Große Worte wählten die Salzburger Landesrätin Daniela Gutschi und ihr steirischer Amtskollege Karlheinz Kornhäusl am Freitag im Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach: „Wir legen heute eine bahnbrechende Lösung auf den Tisch, die eine Vorreiterrolle in Österreich darstellen kann.“ Und meinten damit jenes Papier, das direkt vor den Kameras unterschrieben wurde: ein Kooperationsvertrag zur Übernahme von Patientinnen und Patienten zwischen Salzburg und der Steiermark.
Nach dem Aus für das Leitspital Stainach-Pürgg und dem Schwenk auf den Plan B ist es der zweite Vertrag dieser Art, den die grüne Mark mit einem Bundesland unterzeichnet hat. Jener mit Oberösterreich und dem LKH Bad Ischl wurde bereits mit 1. April schlagend, nun ist das im Westen an den Bezirk angrenzende Bundesland an der Reihe.
Zuerst Geburten, dann Allgemeinchirurgie
Ab 1. Oktober betrifft der Vertrag die Geburten aus der Klinik Diakonissen Schladming. Die Geburtenstation wird zeitgleich geschlossen und zu einem Hebammenstützpunkt umfunktioniert (wir berichteten). Am 1. Juli 2027 wird dann die fünf Betten große Allgemeinchirurgie des Diakonissenspitals von Schwarzach übernommen. Rund eine Million Euro kostet die Kooperation dem Land Steiermark pro Jahr.
Für das Land Salzburg ist das essenziell, betont Landesrätin Gutschi: „Wir stehen bei inländischen Gastpatienten besonders unter Druck und sind nach Wien das Bundesland, das die meisten versorgt“. Bis zu 100 Millionen Euro an Mehrkosten bedeute das pro Jahr. Die meisten kämen dabei aus Oberösterreich und der Steiermark.
„Leicht bewältigbar“ für Schwarzach
Mit dem Regionalen Strukturplan (RSG) sei es notwendig gewesen, „manche Wege neu zu denken“, erklärt Landesrat Kornhäusl die steirischen Hintergründe. Dabei habe man sich auf eine Spezialisierung der drei Spitäler im Bezirk Liezen geeinigt, damit fallen unter anderem die beiden Stationen in Schladming weg. Man habe Verständnis für den Willen, dass alles so bleibe wie es ist. Notwendig seien diese Veränderungen nicht „aus Jux und Tollerei, sondern aus dem demografischen Wandel“, so Kornhäusl.
Was er damit unter anderem meinte, sah man an der Reaktion von Eugen Adelsmayr, Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des Kardinal Schwarzenberg Klinikums: Die rund 90 Geburten im vergangenen Jahr in Schladming „werden uns nicht wahnsinnig belasten. Das können wir mit den vorhandenen Strukturen leicht bewältigen“. Auch auf der Chirurgie rechne man nur mit „einem stationären Patienten pro Tag mehr“.
Keine Übernahme von Personal
Prinzipiell würde mit dem Vertrag „dem Faktischen ein formal korrekter Unterbau bereitet“, so Adelsmayr weiter. Kommen doch schon „zwischen neun und zehn Prozent der Patienten aus der Steiermark“, die meisten in der Orthopädie, Unfallchirurgie und der Inneren Medizin. Neues Personal für die Kooperation mit der Steiermark einzustellen, sei daher kein Thema. Es wird auch keine Übernahme von Medizinern, Hebammen oder Pflegepersonal aus der Klinik Diakonissen geben.
Die zeitliche Verschiebung der Allgemeinchirurgie in das kommende Jahr erklärt Kornhäusl mit der noch nicht abgeschlossenen Verschränkung der Ortho- und Traumatologie-Abteilung zwischen Schladming und dem LKH Rottenmann. Den Grund, warum der Vertrag zwischen den beiden Ländern und nicht mit Schwarzach direkt abgeschlossen wurde, erklärt die Salzburger Landesrätin: „In Ausnahmefällen kann es auch vorkommen, dass steirische Patienten in einem anderen Salzburger Krankenhaus behandelt werden.“
Kritik von SPÖ
Kritik an der Kooperation kommt vom steirischen SPÖ-Chef Max Lercher, der von „unüberlegten Verträgen“ spricht: „Damit wird der Anspruch aufgeben, die Versorgung im eigenen Land zu wahren“, sagt er bei seinem Besuch im Bezirk am Donnerstag. Es sei auch zu prüfen, ob es dadurch nicht zu Doppelzahlungen komme. Seien doch im Finanzausgleich ohnehin Ausgleichszahlungen für Gastpatienten geregelt.
Dazu hieß es bei der Pressekonferenz am Freitag: Den Finanzausgleich bekäme Salzburg nicht in der Höhe, in der die Ausgaben seien. „Mit dieser Lösung haben wir eine transparente, klare Abrechnung pro Patient“, so Gutschi.