Wer sich für die Arbeit dieser Tage in klimatisierten Räumen aufhalten darf, hat bei Außentemperaturen zwischen 32 und 35 Grad in der Steiermark den Jackpot geknackt. Weniger Glück haben zahlreiche Kinder und Jugendliche, die wenige Wochen vor Ferienbeginn schwitzen müssen – jedoch nicht aufgrund anstehender Prüfungen. Fehlende Lüftungen oder gar Klimageräte verwandeln Klassenzimmer in Saunen, in denen Lernen zur Herausforderung wird. Je jünger die Kinder sind, umso gefährlicher ist Hitze, erklärte kürzlich Allgemeinmedizinerin Gudrun Zweiker.

„Die Klassen sind nicht für solche Temperaturen ausgerichtet“, sagt Michael Gruber, Vorsitzender der Gewerkschaft für Pflichtschullehrpersonen. „Wir alle wissen, dass die Konzentration und die Leistungsfähigkeit bei großer Hitze sinken – das betrifft sowohl die Kinder als auch das Lehrpersonal.“ Das bestätigte auch Grubers Stellvertreter Florian Gollowitsch in einem Gespräch mit der Kleinen Zeitung Anfang Juni. „Der Hitzestau in den Klassenzimmern wird immer schlimmer. Teilweise hat es in den Räumen 30 Grad und mehr.“ Kein neues Problem, doch der Klimawandel und die zeitliche Verschiebung der Hitzewellen verschärfen die Situation.

Hitze: Schulen in der Stadt benachteiligt

In steirischen Schulen wird unterdessen versucht, den Unterricht trotz Hitze so angenehm wie möglich zu gestalten. Nicht überall finden sich die gleichen Bedingungen vor, weiß Gruber. „Der urbane Raum ist gegenüber Schulen am Land in diesem Fall benachteiligt“, sagt er. Während am Land der Unterricht inzwischen oftmals in den nahen Wald oder an schattige Plätze im Freien verlegt wird, sind vor Hitze geschützte Flächen in Städten oft rar. „Outdoor-Klassen haben sich durchaus schon etabliert“, informiert Gruber. Denn solange der Lehrplan eingehalten wird, dürfe der Unterrichtsort verändert werden, wenn die Bedingungen es verlangen.

Schulgebäude unterscheiden sich stark in ihren baulichen und architektonischen Rahmenbedingungen, weiß auch die Bildungsdirektion. „Die aktuell hohen Temperaturen können für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Lehrpersonen eine erhebliche Belastung darstellen. Die Bildungsdirektion empfiehlt daher nachdrücklich, dass Schulen mit pädagogischer Verantwortung und organisatorischer Flexibilität handeln.“ Der gesundheitliche Zustand der Kinder müsse im Vordergrund stehen, so die Bildungsdirektion.

Bild zeigt Michael Gruber
Michael Gruber © GÖD

Prüfungen: Gesundheitlich vertretbare Rahmenbedingungen sind Muss

Mit regelmäßigen Trinkpausen und dem Vermeiden körperlicher Anstrengung in der Hitze wird an Schulen zusätzlich an heißen Tagen versucht, die Belastung für den Körper zu verringern. „Nach Möglichkeit nutzen Lehrerinnen und Lehrer den Turnunterricht auch, um Schwimmen zu gehen“, berichtet Gruber aus der Praxis.

Ob das Abhalten von Prüfungen bei Temperaturen über 30 Grad möglich ist, müsse laut Bildungsdirektion individuell vom Lehrpersonal und der Leitung an den Schulen entschieden werden. „Prüfungen müssen aber unter fairen und gesundheitlich vertretbaren Rahmenbedingungen stattfinden“, betont die Bildungsdirektion. Dafür müssen bei Bedarf Alternativen wie kurze Pausen oder ein früher Prüfungszeitraum am Vormittag gefunden werden.

Kritik an Schulerhaltern

Langfristig wünscht sich Gruber mehr Handeln seitens der Politik, um die Rahmenbedingungen an Schulen in Zeiten des Klimawandels zu verbessern. „Damit sich die Situation in den kommenden Jahren verbessern kann, müssen die Schulerhalter Geld in die Hand nehmen. Viele Schulgebäude in der Steiermark sind in die Jahre gekommen und müssten adaptiert werden.“ Da in den meisten Fällen die öffentliche Hand, also Gemeinden und Magistrat als Schulerhalter fungieren, werde Schulaus- und -umbau allerdings oft stiefmütterlich behandelt, kritisiert er. „Die finanziellen Mittel fehlen. Da wird dann eher in Straßenbau investiert als ins Wohl der Kinder.“ Gollowitsch geht mit der Kritik d‘accord: „Es ist eine Zumutung, dass uns keine Kühlgeräte zur Verfügung gestellt werden.“