Chris Artcore: „Ich wollte einen Eurofighter gestalten, jetzt sind es sechs“
Der Murtaler Airbrush-Künstler und Militärluftfahrzeugtechniker Christian Erhart verschönert seit 15 Jahren Jets, Hubschrauber und mehr. Seine ungewöhnliche Karriere begann mit einem Vogelschlag.
Sie feiern heuer Ihr 15-jähriges Jubiläum. Wie wird man eigentlich Airbrush-Künstler?
Zeichnerisch war ich immer begabt. Mit Airbrush kam ich das erste Mal in meiner Lehrzeit in Kontakt. Ich habe mir mein erstes Equipment mit meinem hart ersparten Lehrgeld gekauft, das war damals sehr teuer. Geworden ist daraus aber nichts (lacht). Ich war schnell genervt und die Sachen sind in der Ecke gelandet. Viele Jahre später habe ich es nochmals probiert, dieses Mal aber gescheit. Anfangs habe ich Mopeds von Kumpeln gestaltet, das hat sich herumgesprochen, es wurde immer mehr. 2011 habe ich mich nebenbei selbstständig gemacht.
Wie kommt man von Mopeds zu Militär-Jets?
2008 bin ich zum Bundesheer gekommen, das war der erste Berührungspunkt. Begonnen hat es mit Wandgestaltungen für die Flightline, Blechtafeln, alles nebenbei im Grundwehrdienst. Bei der Airpower 2011 hat dann ein Jet der Saudi Hawks einen Vogelschlag erlitten. Am Abend hat mich ein Kollege angerufen, ob ich am nächsten Morgen Zeit habe, sie hätten gerne den steirischen Panther auf der Stelle. Das war so gut 15 Zentimeter groß und schnell erledigt. Innerhalb des Bundesheeres wusste man dann, es gibt jemanden, der so etwas kann. Es folgten eine PC-7, eine Saab 105, ein Hubschrauber…
Sie arbeiten als Militärluftfahrzeugtechniker im Eurofighter-Flugbetrieb – eine sehr technische Arbeit. Wie passt das mit der Kunst zusammen?
Für mich passt es gut, ich war immer begeistert von Fliegern, schon als ganz kleines Kind. Besonders Jets haben mir getaugt, in Zeitschriften habe ich mir die ganzen sonderlackierten Maschinen angeschaut. Damals gab es noch den rot-weiß-roten Draken. Ich bin hinter dem Zaun gestanden und hab’ mir gedacht: Sowas wäre mal cool. Das waren halt Kindheitsträume. Mein Job ist jetzt ein Vorteil: Ich weiß, wo man einen Eurofighter folieren darf, ich kenne mich technisch aus.
Zur Person
Christian Erhart ist 38 Jahre alt und gebürtiger Spielberger. Unter dem Künstlernamen „Chris Artcore“ hat der Militärluftfahrzeugtechniker unter anderem die Eurofighter, die „Frecce Tricolori“ oder die Swiss Air Force mit Airbrush verschönert. Seine Designs erreichten den ersten und dritten Platz bei der Nato-Tigermeet 2023.
Der Airbrush-Künstler gestaltet nicht nur Jets, sondern auch Fahrzeuge (etwa fürs Jagdkommando), Fassaden, Motorräder, Helme oder Eisstöcke. Projekte führten ihn etwa in die Niederlande, nach Belgien, in die Schweiz oder in die Slowakei.
Heuer feiert der Künstler sein 15-jähriges Jubiläum. Erhart lebt mit seiner Partnerin und zwei Kindern in Apfelberg.
Was waren künstlerisch gesehen Ihre Höhepunkte in den letzten 15 Jahren?
Es kommt immer wieder was dazu wo ich mir denke: Das kann nichts mehr toppen! Und dann kommt erst wieder was daher (lacht). Ein Höhepunkt war natürlich die Eurofighter, speziell der erste österreichische mit einer kompletten Folierung. Das war der rot-weiß-rote mit Tiger. Worauf ich stolz bin, im selben Jahr habe ich für die deutsche Luftwaffe auch einen Eurofighter gestaltet. Beim Tiger-Meet in Italien, das ist eine internationale Nato-Übung, haben die Bayern mit meinem Design den ersten Platz für die beste Lackierung gemacht, und wir mit unserem Eurofighter den dritten. Mittlerweile habe ich 16 Flieger gestaltet. Wobei ich sagen muss, es gibt in Österreich einige tolle Airbrush-Künstler zu denen ich aufschaue. Bei mir ist aber die Leinwand eine andere. Auf einem Jet oder Hubschrauber schaut das Werk gleich spektakulärer aus.
Ein Flugzeug gestalten: Wie kann man sich das praktisch vorstellen?
Ich brauche circa ein bis zwei Wochen für ein solches Projekt, ohne Design-Entwurf. Es ist viel Absprache mit den Staffeln nötig. Gearbeitet wird dann bis in die Nacht hinein. Jedes Flugzeug hat einen gewissen Namen, meistens orientiert sich das Motiv daran. Ich kann mich wirklich nur bedanken bei allen Staffeln und Technikern, die mir das Vertrauen schenken. So etwas ist nicht selbstverständlich.
Gibt es noch einen Wunsch, den sie sich gerne erfüllen möchte?
Früher habe ich immer gesagt: Ein Eurofighter wäre cool, jetzt sind es schon sechs (lacht). Was ich gerne machen würde, wäre die Herkules, also das große Transportflugzeug. Das steht vor dem Letztflug, wird nächstes Jahr ausgemustert. Das wäre eine sehr große Leinwand. Interessieren würden mich auch noch die anderen Nationen. Deutschland hat angefragt für einen Tiger, einen Kampfhubschrauber. Das ging sich heuer nicht aus, weil sie dienstlich verhindert waren. Das wäre ein sehr cooles Projekt – ein Display-Team, das auch auf Airshows auftritt.
Apropos Airshow. Die Zukunft der Airpower wird ja immer wieder heiß diskutiert, wie stehen sie dazu?
Ein Zwei-, eher Dreijahresrythmus würde passen. Das Problem ist, dass die Leute, die dafür arbeiten, die Bediensteten, auch unter dem Jahr sehr eingespannt sind. Personalprobleme haben wir natürlich auch beim Bundesheer, Fluglotsen sind ein großes Thema. Das sind halt auch die Leute, die die Airpower schupfen, das macht es schwierig. Ein Großevent zu stemmen ist schwierig. Mir persönlich taugt die Airpower, man arbeitet mit anderen Nationen zusammen und lernt viele Menschen kennen.
Bleibt neben Arbeit und Kunst eigentlich noch Freizeit?
Es ist fast nur Arbeit (lacht). Wenn ich Zeit habe, gehe ich am liebsten raus, höre gerne Musik und mache Sport. Und hauptsächlich nehme ich mir natürlich Zeit für meine Familie.
