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Europa muss beim Schutz der Jungen Meter machen

Thomas Golser
Redakteur Außenpolitik/International
© IMAGO

Die Bundesregierung wacht auf, doch der Schutz der Jungen vor süchtig machenden Inhalten sozialer Medien bleibt ein EU-Fleckerlteppich. Brüssel hat eine Bringschuld.

Am Montag wurde von Österreichs Regierung das durchaus mit Spannung erwartete Nutzungsverbot von Social Media unter 14 Jahren vorgestellt. Nun wird „begutachtet“ – keine leichte Geburt also, passend zur komplexen Thematik. Österreich tritt – wie etliche andere EU-Staaten – einen Alleingang an. Hier gebar dräuendes Problembewusstsein etwas – allerdings erst Jahrzehnte, nachdem die ersten sozialen Medien die (globale) Runde machten.

Die großen Fragen, die sich nicht nur Experten stellen: Warum braucht es in einem vereinten Europa eigentlich nationalstaatliche Alleingänge? Warum geht man hier in der Europäischen Union über einen Fleckerlteppich, während Brüssel sich in Arbeitsgruppen verliert? Ist beispielsweise ein Kind oder ein Jugendlicher in Frankreich schützenswerter als eines aus Ungarn? Sind die Gefahren in Österreich andere als in Belgien?

Wäre nicht der Schutz der jungen Generation vor Abhängigkeit, sozialen Fehlentwicklungen und Vereinnahmung durch toxische Inhalte in sozialen Medien ein extrem wichtiger Anlassfall, um Europa gemeinsam auf Spur zu bringen?“

Wäre nicht der Schutz der jungen Generation vor Abhängigkeit, sozialen Fehlentwicklungen und Vereinnahmung durch toxische Inhalte in sozialen Medien ein extrem wichtiger Anlassfall, um Europa gemeinsam auf Spur zu bringen? Eine EU-weite Lösung würde auch „Ausweichbewegungen“ verhindern, wie die ISPA, die Interessenvertretung der heimischen Internetwirtschaft, zu Recht betont. Österreichs Regierung unterstütze weiter die geplante Initiative zur Einführung eines EU-weiten Mindestalters für die Nutzung von sozialen Netzwerken. Ob und wann es ein solches geben wird, steht in den Sternen.

Natürlich: Wie das Beispiel Australien, das Ende 2025 ein entsprechendes Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren einführte, zeigt: Verbote werden oft umgangen, ein lückenloser Schutzwall wird Wunschdenken bleiben. Trotzdem und gerade deshalb muss man auch bei den Betreibern die Schrauben ansetzen und sie zu maximalem Aufwand anhalten, um eine Umgehung so schwierig wie möglich zu machen. Es gilt die US-Social-Media-Konzerne in die Pflicht zu nehmen, die für ihr Geschäft in der EU große (und nach wie vor gewinnsteuerlich geschmeidige) Europazentralen in Irlands Hauptstadt Dublin betreiben.

Wo bleibt in Österreich die Förderung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen? Ist digitale Grundbildung ausreichend im Lehrplan verankert? Und dann ist da noch die unbequeme Frage: Was können und was müssen Eltern tun?“

Dringend zu thematisieren auch: Wo bleibt in Österreich die Förderung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen? Ist digitale Grundbildung ausreichend im Lehrplan verankert? Und dann ist da noch die unbequeme Frage: Was können und was müssen Eltern tun?

Der fortan obligatorische Altersnachweis für Social-Media-Plattformen mit süchtig machenden Inhalten werde auch für Porno-Seiten gelten, heißt es aus Wien. Umkehrschluss: Auch hier ist eine wirksame Zugangskontrolle über Altersverifikation bislang offenbar Fehlanzeige. Klar ist: Über Pornografie wird Jugendlichen – meist sind Burschen Konsumenten – ganz gewiss kein realistisches, respektvolles und entwickeltes Bild von Sexualität vermittelt.

Dass sich in Österreich trotz offener technischer Fragen etwas rührt, ist anzuerkennen. Am Ende wird Europa gemeinsam Meter machen müssen, es gilt viel aufzuholen. Naivität muss abgesagt werden.

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