Berühmt über Nacht: Diesen Wunsch haben wohl viele, die den Weg in die Öffentlichkeit suchen. Passiert ist es beim geschichtsträchtigen 3:3 im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM in den frühen Sonntagmorgenstunden einem Klagenfurter. Daniel Warmuth (38), ORF-Sportreporter, hat mit einem Torschrei eine ganze Nation aufgeweckt und ihr damit auch tief in die Seele geblickt. „Bist du deppat“, schrie der Kärntner völlig außer sich in den Abendhimmel von Kansas, als Sasa Kalajdzic in der 96. Minute den entscheidenden Treffer für das Weiterkommen ins Sechzehntelfinale am Donnerstag (21 Uhr, Servus TV) gegen Spanien erzielte.
„Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Geht dieses Spiel 2:3 verloren, gehen wir alle nach Hause und haben einfach normal unseren Job gemacht. Dass das jetzt so passiert ist, kann man nicht planen.“ Ebenso wenig, wie den ur-österreichischen Ausruf der Extase: „Das kam mir einfach als erstes in den Sinn. Wäre ich auf der Tribüne gewesen, hätte ich das gleiche gebrüllt.“
Warmuth ist seit diesem Tag eine nationale Berühmtheit, einer, der in Zeiten von Social Media „viral gegangen ist“, wie es so schön heißt. Das macht auch das Treffen mit Warmuth in seiner Wiener Heimat deutlich. Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung in der Prater Hauptallee grüßen ihn vorbeigehende Schulklassen. Warmuth grüßt zurück. Verhalten, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. „Klar ist es schön, wenn man positives Feedback bekommt.“
Behütete Kindheit in Klagenfurt, privates Glück in der Bundeshauptstadt
Doch wer ist Daniel Warmuth eigentlich? Mit Sicherheit jemand, der nicht Gefahr läuft, die Bodenhaftung zu verlieren. „Das habe ich von daheim mitbekommen, das würde es in meiner Familie und im Freundeskreis auch nicht spielen“, sagt der Nachkomme zweier langjähriger Spieler und Funktionäre vom gerade in die Regionalliga aufgestiegenen SV Donau Klagenfurt. Papa Günter und Opa Herrmann haben den Klub geprägt, der in Welzenegg aufgewachsene Daniel („Ich hatte eine Kindheit, wie man sie sich nur wünschen kann. Mama, Papa, Bruder, Haus, Garten.“) kickte bis in seine Studienzeit beim ASV, „oft bin ich sogar noch aus Wien für die Spiele hingekommen, war dem Klub immer verbunden.“
Gleichzeitig waren er und Bruder Christoph Fans vom FC Kärnten und verpassten ebenso kaum ein Spiel wie in der Eishalle beim KAC. „Das sind meine Lieblingssportarten, gehören zu meiner Identität“, sagt Warmuth, der 2024 bei der Eishockey-WM in Prag erstmals für Aufsehen sorgte, als er die Aufholjagd Österreichs von 1:6 auf 6:6 hochemotional kommentierte. Beim ORF gab‘s schon Praktika in der Jugend, Vorbilder waren die Eishockey-Magazin-Granden Gustav Rainer, Tono Hönigmann und Willy Haslitzer. „Dass ich ein Talent haben könnte, habe ich bald gemerkt. Ich habe immer gerne in der Schule Referate gehalten, bei Theateraufführungen mitgemacht, immer gerne vor Leuten performt“, so Warmuth, den fast eine Million Zuschauer live nicht nervös machten: „Eher positiv angespannt. Wenn man darüber genau nachdenkt, könnte man eh nicht mehr kommentieren. Mir fällt es schwerer, vor Freunden und der Familie etwas zu sagen, als in so einem Rahmen.“
Jetzt ist Warmuth wieder aus den USA zurück daheim in Wien. Wohin es ihn nach Abschluss des BG Tanzenberg fürs Publizistik-Uni- und Journalismus-FH-Studium zog. Und von wo er nicht mehr gänzlich nach Hause kam, mit Frau Simone und seinen Buben Luis (5) und Felix (3) nahe der grünen Prateroase sein privates Glück gefunden hat, die Jungs auch am Tag nach Ankunft gleich in den Kindergarten brachte. Und beruflich? Da geht der ganz normale WM-Wahnsinn für ihn weiter: „In der Nacht auf Donnerstag kommentiere ich USA gegen Bosnien. Beim Spiel gegen Spanien habe ich frei, werde das genießen.“