Der Lamborghini milderte das Kopfweh von Gottfried Grasser
Mirko Bortolotti sorgte in Oschersleben für den Sieg des steirischen Rennstalls Grasser Racing in der DTM.

Als Mirko Bortolotti den Lamborghini „Temerario“ auf dem Kurs von Oschersleben auf dem Weg zum Sieg auf die letzte Runde trieb, wandte Teamchef Gottfried Grasser seinen Blick auf das Mobiltelefon. Mit Bedacht tippte er Worte des Dankes in eine Nachricht. „Die meisten sind da, wenn du Erfolg hast. Aber in der letzten Zeit ist es wirklich nicht leicht gewesen und ich wollte mich sofort bei allen Partnern und Freunden bedanken, die uns trotzdem unterstützen. Diese Nachricht zu schreiben, war mir ein riesengroßes Anliegen.“
Der in Wien lebende Italiener Bortolotti sorgte mit dem Sieg für ein „riesengroßes Geschenk nach dieser harten Zeit“, sagte der steirische Teamchef. Denn der neue Bolide mit dem Stier bereitete dem Team aus Knittelfeld viele Sorgen. „Ich schlafe prinzipiell gut, aber Kopfweh hatte ich schon“, sagt Grasser mit einem Lachen. „Wenn man bedenkt, wo wir beim Saisonauftakt auf dem Red Bull Ring herumgefahren sind, war das hier zur Saisonmitte wirklich Balsam auf unserer Seele.“ In der Steiermark standen die Plätze 12 und 16 zu Buche, dann kam noch der Horror-Crash von Maximilian Paul auf dem Norisring im zweiten Wagen dazu. An den dachte auch Bortolotti nach dem Triumph am Sonntag: „Ich möchte auch an ihn denken. Ich weiß, dass er sich auf dem Weg der Besserung befindet, und möchte ihm diesen Sieg ebenfalls widmen.“

Bortolotti fuhr von Startplatz sechs aus ein taktisch kluges Rennen. Die Pole Position hatte Vortagessieger Thomas Preining im Porsche 911 GT3. „Es hat sehr viel zusammengepasst“, sagte Grasser nach der perfekten Boxenstopp-Strategie seines Teams, „aber das muss es bei einem Sieg ohnehin immer. Die Charakteristik der Strecke ist dem Wagen sehr entgegengekommen.“ Maro Engel (Mercedes-AMG GT3), der Gesamtführende in der DTM, belegte Platz zwei, Preining komplettierte das Podium.
Der Bolide aus dem italienischen Sant‘Agata Bolognese kann vor allem in den engen, langsamen Kurven seine mechanischen Vorteile entfalten. Je schneller die Kurven zu fahren sind, desto mehr spielt die aerodynamische Komponente eine Rolle, und das liegt dem „Temerario“ (noch) nicht so. Darum mahnt Grasser auch vor vorschneller Euphorie. „Das Kopfweh ist jetzt weniger geworden, aber es ist nicht so, dass wir von nun an immer vorne mitfahren werden. Es gibt noch viele Teile, die wir weiterentwickeln müssen.“ In zwei Wochen geht es in der DTM auf dem Nürburgring weiter, dann folgt der Sachsenring.

