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Martina Prutsch, eine Streitbare, die gerne Höhenluft schnuppert

Der Landwirtin aus der Südoststeiermark folgen auf Instagram rund 90.000 Menschen. Diese Plattform nutzt die 26-Jährige, um über das Thema Landwirtschaft zu informieren.

Eine junge Frau steht in einem Acker und hält Stroh in ihren Händen.
© Alexander Danner
Martina Prutsch in einem Acker in St. Stefan im Rosental.
Thomas Plauder
Redakteur Bundesland Steiermark

Ein abgedroschenes Weizenfeld in der Nähe der südoststeirischen Marktgemeinde St. Stefan im Rosental. Im Stroh, das noch auf dem Acker liegt, hat es sich Martina Prutsch auf einem mitgebrachten Liegestuhl bequem gemacht. Die 26-Jährige ist Landwirtin und „Farmfluencerin“. Auf Instagram folgen der jungen Frau fast 90.000 Menschen, die sie regelmäßig über die Landwirtschaft informiert.

„Dass ich eine Influencerin werde, war gar nicht geplant und ich nenne mich auch nicht gerne so“, sagt Prutsch mit einem Schmunzeln. 2021 begann sie ihr Social-Media-Abenteuer. „Weil es immer wichtiger wurde, über das Thema zu berichten und die Sicht einer Landwirtin zu zeigen, denn medial wird vieles oft anders dargestellt, als es in Wirklichkeit ist.“

Eine junge Frau und ein Mann sitzen in Liegenstühlen auf einem Acker im Stroh.
© Alexander Danner
Plauderei im Stroh: Martina Prutsch im Gespräch mit Kleine-Zeitung-Gesellschaftsreporter Thomas Plauder

Ihre Zielgruppe seien diejenigen, die von der Landwirtschaft „keine Ahnung haben“. „Denen dieses komplexe Thema so zu erklären, dass sie es verstehen, und es zu schaffen, sie abzuholen, das ist die große Herausforderung“, sagt Prutsch, die in Eigendefinition „ein Sturschädel“ ist. Dass die Südoststeirerin für die Landwirtschaft brennt, das merkt man bei jeder Silbe. Mit ihr lässt es sich – im positiven Sinne – trefflich streiten und sie scheut auch die Konfrontation nicht. „Hater“ löscht Prutsch, denn „Social Media sollte kein Ort für Beleidigungen sein, aber wenn nur ein kleiner Funken Hoffnung besteht, dass das Gegenüber wirklich über etwas Fachliches reden will, auch wenn es überhaupt nicht meine Meinung ist, nehme ich mir die Zeit, um meinen Standpunkt darzulegen. Der große Schlüssel zum Erfolg ist, dass man sich auf Augenhöhe trifft, beide Meinungen offen anhört und darüber diskutiert. Denn es geht nicht darum, meine Meinung anzunehmen, sondern sie zu verstehen.“

Die Frau hinter dem Herd

Aufgewachsen auf dem elterlichen Hof, wollte das Einzelkind und die begeisterte Bäckerin zwischenzeitlich in die Gastronomie entfleuchen, blieb dann aber aus eigenen Stücken in der Landwirtschaft. „Meine Eltern haben mich nie dazu gedrängt“, stellt Prutsch klar. Mittlerweile hat sie eine Direktvermarktung aufgebaut und vertreibt das eigene Kernöl, diverse Kürbisprodukte und auch das selbst produzierte Mehl über einen Online-Shop. „Wäre ich keine Landwirtin geworden, wäre ich Zuckerbäckerin“, plaudert die junge Frau aus. Denn das Backen ist ihre große Leidenschaft. „Und ich erfülle auch das Klischee der Frau hinter dem Herd“, verrät sie augenzwinkernd. „Weil ich einfach zu gerne koche.“ Konservativ sei sie deshalb nicht. „Aber ich sehe an Altem den Wert und bin an Neuem interessiert. Ich versuche beides in Einklang zu bringen, weil beides seine Richtigkeit hat. Und da versuche ich, dazwischen meinen Weg zu finden.“

Regelmäßige Ackerkontrollfahrten

Der Wörthersee ist Martina Prutschs liebstes Urlaubsdomizil, und in luftigen Höhen fühlt sie sich besonders wohl. Vier Tandem-Paraglidingflüge hat sie schon absolviert, der fünfte ist im heurigen Urlaub geplant. Auf ihrem Motorrad sitzt sie gerne, besonders für regelmäßige „AKF“. „Das sind meine Ackerkontrollfahrten“, klärt Prutsch lachend auf. „Da fahre ich durch die Gegend, schaue mir die Natur an und besuche andere Hofläden.“

Die Landwirtschaft sollte kein politisches Thema sein. Landwirtschaft und Politik passen nicht zusammen.

— Martina Prutsch

Einen Abstecher in die Politik lehnt die HLW-Maturantin kategorisch ab. „Weil ich mir meine Meinung nicht verbiegen lasse“, stellt Prutsch klar. „Und ich finde, die Landwirtschaft sollte kein politisches Thema sein, denn ganz unabhängig davon, was jemand wählt oder nicht wählt – essen muss jeder. Die Landwirtschaft und Politik passen nicht zusammen.“ Auch als Testimonial für die Frau in der Landwirtschaft würde sie sich nach eigener Ansicht nicht eignen. „Ich möchte nicht sagen, wir Frauen schaffen das alleine, denn das stimmt nicht“, sagt Prutsch. „Auch Männer schaffen es nicht alleine. Ich will keine Geschlechterdiskussion führen, denn es soll um das Gemeinsame gehen, die Gemeinsamkeit ist wichtig.“

Schmutzige Hände und Fingernägel

Und Prutsch ist eine, die gerne lacht. Aus gutem Grund: „Lachen ist das schönste Make-up“, sagt die Landwirtin, die sich nicht davor scheut, sich die Hände schmutzig zu machen. „Schmutzige Hände und Fingernägel gehören zu meinem Beruf dazu, aber natürlich trage ich auch gerne ein schönes Abendkleid oder ein Dirndl.“

Lachen ist das schönste Make-up

— Martina Prutsch

Und wo sieht sich Prutsch in 15 Jahren? Auf dem Gesicht der Jungbäuerin macht sich ein Lachen breit. „Da sehe ich mich mit drei Alpakas und 15 Hühnern auf meinem Hof, wie ich bei Sonnenschein das Heu zusammenreche.“ Sagt's und genießt kurz den Ausblick in die Landschaft. Die Sonne verleiht dem Stroh auf dem Acker eine eigene Farbe – und in diesem Moment, an diesem Ort, versteht auch der Unwissende Martina Prutschs Liebe und Leidenschaft für die Landwirtschaft.