Grazer bringt Sound-Revolution für Weltstars auf den Markt
Kein Brummen und Pfeifen mehr: Auch Charli XCX oder Max Raabe und sein Palastorchester setzen schon auf die österreichische Sound-Software Clear Voice Live.

Es schmerzt in den Ohren, ist der Feind von Künstler und Publikum: Das ohrenbetäubende Pfeifen, Quietschen oder Brummen, wenn sich bei Konzerten eine Rückkopplung zum akustischen Spielverderber aufschwingt. Tontechnikerinnen und Sound-Tüftler fangen das meist ein. Doch dieses – im Fachsprech – Feedback kommt in den besten Häusern, bei den besten Produktionen vor.
Im digitalen Zeitalter geht es Rückkopplungen nun an den Kragen. Die Garantie für den guten Ton heißt Clear Voice Live (CVL) und kommt aus einer kleinen, feinen Sound-Schmiede in Österreich, dem Grazer Tonstudio Mischerei. Der umtriebige Tontechniker und Produzent Fabio Schurischuster hat ein Plug-in programmiert, das Störgeräusche in weniger als einer Millisekunde aus dem Klangbild herausfiltert. Es erreicht weder die Beschallungsanlage noch Ohren im Saal. Die Innovation begeistert schon die Tontechniker großer Stars und ist für Charli XCX, Max Raabe und sein Palastorchester oder die Band Kraftklub zum Einsatz gekommen.

Der „Software-Filter“, der über eine Schnittstelle ins Sound-System gehängt wird, ist erst wenige Tage auf dem Markt und schon ein Renner, grinst Schurischuster über den gelungenen Coup. Die Großen der internationalen Sound-Plug-in-Branche sind schon in Kontakt mit ihm. Denn so ein Echtzeitfilter ohne jede Verzögerung sei bisher noch nicht am Markt, meint der gebürtige Gasteiner. Er hat ihn – Künstlicher Intelligenz sei Dank – von der Idee bis zum Produkt in rund einem halben Jahr entwickelt: „Ohne KI hätten hier drei bis vier Programmierer acht Monate dafür gebraucht.“
1000 Beta-Tester unterzogen CVL dem Elchtest
CVL knipst nicht nur Rückkopplungen aus, es bändigt auch zu lautes Schlagzeug, zu starken Hall, etwa in Kirchen, filtert Klimaanlagenrauschen aus dem Klangbild. „Ich hatte über die globale Tontechniker-Gemeinde im Netz rund 1000 Beta-Tester, die als Dank einen Rabatt auf das Plug-in bekommen haben“, erzählt Schurischuster. Dort hat CVL auf dem virtuellen Schleuderkurs den Elchtest bestanden und den letzten Schliff zur Marktreife erhalten. Nun gibt es die Garantie auf den guten Ton um 299 US-Dollar (rund 260 Euro) als unverbindliche Preisempfehlung.

Der Grazer hofft, dass der große Wurf gelingt. Kommt es zur Partnerschaft mit einem der Branchenriesen, könnte CVL ein Mega-Seller werden. Die Konkurrenz schläft nicht. Jeder Tag zählt, denn bald schon wird diese oder eben eine ähnliche Software eines anderen Tüftlers in jedem neuen Mischpult fix an Bord sein.
Schurischuster ist klar, dass man voll auf KI setzen muss, will man im Geschäft bleiben: „Auch bei Musikproduktionen und der Technologie dafür wird das alles rasch verändern.“ Aber KI-generierte Musik kommt dem Tontechniker nicht ins Haus. Er produziert mit und für Menschen, die für Musik brennen – und hatte etwa beim Soundtrack für den Film „Hotel Rock‘n‘Roll“ mit Michael Ostrowski die Finger genauso an den Reglern, wie bei Produktionen der aufstrebenden Band Kobrakasino oder beim Mastering für Alben der Wiener Indie-Pop-Truppe Hearts Hearts.
Der vielsaitige Musiker
Mischt er gerade keine Musik, macht er sie selbst: Mit seiner Band Exploding Pig, in der er mit Phil Collins einstigem Posaunisten Luis Bonilla auf der Bühne steht. Albrecht Klinger, einer seiner zwei Mischerei-Partner, ist am Bass, Bernhard Wimmer am Schlagzeug. Das jüngste Baby, das gerade strahlt, ist das Trio Pipeline Punch: Gemeinsam mit Ex-Granada-Schlagzeuger Roland Hanslmeier und dem Multi-Instrumentalisten Felix Martl hat der Grazer im schlummernden Atomkraftwerk Zwentendorf eine Live-Session aufgenommen. Der Grazer Musiker und Videoproduzent Simon Reithofer hat das auch mit der Kamera eingefangen, Teil zwei ist gerade ins Netz gegangen. Dort stellt Schurischuster seine Vielsaitigkeit auch auf einer zweihälsigen (Bass-)Gitarre unter Beweis.


