Vor nicht einmal einem Monat hat Regionalligist Krems Philipp Zulechner als neuen Trainer vorgestellt, am Freitag (19.30 Uhr) gibt der 36-Jährige nun im ÖFB-Cup sein Debüt als Voitsberg-Coach. Die Weststeirer waren nach dem gesundheitsbedingten Rücktritt von Cheftrainer David Preiß auf der Suche nach einem Nachfolger und fanden ihn in Zulechner, der in Krems an Stefan Maierhofer übergab, ohne bei einem Pflichtspiel an der Seitenlinie gestanden zu sein. „Es ist der Anruf von Voitsberg gekommen, dass sie Gespräche führen wollen – nach diesen habe ich gewusst, dass ich das unbedingt machen möchte“, sagt der Wiener. „Mit Krems habe ich schon beim Verhandeln ausgemacht, dass sie mir keine Steine in den Weg legen, wenn die Chance auf Profifußball kommt – dieses Versprechen haben sie gehalten.“
Vier Tage nach dem Wechsel nach Voitsberg folgt mit dem Steirer-Duell beim DSV Leoben die Feuertaufe. „Ich hoffe natürlich auf ein erfolgreiches Debüt, weiß aber auch, dass im Cup alles möglich ist und man niemanden unterschätzen darf“, fordert Zulechner „100 Prozent Fokus“ auf das Duell mit dem Landesligisten. Die vergangenen Tage waren mit der Bundesliga-Auftakts-Pressekonferenz in Wien am Dienstag nur einen Tag nach seiner Vorstellung in Voitsberg und einem Teambuilding am Mittwoch „ziemlich stressig“, am Donnerstag stand die erste Wohnungsbesichtigung im Raum Voitsberg auf dem Programm.
Die Trainerkarriere war bei Zulechner bereits in den vergangenen Jahren im Fokus, auch wenn er im Frühjahr noch als Stürmer bei Waidhofen/Ybbs dem Team mit acht Treffern zum Titel in der niederösterreichischen Gebietsliga West verholfen hat. „Das war mehr ein Freundschaftsdienst“, erzählt Zulechner, der von Sommer 2024 bis Ende März 2026 bei Landesligist Ybbs als Trainer tätig war und kurz vor dem Abschluss des maltesischen Trainerkurses zur UEFA-A-Lizenz steht. „Das ist wie in Österreich mit einem bisschen anderen Ansatz“, erklärt Zulechner. „Ich habe nach einer Alternative gesucht, war für den Kurs acht Mal in Malta und habe das sehr genossen.“
Philipp Zulechner: „Mein Zugang ist ähnlich wie als Spieler“
Als Spieler führte Zulechner seine Karriere unter anderem zum SC Freiburg, zu den Young Boys Bern, zur Wiener Austria und zum SK Sturm, er trainierte unter renommierten Trainern wie Adi Hütter, Franco Foda oder Christian Streich. „Von jedem Trainer nimmt man etwas mit, von der Spielausrichtung und der Idee her ist es aber schon die Richtung von Adi Hütter, die mich als Spieler stark gemacht hat und die ich auch jetzt als Trainer verfolge“, sagt Zulechner, der unter Hütter im Herbst 2013 beim SV Grödig in der Bundesliga seinen großen Durchbruch hatte. Zulechners Zugang deckt sich mit Voitsbergs Philosophie, weshalb der einfache ÖFB-Teamspieler als Wunschkandidat galt. „Mein Zugang ist ähnlich wie als Spieler: Aggressiv und hoch anlaufen, über die Power und Schnelligkeit kommen und einen geradlinigen Stil spielen.“
Als Zweitliga-Aufsteiger gilt es erst einmal, „den Klassenerhalt zu fixieren – alles andere ist eine Draufgabe“, sagt Zulechner. Ganz so furios wie in der letzten Regionalligasaison, wo Voitsberg mit 113 Treffern die Liga dominierte, wird es aber wohl nicht mehr zugehen. Im Cup darf die Offensive um Fabian Schubert, der 43 dieser Treffer beisteurte, erst einmal beweisen, über den Sommer nichts verlernt zu haben. Für den 31-Jährigen ist die Bestellung von Zulechner jedenfalls ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten: In der Saison 2017/18 standen die beiden Angreifer in drei Partien gemeinsam für den SK Sturm auf dem Feld. „Mit ,Schubi‘ habe ich mich immer ganz gut verstanden gehabt, am Anfang war es ein bisschen lustig, dass ich jetzt sein Trainer bin. Aber es funktioniert super“, freut sich Zulechner über „seinen“ neuen Stürmer, der auch in der neuen Saison eine zentrale Rolle einnehmen soll. „Er hat immer bewiesen, dass er ein Goalgetter ist.“