Ab dem 1. Juli gilt der gesenkte Mehrwertsteuersatz von 4,9 statt bisher 10 Prozent auf bestimmte Grundnahrungsmittel wie Milch, Joghurt, Eier und Backwaren. Und genau hier wird es kompliziert: Denn bei weitem nicht alle Backwaren unterliegen dem neuen Steuersatz. Die Semmel zählt dazu, das Kipferl aber nicht. „Das hat mit mehr als zehn Prozent Fett in der Trockenmasse einen zu hohen Fettanteil“, erklärt Thomas Perschler, der erst im April die Alpenbrotbäckerei Jechart in Edelschrott übernommen hat.

1000 Euro investiert

Insgesamt 108 Artikel umfasst das Sortiment der weststeirischen Bäckerei. „Wir kaufen nur Konditorware zu, die ohnedies nicht unter die Senkung der Mehrwertsteuer fallen. Bei den eigenen Rezepten haben wir alles berechnet, aber das ist ein großer Aufwand, der sich auch in den Kosten niederschlägt“, betont Perschler. „Allein die neue Bürosoftware hat uns rund 1000 Euro gekostet.“ Zudem müsse man die Mitarbeiter schulen und auch im Haustürverkauf, wo die Alpenbrotbäckerei mit zwei Bussen im Einsatz ist, sorgt die Steuersenkung für mehr Aufwand. Nur beim Brot fühlt man sich auf der sicheren Seite, mit Ausnahme von Laiben mit Früchten, Rosinen oder Karotten dürften alle Brote unter den neuen Mehrwertsteuersatz fallen.

Franz Jechart (links) und sein Nachfolger Thomas Perschler von der Alpenbrotbäckerei Jechart in Edelschrott
Franz Jechart (links) und sein Nachfolger Thomas Perschler von der Alpenbrotbäckerei Jechart in Edelschrott © Klz / Dunst

Bei den Kundinnen und Kunden wird das im Geldbörserl aber nur marginal spürbar sein. „Der Preis für eine Semmel ist von 48 auf 46 Cent gesunken“, erzählt Perschler, der gleich darauf hinweist, dass sich die Senkung nicht eins zu eins im Endpreis niederschlagen werde. Er werde kein Produkt mit schrägen Cent-Beträgen auspreisen und seine Kunden irritieren. „Da wird der eine oder andere Betrag aufgerundet, zudem entsteht ja auch für mich ein Aufwand“, bittet der junge Unternehmer um Verständnis.

Den Rücken stärkt ihm sein Vorgänger, der Bäckermeister Franz Jechart: „Die Regelung ist komplett undurchsichtig und eine reine Katastrophe. Die Steuersenkung wird von der Bürokratie wieder aufgefressen und gerade die kleinen und mittleren Betriebe werden dabei richtig zur Kasse gebeten. Auch wie etwaige Kontrollen ablaufen sollen, ist komplett offen.“

Anpassung noch nicht möglich

Die Preise an die neue Mehrwertsteuer noch nicht angepasst hat Reinhard Krill vom Café und Backladen Pan del Dia in Ligist. Erstens ist Mittwoch Ruhetag. Und zweitens kann der Gastronom die Regel erst in einigen Tagen umsetzen. „Wir wissen noch immer nicht zu 100 Prozent, welche Sorten genau betroffen sind.“ Zudem mache es einen Unterschied, ob eine Semmel, ein Joghurt oder ein Glas Milch mitgenommen oder im hauseigenen Café serviert wird – dann bleibt der bisherige Steuersatz von 10 Prozent aufrecht. „Ich kann die Senkung technisch noch gar nicht umsetzen, weil wir die Kasse selbst gar nicht ändern können.“ Firmen, die Kassensysteme anbieten und warten sind derzeit so gut wie ausgebucht. „Für uns entstehen da Kosten in der Höhe von mehreren hundert Euro, für etwas, das nicht sinnvoll ist oder irgendjemandem etwas bringt“, ärgert sich Krill, der mit Ende des Jahres in die wohlverdiente Pension geht. „Das hätte ich mir echt ersparen wollen.“