Was steckt hinter dem Abzug des Rettungsfahrzeugs im Drautal?
Die Diskussion um den Fahrzeugabzug in Greifenburg betrifft die Versorgung im Oberen Drautal und sorgt für unterschiedliche Meinungen von Land und Bürgermeistern.

Seit 1. Juli steht an der Ortsrettungsstelle Greifenburg nur noch ein Fahrzeug bereit. Warum wurde das zweite Fahrzeug abgezogen?
ANTWORT: Das Rote Kreuz begründet die Entscheidung mit sinkenden Einsatzzahlen. Kärntenweit seien die Transporte um 17,8 Prozent, im Bezirk Spittal um 14,4 Prozent zurückgegangen. Die Auslastung für zwei Fahrzeuge in Greifenburg war daher nicht mehr gegeben. Grundlage seien laufende Auswertungen des tatsächlichen Einsatzaufkommens und eine bedarfsgerechte Planung der Ressourcen. Die Bürgermeister des Oberen Drautals sehen den Schritt hingegen kritisch. Sie verweisen auf rund 11.800 Einwohner, mehr als 657.000 Nächtigungen jährlich sowie die weiten Fahrstrecken und das alpine Gelände der Region. Unter diesen Voraussetzungen sei eine leistungsfähige Rettungsorganisation unverzichtbar. In einem offenen Brief fordern sie eine nachvollziehbare Begründung für den Fahrzeugabzug und einen offenen Dialog mit Land und Rotem Kreuz.
Über die Auswirkungen des Fahrzeugabzugs herrscht Uneinigkeit. Die Bürgermeister befürchten eine Verschlechterung der Versorgung. Das Land und das Rote Kreuz sehen diese weiterhin als gesichert an. Ist die Rettungsversorgung im Oberen Drautal gefährdet?
Antwort: Die Bürgermeister warnen, dass sich Versorgungssicherheit nicht allein anhand von Einsatzstatistiken beurteilen lasse. „Niemand kann garantieren, wann der nächste Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwere Verkehrsunfall eintritt. Jede zusätzliche Minute bis zum Eintreffen professioneller Hilfe kann über Leben und Tod entscheiden“, heißt es im offenen Brief. Das Land Kärnten widerspricht dieser Einschätzung. Das Büro von Gesundheitsreferent Daniel Fellner verweist darauf, dass es sich beim abgezogenen Fahrzeug um ein Krankentransportfahrzeug gehandelt habe. Vom Roten Kreuz sei nie signalisiert worden, dass dadurch die rettungsdienstliche Versorgung gefährdet werde. Auch das Rote Kreuz betont, dass die Leitstelle weiterhin standortübergreifend das nächstverfügbare Einsatzmittel entsende. Unterstützt werde das System durch First Responder. Nach den bisherigen Analysen seien bei zeitkritischen Rettungseinsätzen keine längeren Eintreffzeiten zu erwarten. Lediglich bei Krankentransporten könne es vereinzelt zu Verzögerungen kommen. Die Maßnahme werde laufend überprüft.
Im offenen Brief geht es nicht nur um den Fahrzeugabzug, sondern auch um die Finanzierung des Rettungswesens. Welche Rolle spielt dabei das Geld?
ANTWORT: Die Bürgermeister fordern mehr Transparenz über die Geldflüsse und die Organisationsstrukturen, betonen zugleich aber die große Leistung der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Land und Rotes Kreuz sehen vor allem die Finanzierung als Problem. Sie verweisen auf eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung, weil Krankentransporte von den Sozialversicherungsträgern nicht kostendeckend abgegolten würden. Deshalb seien Reformen und Anpassungen der Strukturen notwendig.
Nach dem offenen Brief sollen nun Gespräche folgen. Wie geht es jetzt weiter?
Antwort: Das Land Kärnten bestätigt, dass das Schreiben der Bürgermeister eingelangt ist. Eine schriftliche Antwort stehe zwar noch aus, ein Gesprächstermin mit Vertretern der Gemeinden, des Roten Kreuzes und des Landes sei jedoch bereits vereinbart worden. Ziel sei es, die Situation im Oberen Drautal gemeinsam zu erörtern und Lösungen für die künftige rettungsdienstliche Versorgung zu finden.