Graz schwitzt um die Wette bei der Meisterschaft im Sauna-Aufguss
Die Staatsmeisterschaft im Sauna-Aufguss macht erstmals Halt in Graz. Worauf es beim perfekten Aufguss ankommt, warum Sauna auch im Sommer sinnvoll ist, und was das mit Feminismus zu tun hat.

„So won‘t you, please be my, be my Baby“, schallt es aus der Boom-Box auf dem Ofen, während Veranstalterin Katharina Waldhauser-Jarz mit ihrem Partner Mark Zipperle durch die finnische Saunakabine tanzt. Dirty Dancing lautet das Thema des Eröffnungsaufgusses der diesjährigen Sauna-Staatsmeisterschaft in der Grazer Auster. In der Luft liegt der Geruch von Rhododendron. Das Publikum folgt gebannt der Show.
Das Verhältnis der Geschlechter ist gemischt am Freitagnachmittag im Saunazelt in der Auster. „Bei uns gibt es zum Beispiel nicht den klassischen schlechten Herrenwitz am Ende”, lacht Waldhauser-Jarz. „Das ist unser feministischer Anspruch, zu sagen: Wir wollen das nicht.” Bei ihrer Veranstaltung will sie die Teilhabe von Frauen in einer Männerdomäne fördern.

Grundsätzlich kann jeder mitmachen. Voraussetzung ist nur die Staatsbürgerschaft, ein Saunameister-Zertifikat und eine Referenzliste, erklärt Waldhauser-Jarz. Bei dem Bewerb geht es nicht etwa darum, wer länger schwitzen kann, sondern um den besten Aufguss. „Es geht uns um Wohlfühlaufgüsse. Die dauern höchstens 15 Minuten. Es soll gesundheitsförderlich bleiben”, kommentiert die Veranstalterin.
Worauf es ankommt
Bewertet werden die Aufgüsse von einer Fachjury. Zwei Kriterium sind Achtsamkeit und Auftritt. Bewertet werden die Ansprache, die Interaktion mit dem Publikum und die Sicherheit, mit der ein Kandidat den Aufguss durchführt. Wichtig sind vor allem Hygiene und Sauberkeit. „Das beginnt beim Umgang mit Schweiß bis hin zum Verschütten von Wasser und Ölen", erklärt Juror Markus Schatzl.
Aus Hygienegründen sind Katharina Waldhauser-Jarz und ihr Aufgusspartner die einzigen in der Kabine, die bekleidet sind. Zwischen zwei Songs trocknen sie sich ab. Von Durchgang zu Durchgang wird es heißer in der Kabine. Am Ende dann der Hitzeschauer: Zu den Klängen von „I love Rock‘n‘Roll“ heizen die beiden, begleitet von einer Duftmischung aus Zedernholz und Ingwer, ein. Und das Publikum geht mit. Begleitet von Applaus öffnen die beiden die Türen. Vergleichsweise kalte Luft strömt in die Sauna. Nach circa 12 Minuten ist alles vorbei.
Die Verteilung der warmen Luft im Raum ist ein weiteres wesentliches Kriterium für einen guten Aufguss. „Es geht darum, einen Spannungsbogen aufzubauen”, erklärt Andreas Peissel, einer der Wettkämpfer. Der ganze Ablauf wird einstudiert. Choreographie, Duftauswahl und Musik müssen alle auf ein Thema abgestimmt sein, wenn man eine Chance haben will zu gewinnen.

Die Kunst des richtigen Wachelns
Alen Pikon lebt von Aufgüssen. Er ist hauptberuflich Saunameister, gießt in verschiedensten Hotels auf und betreibt eine Sauna-Schule. „Wir bereiten Teilnehmer gezielt auf solche Veranstaltungen vor“, berichtet er. Gemeinsam wird dann der perfekte Aufguss erarbeitet. „Einige schaffen das in wenigen Monaten, andere brauchen Jahre“, meint er. Für ihn gibt es sowas wie ein Talent zum Saunameister. Wichtig ist aus seiner Sicht vor allem die Leidenschaft. „Du musst deinen Gästen ein schönes Erlebnis bieten wollen“, sagt er.

Auch eine gute Kondition ist als Saunameister vorteilhaft. „Es hilft natürlich für die Ausstrahlung, wenn du am Ende noch gerade stehst“, meint Pikon. Die momentane Hitze mit 35 Grad spielt dabei für ihn nicht unbedingt eine Rolle. „Für die Gesundheit und das Immunsystem ist Saunieren auch im Sommer gut“, sagt er. Der Saunagang im Sommer hat sogar Vorteile. „Ich nehme die Hitze ganz anders wahr. Wenn ich aus der Kabine komme, ist mir bei 30 Grad fast kalt“.
