Giants-Trainer Stefan Pokorny und die Funkstille vor dem Finale
Die Graz Giants treffen am Samstag im Finale der heimischen Liga auf die Danube Dragons (19 Uhr, ORF Sport+). Graz-Trainer Stefan Pokorny (39) wirkte sein halbes Leben lang im Kreise des Gegners.
Was für das ungeübte Auge wie das chaotische und brutale Aufeinanderprallen von hünenhaften Männern in Helmen und Protektoren aussehen mag, ist mit dem Blick des Kenners betrachtet eher wie Schach auf dem Rasen. Und die Graz Giants verstehen es, das Spiel zu spielen. Am Samstag stehen sie den Danube Dragons gegenüber. Es ist das Finale der heimischen Meisterschaft, genannt die Austrian Bowl. Und für die „Giganten“ von der Mur ist es die große Chance, eine lange Durststrecke zu beenden. Im Jahr 2008 wurde der letzte von insgesamt zehn Meistertiteln geholt. „Wir haben eine sehr hungrige und talentierte Gruppe an Spielern, die sich den Einzug in die Austrian Bowl über viele Jahre erarbeitet hat“, sagt Trainer Stefan Pokorny. „Man sieht die harte Arbeit der letzten Jahre im gesamten Verein, und es wurde auch so viel investiert.“
Gespielt wird im niederösterreichischen Maria Enzersdorf (19 Uhr, ORF Sport+), und der sportliche Schlüssel liegt in einem fehlerfreien Spiel. „Es sind zwei sehr starke Mannschaften, und es wird auf fünf, sechs Schlüsselspielzüge ankommen.“ Dabei will er den Druck aber nicht nur auf der Offensive lasten lassen. „Wir müssen in allen drei Phasen des Spiels fehlerfrei sein und die wichtigen Plays einfach gewinnen.“ So sind Offensive, Defensive und die Special Teams gleichermaßen gefragt. Die bisherigen Saisonduelle endeten 28:14 und 7:15 aus Sicht der Grazer.
Pokorny: „Während des Spiels bist du im Tunnel“
Kaum ein Mann kennt die Dragons so wie der Trainer der Grazer. Elf Saisonen spielte er für die „Drachen“ (2000–2011) und durchlief bis 2021 zahlreiche Posten in den Trainerteams vom Nachwuchs bis zur Kampfmannschaft. 2018 wurde er als Headcoach des Teams auch zum Ligatrainer des Jahres gewählt. Diese enge Bindung hat absolut keinen Einfluss auf seinen Siegeswillen. „Ich hatte ja schon einige Spiele gegen sie, und es ist vor und nach dem Spiel schön, Leute wieder zu sehen und zu plaudern. Aber während des Spiels bist du vollkommen im Tunnel“, sagt Pokorny, der mit dem Trainer des Gegners, Michael Hönig, eine langjährige Freundschaft pflegt. „Wir sind auch immer in einem guten Austausch, aber seit zwei Wochen ist Funkstille“, sagt er und fügt mit einem Lachen an, „wir sind beide sehr verbissen und wollen diesen Titel. Vielleicht braucht es nach dem Finale noch ein, zwei Wochen zur Abkühlung.“ Spätestens wenn das Nationalteam ruft, werden die beiden aber Seite an Seite stehen. Da ist Pokorny Headcoach und Hönig als Defensive Coordinator im Einsatz.
Dass der erste Titel nach 18 Jahren dem American Football in Graz einen weiteren Push geben würde, liegt für den Trainer auf der Hand. „Das Interesse ist schon in den vergangenen zwei Wochen enorm gestiegen. Und es braucht den Erfolg, um zu wachsen.“ Der Meistertitel 2008 zeichnete das Ende einer erfolgreichen Ära, wurden die Grazer doch auch dreimal Sieger des mittlerweile nicht mehr ausgetragenen EFAF-Cups (2002, 06, 07), der zweiten europäischen Spielklasse. Der bislang letzte Titel gelang 2016 in der Central European Football League. Im selben Jahr waren die Giants auch zum letzten Mal in der Austrian Bowl und verloren gegen die Raiders aus Tirol. Ein Spieler aus dem aktuellen Kader war damals als 18-Jähriger schon dabei: Tobias-Maximilian Hummel. Einen gesonderten Druck, den Titel endlich wieder nach Graz zu holen, verspürt Pokorny nicht. „Wir sind alle sehr freudig, und schon das Erreichen der Austrian Bowl war ein großer Erfolg. Aber natürlich wollen wir jetzt auch den Titel.“ Als „Drachentöter“ will Pokorny nach einem Sieg nicht gelten, sagt er und fügt lachend an: „Lieber Austrian-Bowl-Sieger.“
