Es ist ein unscheinbarer Raum in der Militärkaserne Zeltweg. Große Pinnwände, viele Karten, an der Wand Live-Bilder von Dutzenden Kameras. Sie zeigen die Fan-Zonen, den Stehplatzbereich, die Rennstrecke oder Aufnahmen der Drohnen aus der Luft. Rund 20 Leute arbeiten hier – es ist das Entscheidungs- und Kontrollzentrum für die Großveranstaltung Formel 1.
Beim behördlichen Führungsstab, so der offizielle Name, laufen alle Fäden zusammen. Die Aufgaben als komplex zu bezeichnen, ist noch untertrieben. Das ganze Jahr über ist die Bezirkshauptmannschaft Murtal mit der Formel 1 beschäftigt: „Nach der Formel 1 beginnen direkt die Vorbereitungen für das nächste Jahr“, erklärt Bezirkshauptfrau Nina Pölzl, die den Führungsstab leitet. Allein die Bewilligung der umfangreichen Veranstaltung dauert von Dezember bis Juni.
Die Theorie ist trocken, die Praxis enorm spannend. Zuständig ist die BH als Sicherheits-, Veranstaltungs-, Katastrophenschutz-, Gewerbe- und Straßenpolizeibehörde. Zusätzlich noch als Behörde gemäß Jugendschutzgesetz, Feuerpolizeigesetz und Arbeitnehmerschutzgesetz. Es sind Hunderte Aufgaben, die sich daraus ableiten lassen.
Einsatzleitung bei „Großschadenslage“
„Wir arbeiten in enger Abstimmung mit Veranstalter, also dem Projekt Spielberg, mit Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz“, erklärt Nina Pölzl. Sie und ihr Team müssen rund um die Uhr über alles Bescheid wissen, das am Ring-Gelände passiert. „Droht oder passiert ein Ereignis, das eine koordinierte Zusammenarbeit aller Kräfte erfordert, übernehmen wir die komplette Einsatzleitung.“ Das heißt: Ein kleiner Böschungsbrand bleibt in der Zuständigkeit der Feuerwehr, die erwartbaren Hitze-Probleme beim Roten Kreuz. Tritt aber eine „Großschadenslage“ ein, wird der Einsatz im Stab koordiniert. Mit dem Bundesheer ist man ebenso in Abstimmung wie mit einem Meteorologen und Fachberatern aus unterschiedlichsten Bereichen.
Ein besonders sensibles Thema ist die Sicherheit. Für jedes nur denkbare Szenario liegen minutiös geplante Einsatzkonzepte vor. Das beginnt bei Naturgefahren wie Unwetter, Hagel oder Waldbrand und geht weiter über mögliche Terroranschläge, eine Massenpanik, Amoklagen, Drohnenangriffe oder Geiselnahmen. Auch ein möglicher Industrieunfall in der Nähe, der die Luft verunreinigt, oder ein Helikopter-Absturz sind theoretisch möglich. „Es gibt nicht nur Pläne, wir üben das mit allen Kräften auch regelmäßig. Im Ernstfall weiß jeder sofort, was zu tun ist“, verdeutlicht die Bezirkshauptfrau.
Evakuierung und Blackout
Ein wesentlicher Teil der Konzepte ist die Evakuierung des Geländes, also die Lenkung der Besucher. Kommt es zu einem Blackout, also zu einem kompletten Stromausfall, können die Lautsprecher und die Video-Wände am Red Bull Ring trotzdem bespielt werden, um wichtige Mitteilungen an die Fans zu richten. Tausende Info-Zettel mit dem Kontakt zum Kriseninterventionsteam sind vorbereitet, ein Call-Center für Angehörige steht auf Abruf zur Verfügung. Müssen mehrere Opfer betreut werden, wird die Musikschule Zeltweg als Anlaufstelle herangezogen.
„Normal verlaufen die Veranstaltungen aber sehr ruhig“, betont Nina Pölzl. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, auf alles mögliche vorbereitet zu sein – im Sinne der Sicherheit der Besucher. „Es ist auch Absicht, dass wir hier in der Kaserne untergebracht sind, Tür an Tür mit der Einsatzzentrale der Polizei. Ab vom Schuss, aber gut vernetzt.“ Nach vielen Jahren Formel 1-Erfahrung sitzt jeder Handgriff. Nina Pölzl ist stolz auf ihr Team rund um Madeleine Maier (Leiterin der Stabsarbeit) und Sicherheitsreferat-Chefin Jasmine Grasser: „Wir sind ein recht kleines Team, aber bestens eingespielt. Wir haben alles im Griff.“