Viele Einfamilienhäuser mit gepflegten Gärten, dazwischen einige Mehrparteienhäuser. Kein Durchzugsverkehr. Wer dort hinfährt, wohnt dort oder besucht jemanden. In Summe eine idyllische Siedlung in der Stadt Friesach: Am Dienstagvormittag sind zahlreiche Menschen in der Straße unterwegs, schauen verwundert aus ihren Gärten. Das hat einen Grund: Denn ein Teil der Siedlung ist mit Plastikbändern abgesperrt, jede Menge Polizei ist vor Ort.
Trauer und Wut
Einige Anrainer wissen etwas, die meisten haben aber keine Ahnung: Aber alle ahnen Schlimmes und sie sollen recht behalten: Wenige Stunden zuvor, in der Nacht auf Dienstag, verwandelte sich diese Idylle in eine blutige Tragödie, an deren Ende es zwei tote Männer, eine schwer verletzte Frau (30) und zwei verängstigte Kleinkinder sowie jede Menge Trauer und Wut gibt.
„Das ganze Stiegenhaus war voller Blut“, sagt ein Nachbar der 30-Jährigen. „Es war schrecklich.“ Die Frau und ihre Kinder seien immer sehr nett gewesen. „Da hat es nie etwas gegeben.“ Er ist erschüttert, dass „so etwas bei uns passiert ist“, sagt der Pensionist. „Einfach unvorstellbar.“ Von der Tat, die sich etwa sieben Stunden zuvor in einem Wohnhaus zugetragen hat, hat der Mann nichts mitbekommen. „Ich habe ihren Hund bellen gehört und mich gewundert, weil er das sonst nicht macht. Wenn ich das gewusst hätte…“
Mit Hacke attackiert
Die Tragödie nahm gegen 2 Uhr in der Früh ihren Lauf: Da betritt ein Mann (27) die Wohnung seiner ehemaligen Freundin (30). Mit einem Schlüssel, den er offenbar auch nach der Trennung noch hatte, schließt er die Türe auf. „Die 30-Jährige wurde durch die Geräusche wach und schaute nach“, sagt Werner Pucher, Sprecher der Landespolizeidirektion (LPD) Kärnten. In diesem Augenblick stand auch schon der 27-Jährige vor ihr und attackierte sie mit einer 80 Zentimeter langen Hacke. Der verletzten und blutenden Frau gelang die Flucht aus ihrer Wohnung.
Opfer schleppte sich zu Nachbarn
Während sie mitten in der Nacht in der Siedlung um Hilfe suchte, griff der 27-Jährige den schlafenden neuen Lebensgefährten (30) der Frau an. Der Mann hatte keine Chance. Er wurde von mehreren wuchtigen Schlägen mit der Hacke getroffen und erlitt so schwere Verletzungen, dass er noch in der Wohnung verstarb.
Während ihr Ex-Freund in ihrer Wohnung tötete, gelang es der 30-Jährigen, sich zu einem benachbarten Haus zu schleppen und die Bewohner zu wecken. Diese halfen ihr und alarmierten Rettung und Polizei. Das Opfer wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus Friesach gebracht und dort operiert.
In entgegenkommenden Lkw gerast
Noch bevor die Polizei am Tatort eintraf, griff sich der 27-Jährige die Schlüssel vom Auto seiner ehemaligen Freundin, setzte sich ans Steuer und fuhr auf die Friesacher Straße (B317) – sie wird bei St. Veit zur Klagenfurter Schnellstraße (S37). Dort raste er in Richtung Klagenfurt. Auf Höhe der Ortschaft St. Michael am Zollfeld fuhr der 27-Jährige gegen 2.30 Uhr frontal – und wohl mit Absicht – gegen einen entgegenkommenden Lkw. Der mutmaßliche Mörder starb an der Unfallstelle, der Lkw-Lenker (45) blieb unverletzt, erlitt aber einen schweren Schock und musste ins Klinikum Klagenfurt gebracht werden.
Tatmotiv noch unklar
Das schreckliche Ende einer noch schrecklicheren Tragödie, wie sich am Dienstagvormittag herausgestellt hat: Denn in der Wohnung waren zur Tatzeit auch zwei Kleinkinder. In welchem Verhältnis sie zu den beiden Opfern oder zum Täter stehen, ist noch nicht bekannt. Auch nicht, ob und was sie von dem Angriff mitbekommen haben. „Die Kinder haben wohl geschlafen und wurden durch die Tat munter. Ihnen ist es gelungen, die Wohnung zu verlassen“, sagt LPD-Sprecher Pucher. Die beiden blieben jedenfalls körperlich unverletzt und wurden zu Verwandten gebracht. Die 30-Jährige konnte das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen.
Das Tatmotiv ist derzeit noch unklar. Das Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.