Die Minikirchtage dieses Kärntners sorgen für Staunen
Tobias Augustin (36) hat seine Liebe zu Fahrgeschäften zu seinem Beruf gemacht und baut sie detailgetreu nach. Über 58.000 Follower auf Instagram folgen dem Villacher mittlerweile.

Am Villacher Kirchtag bleibt Tobias Augustin im Gedränge stehen. Fahrgäste kreischen, Schausteller rufen ihre Durchsagen, Musik dröhnt und Lichter jagen über die Fassaden. Während andere weiterziehen, schaut der Villacher genauer hin. Wie bewegt sich das Geschäft, wann blinken welche Lampen? „Ich sauge die Atmosphäre auf und hole mir Inspirationen“, sagt er.
Für den 36-Jährigen ist die Liebe zu den Fahrgeschäften zum Brotberuf geworden. Seit Oktober 2022 ist Augustin hauptberuflich Modellbauer. 58.600 Menschen folgen ihm auf Instagram und sehen, wie neue Fahrgeschäfte entstehen.

Sein Hobby wurde zum Beruf
Schon als Kind zog es Augustin auf Volksfeste. Als Teenager baute er erste Modelle zusammen, noch ohne Licht und Motoren. „Ich habe sie eigentlich blind zusammengebaut“, erinnert er sich. 2018 griff er das Hobby wieder auf und brachte sich selbst bei, die Modelle mit Beleuchtung und Antrieben auszustatten.
Heute gleicht seine Wohnung einem Atelier. Rund 45 Modelle hat er gebaut, zeitweise arbeitet er an drei Projekten gleichzeitig. Seine Anlage im Wohnzimmer umfasst 25 Großgeschäfte. Etwa 60.000 LED-Lichter leuchten dort, rund 95 Prozent davon hat Augustin von Hand verlötet. „Ich habe das Endprodukt schon im Kopf und will Licht und Bewegung bestmöglich wie beim Original umsetzen.“

Bis zu 2500 LED-Lichter werden manuell geklebt
Die Beleuchtung ist sein Markenzeichen und der größte Arbeitsaufwand. Bei einem Modell klebt und verlötet er bis zu 2500 LED-Lichter. Für ein mittelgroßes Fahrgeschäft braucht er rund 150 Arbeitsstunden, ein Modell wie das „Breakdance“ kostet etwa 3000 Euro.
Aus ersten Anfragen entwickelte sich sein Kleinunternehmen. Heute bestellen Sammler bei ihm, aber auch Schausteller, die ihr eigenes Geschäft als Miniatur für die Vitrine oder die Kasse möchten. Sogar ein Kunde aus den USA ließ zwei Modelle anfertigen.
Es geht aber auch manchmal etwas schief. Einmal schloss er ein fast fertiges Werk an die falsche Stromquelle an. Nach rund 100 Stunden Arbeit waren sämtliche Lichter durchgebrannt.

Er arbeitet auch bei den Originalen mit
Im Sommer bleibt für die Werkbank weniger Zeit. Dann ist Augustin lieber auf Festplätzen unterwegs. Nicht jedes Fahrgeschäft, das er gebaut hat, ist er selbst gefahren. „Eine Reise durch Deutschland könnte diese Lücken schließen“, lacht Augustin. Beim Fahrgeschäft „Nightfly“, das letztes Jahr in Villach Premiere feierte, kennt er auch die Arbeit dahinter. Im Vorjahr zog er mit dem Geschäft über mehrere Plätze und half beim Aufbau. „Wenn man aktiv mitarbeitet, versteht man erst, wie das alles funktioniert.“
„Nightfly“ ist heuer nicht am Kirchtag, hinterließ aber Eindruck bei ihm. „Es killt mich jedes Mal“, sagt Augustin und lacht. Früher faszinierte ihn besonders der „Flipper“, der schon länger nicht mehr beim Villacher Kirchtag steht. Am liebsten besucht er am Abend den Rummel, wenn die Lichter die Technik in eine eigene Welt verwandeln.
Für viele verschwimmen Fahrgeschäfte dann zu einem Gemisch aus Musik, Rufen und Licht. Tobias Augustin bleibt stehen und schaut hin. Vielleicht dreht sich vor ihm nicht nur ein Karussell, sondern bereits sein nächstes Projekt.