Großes ist zuletzt in der Katholischen Kirche Kärnten bzw. im zweisprachigen Bereich geschehen: Mit dem Wechsel von Langzeit-Rektor Josef Kopeinig (85) in den Ruhestand wurde das zweisprachige Bildungshaus Sodalitas in Tainach mit einer neuen Führungsmannschaft ausgestattet und von der Diözese übernommen, die jetzt auch der Besitzer ist. Das war über Jahrzehnte die slowenische Priestergemeinschaft Sodalitas, wo Kopeinig Langzeitobmann war. Ihm folgte Josef Valeško nach. Wegen all dieser gravierenden Veränderungen stellt sich in den Kirchenreihen und unter Beobachtern die Frage: Wie geht es mit der slowenischen Priestergemeinschaft weiter? Wie geht es in der Diözese, die das Slowenische in ihren Statuten verankert hat, und mit der Zweisprachigkeit in den Südkärntner Pfarren weiter?

Das Bildungshaus Sodalitas in Tainach geht in das Eigentum der Diözese über
Das Bildungshaus Sodalitas in Tainach geht in das Eigentum der Diözese über © Sodalitas

Allein die Zahlen sprechen für sich: Früher einmal war die Hälfte des Kärntner Klerus slowenischsprachig, so Bischof Josef Marketz, selbst Kärntner Slowene. Vor 40 Jahren etwa seien noch weit über 100 slowenischsprachige Priester Mitglieder der Sodalitas gewesen, jetzt sind es laut Valeško nur noch 32, die sich vier Mal im Jahr in Tainach treffen. Wobei er betont: „Es geht nicht um Sprache, es geht um Seelsorge, dass die Menschen in der Kirche Heimat haben, sich zu Hause fühlen.“ Allerdings: „Die Menschen haben auch durch das Slowenische Heimat in der Kirche, aber nicht nur“. Als Pfarrer von St. Peter am Wallersberg/Št. Peter na Vašinja merke er immer wieder, wie sehr etwa slowenische Kirchenlieder Leute berühren, die lange nicht mehr in Kärnten waren und sich in die Kindheit hier zurückversetzt fühlen.

 Pfarrer Josef Valeško ist auch Obmann der Priestergemeinschaft Sodalitas
Pfarrer Josef Valeško ist auch Obmann der Priestergemeinschaft Sodalitas © Budai

Marketz betont gleich wie Valeško, dass die Situation in der zweisprachigen Seelsorge gleich sei wie im übrigen Kärnten: Es gibt immer weniger Priester. „Wir versuchen das Bestmögliche, aber es läuft nicht immer so, wie wir es möchten.“ Deshalb kommen künftig noch mehr Laien für den spirituellen, liturgischen aber auch ökonomischen Bereich zum Einsatz, vor allem in kleinen Pfarren. „Die Priester, die wir haben, teilen wir auf die größeren Pfarren auf“, so Marketz, sie sollen sich auf die Sakramentenspendung, Eucharistie und Weitergabe des Glaubens konzentrieren können.

Pfarrer aus Afrika und Slowenien

Was sich zudem zeigt: Auch im zweisprachigen Gebiet sind vermehrt Priester aus Afrika tätig, etwa in Diex, Eisenkappel/Železna Kapla, Köttmannsdorf (bzw. ab September in Eberndorf) und Gallizien. „Manche sind hoch sprachbegabt und haben exzellente Slowenischkenntnisse“, so Marketz. Aus Slowenien stammende Priester in Kärnten gibt es immer weniger (weil es auch in Slowenien Priestermangel gibt), in Sittersdorf/Žitara vas und Suetschach/Sveče ist es der Fall. Im Priesterseminar in Graz sei es „schon ewig her“, dass es einen slowenischsprachigen Priesteramtskandidaten gegeben habe, so Marketz; wenngleich es dort jetzt generell wieder mehr Studierende gebe. Was der Kärntner Kirche helfe: Laientheologen kommen mangels Arbeitsplatz in Slowenien vermehrt zum Arbeiten nach Kärnten.

Die abnehmende Sprachkompetenz in der Volksgruppe selbst wirke sich auch im Kirchenbereich aus, bestätigt Marketz. Neben den Vereinen und Schulen habe die Kirche immer eine wichtige Kompetenz gehabt. „Früher sprachen die Pfarrer ein sehr schönes Slowenisch. Doch ein aus Afrika stammender Pfarrer wird nicht der Slowenischlehrer vor Ort sein können.“

Die Kirche will das Slowenische jedenfalls weiter hoch halten. Marketz kündigt im Rahmen des Kirchenentwicklungsprozesses einen neuen Schwerpunkt für die Zukunft an. Ab Herbst soll es in der Leitung der Diözese eine Person geben, die sich für die Zweisprachigkeit einsetzen werde. Im Herbst feiert auch die Sodalitas ihr 100-Jahr-Bestehen.