Familienduell für den GAK: „Ein ganzer Block wird nur für Michorls reserviert“
Michorl vs. Michorl: Neffe Peter debütiert für den GAK, Onkel Josef ist sein Berater und Trainer bei Cup-Gegner Donaufeld. Das Schicksal lässt sie für einen Tag Gegner sein.
Es gibt Eventualitäten, von denen alle Beteiligten schon im Vorfeld ahnen, dass sie Realität werden, auch wenn der Zufall das letzte Wort hat. Folgende Ausgangsposition: Peter Michorl unterschrieb beim GAK. Sein Berater ist sein Onkel Josef Michorl, der gleichzeitig als Trainer des Regionalligisten Donaufeld fungiert. „Bei der Unterschrift in Graz haben wir schon gescherzt, dass der GAK in der ersten Cup-Runde wahrscheinlich auf Donaufeld trifft“, erzählt Peter. Es kam, wie es kommen musste. Michorl versus Michorl - am Samstag um 17 Uhr steigt das Familienduell am Sportplatz Donaufeld.
„Es ist natürlich komisch, wenn der eigene Onkel auf der gegnerischen Trainerbank sitzt“, meint Peter, freut sich jedoch auf das daraus resultierende Familien-Event: „Unsere ganze Familie wird anwesend sein. Ein ganzer Block wird nur für Michorls reserviert. Das wird sicher ein schönes Erlebnis.“
Nun ist es bestimmt nicht so, dass der Fußball bei den Michorls im Alltag eine untergeordnete Rolle spielen würde. Josefs aktive Karriere führte ihn selbst in die Bundesliga, wodurch der Fußball als Beruf für Peter sein Leben lang präsent war. In jungen Jahren war dennoch der eigene Papa, Peter Senior, die Bezugsperson in Sachen rundes Leder. „Papa war selbst ein begeisterter Fußballer, hat es aber nicht so weit geschafft wie mein Onkel, weil er nicht die Einstellung hatte. Dabei war er aus Erzählungen der talentiertere Fußballer, aber ihm waren andere Sachen wichtiger“, berichtet der Junior.
Als Jugendtrainer beim SV Gerasdorf hatte der Vater den Sohn unter seinen Fittichen, was das Leben der Frau Mama nicht immer einfach gestaltete. „Das waren große Kämpfe. Meine Mutter musste oft dazwischengehen“, lacht der Junior, „mein Papa hat mich oft heimgeschickt vom Training, ich musste dann mit dem Rad nach Hause fahren.“ Des Fußballs überdrüssig wurde die Mama trotzdem nicht. „Meine Mama war überall dabei und wird jetzt wieder überall dabei sein. Sie freut sich, dass ich wieder in Österreich spiele“, erklärt der 31-Jährige, der zuletzt zwei Jahre bei Atromitos Athen kickte.

Als das Talent Peter Michorl mit den Jahren zum Profifußballer reifte, übernahm zunehmend der Onkel die Aufgabe als fußballerische Bezugsperson von seinem Bruder. „Von meinem Papa kann ich mir immer nur anhören, was ich besser machen kann“, grinst Michorl. Onkel Josef war indes im wahrsten Sinne des Wortes stets berufsbegleitend tätig. Bei den ersten Gehversuchen in der Kampfmannschaft von Austria Wien stand er als Co-Trainer von Karl Daxbacher mit auf dem Feld. Nachdem er sich auf seine Agenden als Berater konzentrierte, übernahm er auch die Betreuung des Neffen und fädelte als solcher später Peters Wechsel zum LASK ein. Der Draht zum damaligen Trainer der Linzer war kein schlechter, schließlich handelte es sich um Daxbacher.
Der berufsbedingte Austausch mit dem Onkel ist ein reger und ruht auch nicht, nur weil sie das Schicksal für einen Tag zu Gegnern macht. „Er fragt mich jeden Tag, ob ich schon die Hosen voll. Wir nehmen es gerade gegenseitig auf die Schippe. Beide versuchen zu gewinnen“, weiß der Neffe und ist fest entschlossen, mit dem GAK den Beweis anzutreten, wer in diesem Kräftemessen der Bundesligist ist: „In diesen 90 Minuten gibt es keine Rücksicht, keine Freundschaft, keine Verwandtschaft. Wenn ich ihn rausgrätschen muss, werde ich ihn rausgrätschen.“
In diesen 90 Minuten gibt es keine Rücksicht, keine Freundschaft, keine Verwandtschaft. Wenn ich ihn rausgrätschen muss, werde ich ihn rausgrätschen.
— Peter Michorl
Mit den Neo-Kollegen wurde der Routinier vom Trainerteam um Ferdinand Feldhofer intensiv auf Donaufeld eingestimmt, auch sonst wird ihn der Onkel kaum überraschen können: „Im heutigen Fußball kannst du nicht mehr so viel verbergen, da können wir uns keine Schmähs erzählen. Ich weiß genau, wie er Fußball denkt und Fußball spielen lässt.“
Als ob das Los beim GAK-Debüt nicht schon speziell genug wäre, kam es auch in Sachen Bundesliga-Spielplan so, wie es fast schon kommen musste. „Irgendwie hatte ich es im Urin, dass es der LASK wird“, schmunzelt Michorl, der zehn Jahre und 351 Pflichtspiele in Diensten der Oberösterreicher im Lebenslauf stehen hat. „Irgendwann muss man das Spiel sowieso spielen. Jetzt ist es halt die erste Runde. Als die Auslosung war, dass es tatsächlich Linz wird, habe ich mich sehr gefreut. Es wird ein emotionales Spiel für mich.“

Auch wenn das Happy End ausblieb und er im finalen Jahr nur mehr für die zweite Mannschaft auflief, war das Kapitel Michorl beim LASK eine Erfolgsgeschichte. „Von zehn Jahren hatte ich neun wunderbare Jahre, nur das letzte war halt weniger gut. Im Endeffekt bleibt das Positive hängen“, resümiert der Mittelfeldspieler, „das letzte Jahr war eine schwierige Zeit für mich, weil ich in einem sehr guten Fußballalter war. Entscheidungen wurden gefällt, ich habe sie akzeptiert, auch wenn ich sie anders getroffen hätte. Aber ich bin absolut im Reinen mit mir selbst und fahre einfach hin, um mit dem GAK etwas zu reißen.“
Es ist ohnehin die Zukunft in Graz, die mehr im Fokus steht als Vergangenheitsbewältigung. Michorl ortet bei den Rotjacken großes Potenzial. Das Ziel sei, so schnell wie möglich nichts mit den hinteren Regionen zu tun zu haben und „wenn möglich den Strich zu attackieren.“ Michorl ist von seinem Typ her ein Führungsspieler und reiht sich unter jenen Akteuren ein, die beim GAK Verantwortung übernehmen sollen und auch wollen: „Den Anspruch sollte man haben und den habe ich auch. Ich möchte vorangehen und mit der Truppe etwas bewegen.“