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Finale! Lilli Tagger besiegte in Prag auch Grand-Slam-Siegerin Krejcikova

Lienzerin setzte sich in Marathon-Match in drei Sätzen durch und steht zum zweiten Mal in einem WTA-250er-Finale – jetzt winken sogar die Top 50 der Welt.

Lilli Tagger steht
© IMAGO/Michal Krumphanzl
Lilli Tagger steht
Michael Schuen
Ressortleiter Sport

Was für ein Match – und was für ein Sieg! Lilli Tager rang beim WTA-250-Turnier in Prag die zweifache Grand-Slam-Siegerin Barbora Krejcikova in drei Sätzen 6:7, 6:3 und 7:6 durch und steht damit nach Jiujiang im Vorjahr in einem Endspiel eines Turniers dieser Kategorie. Dafür war aber ein wahrer Kraftakt nötig – und den zeigte die 18-Jährige, ließ sich weder von Krejcikova noch vom Publikum in der vollen Arena in Prag aus dem Konzept bringen. Und auch nicht vom verlorenen ersten Satz, in dem die Lienzerin ebenfalls schon mit einem Break vorne gelegen war, bei 5:4 aber zunächst das Rebreak und dann im Tiebreak mit einem 5/7 auch den Satzverlust hinnehmen musste.

Doch Tagger tat, was sie am besten kann: Sie spielte Punkt für Punkt und machte deren viele. Im zweiten Satz reichte ein Break zum Satzausgleich, im dritten wogte das Spiel auf hohem Niveau hin und her, auf jeden Versuch der Tschechin, Akzente zu setzen, hatte Tagger eine Antwort, peitschte Rückhand und Vorhand ins Feld, kämpfte um jeden Ball und konnte sich auch auf ihren Aufschlag verlassen. Mit dem 11. Ass servierte sie sich ins Tiebreak, steckte auch dort ein frühes Minibreak gegen sich weg, erspielte sich mit dem 12. Ass zwei Matchbälle, und verwertete den ersten gegen die ehemalige Nummer zwei der Welt, die aktuell auf Rang 26 zu finden ist.

Im Finale am Sonntag (14 Uhr/live auf Sky) trifft sie nun aber nicht auf die dritte Tschechin in Serie, sondern auf eine Ukrainerin: Daria Snigur hatte vor Tagger im ersten Halbfinale Lokalmatadorin Tereza Valentova überraschend klar 7:6, 6:3 eliminiert. Snigur ist in der Weltrangliste mit Rang 54 in etwa dort, wo auch Lilli Tagger ab kommender Woche zu finden ist. Rund um Platz 52 wird die Osttirolerin in der Woche nach Prag jedenfalls zu sein, bei einem Turniersieg winken sogar die Top 50. Klar ist jedenfalls: Prag erlebt am Sonntag ein neues Siegergesicht, denn auch Snigur hat bisher noch kein Turnier gewonnen.

Davor gilt es für Tagger, sich gut zu erholen. In der ersten Emotion konnte sie den Erfolg selbst kaum glauben: „Es ist verrückt, ich wirklich sprachlos“, meinte sie, „ich habe Barbora noch vor zwei Wochen in Wimbledon gesehen. Und ich war vor dem Spiel wirklich sehr nervös, kann es gar nicht glauben.“ Sie habe es aber geschafft, sich immer auf den nächsten Punkt zu fokussieren. „Es war nicht leicht, hier in diesem großen Stadion gegen eine Tschechin zu spielen, auch wenn es trotzdem sehr nett ist, vor so vielen Menschen spielen zu dürfen.“ Eines ist klar: Am Sonntag wird Tagger wohl mehr Sympathien bekommen, wenn sie wieder ihr Powertennis auf den Platz bringt. Gegen Krejcikova schaffte sie 28 Winner, machte 109 Punkte, ihre Gegnerin nur 96. Mit anderen Worten: Der Finaleinzug und der Erfolg gegen eine absolute Weltklassespielerin war hochverdient.

Und auch, wenn Krejcikova, die im vergangenen Jahr mit Rückenproblemen und Erschöpfungszuständen zu kämpfen hatte, oft genug durchblies und erschöpft wirkte: Die Tschechin war in großartiger Form, die Nummer zwei des Turniers hatte vor diesem Halbfinale 15 ihrer letzten 17 Matches gewonnen und acht Spiele in Serie; sie hatte sich auch den Titel in Athen geholt. Gegen Lilli Tagger aber endete der Erfolgslauf.

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