Ein Segen bei der Hitze – Kirche schafft Orte der Abkühlung
Initiative „Refugium“ öffnet kirchliche Einrichtungen und installiert für die Öffentlichkeit weitere kühle Oasen. Gurk ist der „coolste“ Dom Österreichs.

Gläubige beten in der Krypta des Gurker Doms. Sie ist etwa 20 mal 20 Meter groß und befindet sich unterhalb des Altarraums. Je nach Sommerwetter kühlt es in dem mit 100 Säulen ausgestatteten ältesten Teil der Kirche bis auf fünf Grad ab – ein Segen bei der Hitze.
Momentan hat es in der Krypta des Gurker Doms angenehme 16 bis 17 Grad.
— Gerhard Christoph Kalidz, Stiftspfarrer Gurk
„Momentan hat es hier angenehme 16 bis 17 Grad. Die Menschen kommen aber weniger zur Abkühlung, sondern tatsächlich um zu beten oder zum Sightseeing“, sagt Stiftspfarrer Gerhard Christoph Kalidz. Laut der Katholischen Kirche Österreich ist die Krypta der kühlste Ort aller österreichischen Dome und der Gurker Dom daher der „coolste“ Österreichs. Zwei Euro müssen Touristen bezahlen, um die Krypta betreten zu dürfen. Wer beten will, kann das natürlich gratis tun.
Auch der Klagenfurter Dom ist dieser Tage gut besucht. „Ob das aus Glaubensgründen passiert oder zur Abkühlung, kann ich nicht sagen. Aber am Sonntag bei der Messe hatte es trotz der großen Menschenansammlung 20,5 Grad“, berichtet Dompfarrer Peter Allmaier. Noch kühler sei es in Bergkirchen, die auf über 1000 Höhenmetern gelegen seien, verlautbart die Diözese Gurk.

Wir haben hohe Räume, den Wald in der Nähe und die Drau zum Füße-Wacken – also ein ideales Angebot bei der Hitze.
— Pallotti Findenig, Provinzoberin Kloster Wernberg
Auch hinter dicken Klostermauern lässt es sich dieser Tage aushalten. „22 Grad hat es momentan in meinem ostseitig gelegenen Zimmer“, sagt Provinzoberin Pallotti Findenig vom Kloster Wernberg Mittwochmittag. Die Benediktiner hätten seinerzeit die Gästeräume schon vorausschauend nordseitig gebaut, dort sei es angenehm kühl. „Wir haben hohe Räume, den Wald in der Nähe und die Drau zum Füße-Wacken – also ein ideales Angebot bei der Hitze. Ein Gast wollte eigentlich heute abreisen, ist aber wegen der Hitze hiergeblieben“, so Schwester Pallotti.

Zusätzlich schafft die Kirche mit der Initiatife „Refugium“ bewusst Orte der Abkühlung, Erholung und Stille. Ein Pilotprojekt wurde kürzlich im „Refugium St. Egid“ mit der Pfarrgemeinde St. Egid, dem Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt umgesetzt.

Das Refugium wurde bepflanzt, es gibt einen Klimabaum, einen Wasserbrunnen und Sitzgelegenheiten. Die Örtlichkeit ist für die Öffentlichkeit nutzbar.
— Harald Jost, Umweltreferent Katholische Kirche
„Im Hof der Stadthauptpfarrkirche in Klagenfurt zwischen Augustin und Molly Malone wurde ein solches Refugium geschaffen. Das war früher eine Gstättn. Diese wurde bepflanzt, es gibt einen Klimabaum, einen Wasserbrunnen und Sitzgelegenheiten. Die Örtlichkeit ist für die Öffentlichkeit nutzbar“, berichtet Harald Jost, Umweltreferent der Katholischen Kirche Kärnten.
Auch Kirchen sind aufgeheizt
Die Grundidee der Initiative „Refugium“ besteht darin, in Zeiten zunehmender Hitzeperioden durch Öffnung der Kirchen sowie kirchliches Grundeigentum im städtischen Raum ein niederschwelliges, multidimensionales Angebot zur Klimaanpassung zu schaffen. Es gibt nämlich auch in und um Kirchen „Schattenseiten“. „Wir haben Vorplätze aus Asphalt, die im Sommer zu richtigen Hitzeorten werden: Die Hemmakirche beispielsweise, die in der 60er- und 70er-Jahren erbaut wurde, hitzt sich so auf, dass sie im Sommer teilweise nur eingeschränkt genutzt werden kann“, so Jost.
Weitere Projekte
Daher würden in naher Zukunft zusätzliche kühlende Refugien geschaffen, wie Bischofsvikar Hans Peter Premur betont: An der Uni Klagenfurt bei der Katholischen Hochschulgemeinde, im Domgarten, in der Kirche St. Theresa und in der Hemmakirche.