Es war ein ganz und gar ungewöhnlicher Morgen in Spielberg. Der Rennsonntag startete mit kaum wahrnehmbarem Anreiseverkehr, dafür mit einem übervollen Gelände. Ab 7 Uhr, als sich die Türen zum Kerngelände öffnen, standen die Fans Schlange. Warum? Das bringt Alexander aus Graz auf den Punkt: „Wir waren bis in die Morgenstunden fort, dann war das WM-Match. Eigentlich wollten wir nochmal schlafen, aber dafür war es zu laut. Also machen wir durch und sind direkt zur Strecke.“ Die meisten Fans dürften zwar nicht durchgefeiert haben, das Österreich-Spiel hat aber viele sehr früh aus den Federn gelockt. Und was liegt dann näher, als die Pole Position am Styrian Green Carpet zu ergattern?

Mit Rennanzug und Helm trotzte dieser Fan der Hitze
Mit Rennanzug und Helm trotzte dieser Fan der Hitze © Richard Purgstaller

Jahr für Jahr lockt der „grüne Teppich“ die Fans in Massen an. Zwei Stunden lang spazieren hier Teamchefs und Fahrer vorbei – wer wann kommt und welche Stars überhaupt erscheinen, weiß freilich niemand. In der ersten Reihe stehen Theresa, Miriam und Mirko im Ferrari-Dress. Fächer in der einen Hand, Sonnenschirm in der anderen, um den Hals ein Mini-Ventilator. „Die Hitze ist wirklich extrem dieses Wochenende. Wir sind seit zehn Jahren Stammgäste in Spielberg, aber heuer ist Rekord.“ Fünf Reihen weiter hinten und damit praktisch ohne Chance, überhaupt jemanden zu sehen, steht eine Gruppe Niederländer. Ihr Sonnenbrand leuchtet knallrot, ihre Dressen sind nicht minder knallig, aber natürlich Max-Verstappen-Orange. „Wir dachten, es reicht, wenn wir kurz vor 9 Uhr da sind. Aber das war wohl ein Irrtum, wir kommen gar nicht mehr nach vorne.“

Fotos vom Styrian Green Carpet

Unbeeindruckt vom Wirbel um den grünen Teppich spaziert eine Gruppe aus Klagenfurt gerade zum Frühschoppen ins Steiermark-Dorf. Seit Mittwoch campen sie in Spielberg, es ist ihre Premiere am Red Bull Ring: „Wir haben definitiv etwas gelernt. Vollgas ab Mittwoch, dafür sind wir zu alt“, lacht Mike. Er und seine Freunde wirken deutlich lädiert. „Die Hitze haben wir unterschätzt. Am ersten Tag haben wir uns gar nicht eingecremt, dann waren wir schon in der Apotheke. Wir leben von Kopfwehtabletten und Red Bull.“

Im raten Schatten sitzt Kristina aus Tschechien am Boden. Ein nasses T-Shirt hat sie um den Kopf gewickelt, mit einem Verstappen-Fächer wedelt sie heiße Luft hin und her. „Ich liebe Spielberg, ich liebe Motorsport. Schwitzen gehört dazu, den Fahrern geht es auch nicht besser.“

Volle Stehplätze schon am Vormittag
Volle Stehplätze schon am Vormittag © Richard Purgstaller

Zuschauer-Rekord geknackt

Dass heuer mehr Zuschauer in Spielberg sind als in den letzten Jahren, zeichnete sich schon seit Donnerstag ab. Kurz nach Rennstart ist es dann offiziell: Der 15. Formel 1-Grand Prix am Red Bull Ring feiert bei ausverkauften Tribünen einen neuen Zuschauerrekord: 320.000 Fans kamen in die Steiermark. Die Formel 1 erfreut sich größter Beliebtheit, die „Orange Army“ bleibt Österreich weitgehend treu. Die Liebe zur Steiermark hat sich inzwischen gefestigt, erzählen viele Holländer im Gespräch. Der Tenor: „Wir würden auch ohne Max wiederkommen, es ist das schönste Rennen weit und breit.“

Die Kulisse könnten auch wirklich malerischer nicht sein. Blauer Himmel, blühende Wiesen, die grünen Berge im Hintergrund. Steiermark-Werbung wie aus dem Bilderbuch. Diese Bilder gehen um die Welt.

Für die Fans ging ein heißes Wochenende ins Finale
Für die Fans ging ein heißes Wochenende ins Finale © Richard Purgstaller

Gut angenommen wurde auch das Angebot rund um das Renngeschehen – die Ausstellungen in der Fanzone, die Programmpunkte mit den Fahrern, das urige (und schattige!) Steiermark-Village, die Konzerte. Vom Schuhplattln bis zur Volksmusik, von der Musikkapelle bis zum Harmonikaspieler: Besonders die Niederländer lieben das Brauchtum.

Sascha Huber im Paddock
Sascha Huber im Paddock © Richard Purgstaller

Die Temperaturen klettern auf 36 Grad. Im Paddock posiert Sascha Huber für Selfies. Der Salzburger ist der erfolgreichste Fitness-Youtuber im deutschsprachigen Raum, seine Videos haben Millionen Aufrufe. Sein Besuch am Red Bull Ring ist kein Zufall: In Zusammenarbeit mit Red Bull hat er die „Secret Workout Tour“ gestartet. Vier außergewöhnliche (und streng geheime) Trainingsorte in Salzburg, Tirol, Kärnten und Oberösterreich, begrenzte Plätze für Fans und gemeinsame Workouts, die Frist für Bewerbungen läuft noch: „Was ich schon verraten kann: Es geht 800 Meter tief unter die Erde, auf 3000 Meter hinauf, ein Ort ist 800 Jahre alt und einmal geht’s um Süßwasser.“

Alles Orte, an denen es garantiert kühler ist als in Spielberg. Als sich George Russell nach einem spannenden Rennen zum Sieger kürt, kennen die Fans trotzdem kein Halten mehr. Was für ein Wochenende!