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Eltern zahlen in Kärnten bis zu 70 Euro für eine Nachhilfestunde

Die Vorbereitungen für den Nachzipf oder auf das neue Schuljahr beginnen: Gratis-Nachhilfeangebote sind rar gesät oder bereits ausgebucht.

Gruppenunterricht ist billiger, aber weniger effizient
© Kanizaj/Kleine Zeitung
Gruppenunterricht ist billiger, aber weniger effizient
Thomas Martinz
Redakteur Bundesland Kärnten

Rund 850 Euro pro Jahr – diese Summe müssen Eltern in Kärnten im Schnitt für Nachhilfeunterricht ausgeben. Insgesamt werden jährlich zehn Millionen Euro in private Lernhilfe investiert – das ist das Ergebnis einer Studie des Meinungsforschungsinstituts IFES im Auftrag der Arbeiterkammer Kärnten aus dem Vorjahr. 400 Kärntner Haushalte mit 586 Kindern wurden dabei befragt.

Cordula Wadl
© AK/Helge Bauer
Cordula Wadl

Die finanziellen Belastungen für die Familien sind massiv gestiegen. Sie geben um 140 Euro mehr aus, als noch im Jahr 2023.

— Cordula Wadl, AK-Bildungsreferentin

„Die finanziellen Belastungen für die Familien sind massiv gestiegen. Die Eltern geben um 140 Euro mehr für Nachhilfe aus als beispielsweise noch im Jahr 2023“, sagt Cordula Wadl, Bildungsreferentin der AK Kärnten. Und auch die Zahl der Schüler, die Unterstützung brauchen, steigt stetig. Jedes sechste Schulkind (18 Prozent) – in absoluten Zahlen sind das 11.000 Kärntner Schüler – erhielt im Vorjahr Nachhilfe, 2023 waren es noch 13 Prozent. Am häufigsten werde Nachhilfe in Mathematik benötigt, konkret in 65 Prozent der Fälle, sagt Wadl. Aber auch in Deutsch steige der Bedarf. In Fremdsprachen benötigen 23 Prozent der Kinder zusätzliche Unterstützung.

Die richtige Nachhilfe

  • Preise prüfen: Vergleichen Sie die Preise bei den Nach­hilfe-Instituten. Achten Sie aber auf die Dauer der Unter­richts­ein­heiten. Eine Stunde ist nicht immer eine Stunde. Die Einheiten betragen zwischen 45 und 120 Minuten. Lern­psychologisch sind 45 bis 50 Minuten ratsam, danach eine Pause von rund zehn Minuten.
  • Gruppengröße: Fragen Sie beim Gruppen­unter­richt nach der Anzahl der Schüler­innen und Schüler und der Lern­stufe in der Gruppe. In kleinen Gruppen kann der Lern­erfolg genauso gut wie beim Einzel­training sein. Wenn das Alter zu unter­schiedlich ist, kann der Lern­erfolg zu wünschen übrig­lassen.
  • Im Bekanntenkreis nachfragen: Erkundigen Sie sich bei Freund­en, Bekannten oder anderen Eltern, ob sie gute Er­fahrungen mit Nach­hilfe­lehrer­ haben.
  • Bindungsfristen: Vergewissern Sie sich, ob es eine Bindungs­frist gibt. Einige Nach­hilfe-Institute bieten nur dann günstige Preise an, wenn Sie sich ein oder mehrere Monate binden.

Quelle: Arbeiterkammer

Viele Eltern helfen regelmäßig

Und noch eine besorgniserregende Zahl gibt die Studie preis: 23.000 Schüler in Kärnten bräuchten eigentlich zusätzliche Fördermaßnahmen zum Erlernen des Schulstoffs; Eltern können sich die Hilfe aber in diesen Fällen nicht leisten oder finden kein passendes Angebot. Daher helfen drei Viertel der Eltern ihren Kindern regelmäßig bei den Hausaufgaben, jeder dritte Elternteil lernt täglich mit dem Nachwuchs.

Tanja Leitner
© Helge Bauer
Tanja Leitner

Sowohl für die Aktion AK-Lernchancen, als auch für jene über die Kärntner Familienkarte kann man sich noch anmelden.

— Tanja Leitner, Pädagogische Leiterin Volkshochschulen

Gratis-Kurse von Profis sind rar gesät, es gibt sie von der AK in Kooperation mit der Volkshochschule in acht Kärntner Bezirken sowie online über die Aktion AK-Lernchancen. Lerncoaches begleiten die Schüler dabei in Mathematik, Deutsch und Englisch, eine Einschreibgebühr von zehn Euro ist zu entrichten. „Zugangsvoraussetzung ist, dass ein Elternteil AK-Mitglied ist und das monatliche Familieneinkommen nicht 5000 Euro überschreitet“, sagt Tanja Leitner, Pädagogische Leiterin der VHS. Diese bieten außerdem Pflichtschülern unter Vorlage der Kärntner Familienkarte 20 Gratis-Nachhilfeeinheiten jährlich an. Leitner: „Für beide Varianten kann man sich noch anmelden, es gibt noch freie Plätze.“ Im Vorjahr gab es 190 Teilnehmer bei den AK-Lernchancen und 600 Schüler über die Familienkarte-Nachhilfe.

Caritas-Kurse ausgebucht

Auch die Caritas hat einen zweiwöchigen Gratis-Kurs im Angebot, die jeweils 30 Plätze für Klagenfurt und Villach sind aber bereits ausgebucht - Vorrang hatten Kinder, die bereits im letzten Schuljahr die Lerncafes besuchten.

Angela Schmidt
© Angelov/Lernquadrat
Angela Schmidt

Für viele Schüler geht es auch darum, den Lernstoff des letzten Schuljahres noch einmal durchzuarbeiten und mögliche Wissenslücken zu füllen.

— Angela Schmidt, Pressesprecherin Lernquadrat

Bei den Lernistituten und bei den privaten Anbietern blüht indes aktuell das Geschäft: An den Standorten des Instituts Lernquadrat beispielsweise starten nächste Woche die Intensivkurse. Die Gruppen umfassen maximal sechs Teilnehmer, 270 Euro pro Woche sind zu bezahlen. „Unsere Lehrkräfte gehen auf jeden Schüler individuell ein. Wir haben aber auch viele Anfragen nach Einzeltraining. Die Preise variieren zwischen 30 Euro und 44,60 Euro pro 45 Minuten“, sagt Lernquadrat-Sprecherin Angela Schmidt. Auch hier ist die Nachfrage nach Mathematik am größten, Spittal meldet heuer verstärkten Bedarf an Italienisch-Nachschulungen.

Betreut werden aber nicht nur Schüler, die der Nachprüfung entgegenfiebern. „Es geht auch darum, den Lernstoff des letzten Schuljahres noch einmal durchzuarbeiten und mögliche Wissenslücken zu füllen. Wer sich auf das neue Schuljahr gut vorbereitet, hat bei den ersten Schularbeiten meist die Nase vorne“, so Schmidt.

Bis zu 70 Euro

Große Preisunterschiede gibt es bei privaten Einzelkursen: Wie Kleine-Zeitung-Recherchen ergaben, verlangen Schüler und Studenten bis zu 25 Euro pro Stunde, Lehrer bis zu 40 Euro und spezialisierte Nachhilfelehrer sogar bis zu 70 Euro. Klar einsehbar sind die Preise auf der Plattform superprof.at. Sucht man dort etwa einen Mathematik-Nachhilfelehrer in Klagenfurt, bewegen sich die Stundenpreise zwischen 15 Euro und 50 Euro.