Die Hitze der vergangenen Wochen hat die Temperaturen in den Kärntner Seen extrem aufgeheizt. Der Maltschacher See und der Gösselsdorfer See kratzen an der 30-Grad-Marke, im Rauschelesee wurden am Dienstag bereits 30,6 Grad gemessen. „Das ist laut unseren Aufzeichnungen ein Allzeit-Rekord für die Kärntner Seen“, sagt Johannes Moser vom Hydrografischen Dienst Kärnten. Bis vor zwei Jahren hatte noch nie ein Kärntner See die 30-Grad-Marke erreicht, im Vorjahr war der Rauschelesee schon einmal 30 Grad warm, doch heuer hat das Wasser dort diese Marke erstmals überschritten. Am Montag war selbst der Weißensee, traditionell ein kühleres Gewässer, 27 Grad warm.

Georg Santner
Georg Santner © KLZ / Markus Sebestyen

Noch nie war es so früh im Sommer so heiß, noch nie besuchten so viele Gäste die Seen. Ist daher zu befürchten, dass manche von ihnen bald kippen könnten? „Das würde bedeuten, dass der ganze Sauerstoff im Gewässer aufgebraucht wird und Organismen sterben. Davon sind wir bei den größeren Seen noch weit entfernt. Bei kleineren Teichen ist es aber durchaus möglich“, sagt Georg Santner vom Institut für Seenforschung.

Auch den Ansturm der Gäste würden die Seen derzeit noch vertragen. „Natürlich bringen diese Sonnencreme ins Wasser ein und Kinder urinieren hinein. Aber diese Belastung halten sie aus“, so Santner. Und wenn die Hitzebelastung bis August oder September weitergeht? „Wir haben gar nicht die Erfahrungswerte, stehen alle vor einer neuen Situation. Wir hatten noch nie im Juni so hohe Temperaturen und kennen die Auswirkungen nicht“, sagt Thomas Friedl von der Gewässerökologie des Landes Kärnten.

Jürgen Rauter
Jürgen Rauter © Privat

Dass Fauna und Flora schon jetzt gehörig unter Druck geraten, ist aber Fakt. „Es gibt Wasserpflanzen, die unter dem Temperatureintrag, der Trübung und dem Wellenschlag leiden. Und bestimmte Fische, die kältere Temperaturen benötigen, ziehen sich in die Tiefe zurück“, so der Experte.

Das bemerken die Fischer. „Hechte und Reinanken fangen wir kaum mehr, die sind ins tiefe, kühlere Wasser verschwunden“, berichtet Jürgen Rauter, Obmann der Fischereigemeinschaft Zander am Ossiacher See. Dieses Phänomen hätte man früher im August beobachtet, heuer aber bereits Anfang Juni. „Dass sich Fische zurückziehen, ist in den letzten zwei, drei Jahren massiv zu beobachten“, so Rauter. In seinen Netzen finden sich Zander oder Waller, die als wärmeliebende Fische gelten. Allgemein beklagen Fischer aktuell, dass sie deutlich weniger Fische fangen würden.

Verspätete Durchmischung

Wenn die Seen im Sommer aufgeheizt werden, hat das ganzjährige Auswirkungen - auch auf die Eisbildung im Winter. „Es ist mehr Energie im See und er kühlt immer später aus“, weiß Santner. Und die Zirkulation der Seen, die immer im Herbst stattfindet, verzögere sich von Jahr zu Jahr. Gut zu beobachten ist das am Wörthersee, der seit 2006 nicht mehr zum Eislaufen freigegeben wurde, oder am Weißensee: Der bot einst von November bis März tragfähiges Eis, in den letzten Jahren mussten die Veranstalter aber sogar regelmäßig um die alternative holländische Elf-Städte-Tour im Jänner zittern.