Grazer liefern die größte Wasserstoff-Anlage des Landes
Auftrag im zweistelligen Millionenbereich: Grazer Unternehmen KS Engineers steht technologisch hinter der größten steirischen Anlage für die Erzeugung von Wasserstoff.

Von einem „internationalen Vorzeigemodell“ ist dieser Tage gerne die Rede, von starker Signalwirkung. Tatsächlich realisiert die Energie Steiermark im weststeirischen Bergla die größte industrielle Erzeugungsanlage für Grünen Wasserstoff in der Steiermark. 2027 soll das Projekt, das unter dem Titel „H2 Hub Bergla“ läuft, fertiggestellt werden.
Entstanden ist es aus einer strategischen Partnerschaft zwischen dem Energieversorger und der Wolfram Bergbau und Hütten AG, einem weltweit führenden Anbieter von hochwertigem Wolframpulver, der zugleich als Abnehmer des Wasserstoffs fungiert. Dieser soll sukzessive Erdgas ersetzen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Einbindung der Anlage in die Pipelines der europäischen Wasserstoff-Netze eingeplant.
750 Tonnen Wasserstoff
Bis zu 750 Tonnen Wasserstoff sollen auf der Anlage, auch einer der größten Österreichs, zunächst einmal pro Jahr produziert werden. Damit dieses Versprechen technisch auch eingelöst wird, tritt ein anderes, steirisches Unternehmen auf den Plan: KS Engineers aus Graz.

KS Engineers verantwortet als Systemlieferant die Planung und Realisierung der gesamten Elektrolyse-Anlage. Besonders spannend dabei: Das 700 Köpfe starke Unternehmen kommt eigentlich aus einem anderen Feld, der Automotive-Prüftechnik. Dort allerdings habe man „über viele Jahre Know-how im Bereich Wasserstoff, Brennstoffzelle und Elektrolyse aufgebaut“, sagt KS-Geschäftsführer Daniel Kopriva. Dieses Wissen könne man jetzt zum ersten Mal auf eine „industrielle Produktionsanlage dieser Größenordnung übertragen“.
Den Ausbau des Geschäftsfelds forciert man bei KS Engineers seit geraumer Zeit, mehrere Projekte im Bereich der Elektrolyse-Prüftechnik wurden bereits umgesetzt. Dazu zählen auch Prüfanlagen, die an den Stuttgarter Technologiekonzern Bosch geliefert wurden. Dieser baut sogenannte Elektrolyse-Stacks, die auch als Kernstück der Wasserstoffanlage in der Weststeiermark dienen. Grundsätzlich wird dort ja Wasser mithilfe von elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.

Während Bosch also Stacks liefert, verantwortet KS Engineers die komplette Peripherie. Das Grazer Unternehmen entwickelt und integriert die Prozesstechnik – von der Wasseraufbereitung über Kühlung und Wasserstoffreinigung bis hin zu Sicherheits-, Lüftungs- und Containersystemen. KS tritt dabei als Systemlieferant auf und koordiniert auch die Einbindung der Subunternehmen. Der Auftrag für das steirische Technologieunternehmen beläuft sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.
„Europa verfügt über die technologische Kompetenz, um im Wasserstoffbereich eine führende Rolle einzunehmen“, lässt Daniel Kopriva wissen. Um das zu unterstreichen, werde in Bergla bewusst auf europäische Wertschöpfung gesetzt, wie es von KS Engineers heißt. Wesentliche Komponenten würden daher nicht – „wie sonst oft üblich“ – aus chinesischen Lieferketten bezogen. Der Elektrolyse-Stack von Bosch etwa kommt aus dem Werk in Bamberg.
„Klassischer Automotive-Sektor stagniert“
Für KS Engineers ist die Anlage zugleich Ausdruck von sich verändernden Märkten. „Während der klassische Pkw-Automotive-Sektor derzeit stagniert, entwickeln sich andere Segmente – wie eben der Energiesektor – deutlich dynamischer“, sagt KS-Chef Kopriva. Hier ortet das Unternehmen auch „erhebliche Wachstumspotenziale“. Egal ob bei Wasserstoff, Großmotoren oder der Energieversorgung von neuen, großen Rechenzentren.