ / Daniel Winter
Alen Pikon ist hauptberuflich Saunameister

Auch eine gute Kondition ist als Saunameister vorteilhaft. „Es hilft natürlich für die Ausstrahlung, wenn du am Ende noch gerade stehst“, meint Pikon. Die momentane Hitze mit 35 Grad spielt dabei für ihn nicht unbedingt eine Rolle. „Für die Gesundheit und das Immunsystem ist Saunieren auch im Sommer gut“, sagt er. Der Saunagang im Sommer hat sogar Vorteile. „Ich nehme die Hitze ganz anders wahr. Wenn ich aus der Kabine komme, ist mir bei 30 Grad fast kalt“.

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