Spitzenköchin Tici Kaspar: „Ich bin in meinem 28. Lehrjahr“
Sie zählt zu Kärntens bekanntesten Köchinnen. Tici Kaspar über ihre prägende Lehrzeit, ihre Leidenschaft fürs Kochen und warum Perfektion im Alltag für sie keine Rolle spielt.
Wenn Sie jemand fragt, wer ist Tici Kaspar, was antworten Sie dann? Köchin? Unternehmerin? Genussmensch? Oder etwas ganz anderes?
Tici Kaspar: Ganz klar Genussmensch. Ich bin einfach eine große Genießerin. Das ist das, was ich am besten kann. (lacht)
War Kochen immer Ihr Traumberuf?
Ja, tatsächlich. Ich wollte immer Köchin oder Schauspielerin werden, seit ich denken kann. Es ist die Gastronomie geworden, ich habe mich mit 15 Jahren für eine Lehre im elterlichen Betrieb entschieden.
Warum nicht wo anders?
Mein Papa hat gesagt, wenn ich eine Lehre machen will, dann daheim. Die Mama hat gesagt, auf gar keinen Fall, aber da hat sich der Papa durchgesetzt. Das war eine gute Schule fürs Leben. Das Arbeiten habe ich daheim gelernt und dort auch den Grundstein für meine weitere Karriere gelegt.
Zur Person
Patricia „Tici“ Kaspar (43) eröffnete vor fünf Jahren ihr eigenes Kochstudio - das „Studio 13“ - in der Villacher Innenstadt. Neben der Kochschule kann das Studio auch für exklusive Events ab 20 Personen gebucht werden. Weiters arbeitet Kaspar seit bereits acht Jahren mit Spar Österreich zusammen, entwickelt für das Unternehmen Rezepte und bietet Food-Styling an. Ihre Lehrzeit absolvierte sie in der Urbani Weinstuben bei ihrem Vater, dem Gastro-Urgestein Michael Kaspar. Im Anschluss kochte sie in Spitzenrestaurants in London, Rom, am Arlberg oder in Salzburg, war als Privatköchin tätig und führte ein eigenes Restaurant am Längsee.
Kaspar lebt mit ihrem Sohn Paul und Labrador Pablo in Treffen am Ossiacher See.
Gibt es Ihrer Meinung nach einen Unterschied, ob man als Frau oder als Mann in der Spitzengastronomie tätig ist?
Ja, als Frau muss man sich noch mehr beweisen. Das habe ich in London gelernt. Da war ich 22 Jahre alt und die einzige Frau in der Küche, wir hatten 16-Stunden-Tage, aber daran ist mein Ehrgeiz nur gewachsen.
Welchen Tipp können Sie Jugendlichen, die in der Ausbildung stehen, mit auf den Weg geben?
Als ich jung war, dachte ich, dass ich meine Schwächen stärken muss. Und das ist der größte Blödsinn überhaupt. Man muss sich seinen Stärken bewusstwerden, jeder hat ein Talent, das muss man finden, dann hat man auch Erfolg und Spaß.
Sie sind seit 14 Jahren selbstständig, Mutter eines 13-jährigen Sohnes, alleinerziehend. Was waren oder sind Ihre größten Herausforderungen?
Ich mag das Wort nicht, weil ich nicht alleinerziehend bin. Dann würde ich all das gar nicht machen können. Ich habe eine große Familie und einen großen Freundeskreis, darum bin ich nicht alleinerziehend. Was aber wichtig ist, ist dass man Hilfe und Unterstützung annehmen kann.
Trotzdem haben viele Eltern, und gerade Mütter, heute oft das Gefühl alles perfekt machen zu müssen. Muss wirklich jeden Tag frisch, regional und bio gekocht werden oder dürfen auch mal Fischstäbchen auf den Tisch?
Ich sage immer, alles, was extrem ist, ist auch extrem schwer durchzuhalten – wie bei einer Diät. Natürlich schaue ich größtenteils, dass ich gesund koche, aber wenn’s mal stressig ist oder man einfach keine Zeit hat, gibt‘s bei uns auch einen Kebab oder eine Pizza, die wir bestellen. Das ist alles kein Thema, sollte nur nicht die Regel sein.
Mit welchen drei Lebensmitteln kann man denn gesund kochen, auch wenn man als Familie vielleicht kein großes Budget hat?
Kartoffeln, Pasta und Gemüse. Das ist nicht teuer und sättigend. Das sind auch Dinge, die ich immer daheim habe. Gemüse kann man auch ganz wunderbar im Essen verstecken, zum Beispiel jetzt in der Zucchinisaison, die Zucchini würfelig schneiden, sautieren mit Zwiebel und Knoblauch, Tomatensauce dazu, ein bisschen Ricotta und das ganze mixen, das ist die beste Sauce überhaupt und schon hat man Gemüse untergejubelt. Oder eines meiner liebsten Kindheitsgerichte: Kartoffel mit Spinat und Spiegelei, ich liebe das. Oder jetzt im Sommer Gyros mit Zaziki oder Topfenreinkalan mit Bröseltopfen und Salat, nichts Kompliziertes und geht auch alles mit einem kleinen Budget. Da kosten Fertiggerichte mehr.
Was ist für Sie persönlich Genuss?
Essen, Trinken, nichts tun. (lacht) Ich bin schon auch aktiv, ich liebe es mich zu bewegen, bin aber auch Genuss-Sportlerin. Am Wochenende geht ich gerne mit meiner Familie wandern, wir sind gern in der Natur unterwegs und das verbinde ich dann auch mit Genuss. Das Highlight ist, wenn man dann in einer Hütte einkehrt und etwas gutes essen kann.
Wie beurteilen Sie denn die Qualität in der Kärntner Gastronomie?
Sehr gut. Sehr, sehr gut. Man kann in Kärnten extrem gut essen. Es hat sich total viel getan und da braucht sich die Kärntner Gastronomie nicht zu verstecken. Es gibt Top-Gasthäuser und Top-Restaurants. Aber es ist ein schwieriger Job geworden. Die Lebensmittelpreise und die Personalkosten sind sehr hoch und immer weniger Menschen können oder wollen sich das Essen gehen leisten.
Ist es denkbar, dass Sie selbst auch wieder ein Restaurant eröffnen?
Sag niemals nie. Als ich mein Restaurant damals geschlossen habe, wusste ich, dass ich das machen will, was ich jetzt mache. Die Kochschule, Food-Styling, Events und Rezeptentwicklung. Und ich dachte mir, ein Restaurant, das kann ich immer noch machen. Aber aktuell bin ich davon weit entfernt, weil das, was ich jetzt mache, entspricht genau meinen Stärken. Es macht mich total glücklich und erfüllt mich. Ich brauche die Herausforderung und die Abwechslung und ich will es nie fad haben. Ich sage immer, ich bin in meinem 28. Lehrjahr, ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu.
Wo würden Sie jemanden zum Essen hinschicken, der oder die zum ersten Mal in Villach ist?
Ganz klar ins Aurea. Da bin ich ein ganz großer Fan und stolz, dass es so etwas in Villach gibt. Der Armin könnte überall auf der Welt kochen, und diese Leidenschaft und das Engagement muss man einfach unterstützen. Dann gibt es aber auch über Villach hinaus den Bärenwirt in Hermagor, die Bär und Schaf Wirtschaft in Völkermarkt und auch der Weißensee hat sich gastronomisch großartig entwickelt.