55 Jahre alt wird das Familienunternehmen Hartlauer im kommenden Herbst. Der Name steht für Fotoequipment, Smartphones, Brillen und Hörakustik. „Wir ändern gerade unsere Strategie“, sagt Robert Hartlauer, Inhaber, Geschäftsführer und Sohn des legendären Gründers. „Wir fokussieren uns auf den Bereich Gesundheit.“

Dafür investierte Hartlauer in Graz-Straßgang 2,5 Millionen Euro in eine neue Hörgerätefertigung. „Es ist die modernste Europas“, schwärmt der Firmenchef. Das Haus in der Ankerstraße 6 gehörte einst dem Energieunternehmen Steweag-Steg, danach wurde es vom Messtechnikspezialisten Anton Paar für Forschungszwecke genutzt.

Know-how in Graz

Die Hörgerätefertigung von Hartlauer in Graz – der Sitz des Unternehmens befindet sich in Steyr (OÖ) – hat Tradition. Am bisherigen Standort in der Annenstraße drängte man sich auf 500 Quadratmetern, in Straßgang finden die rund 50 Beschäftigten nun 1500 Quadratmeter vor. Wegen des Know-how habe man sich bewusst für Graz entschieden. „Wir investieren in Präzision, Qualität und vor allem in die Menschen, die hier arbeiten“, betonte der Unternehmer bei der offiziellen Eröffnung am Dienstag.

„Die Hörakustik ist ein stark wachsender Bereich“, erläutert Hartlauer. Das liege zum einen an der demografischen Entwicklung und der alternden Gesellschaft, zum anderen daran, dass bei Hörgeräten große technologische Fortschritte erzielt wurden. Schließlich, so Hartlauer: „Ein Hörgerät zu tragen wird immer weniger stigmatisiert. Wir sprechen lieber von Hörsystemen. Die jüngste Generation ist ein kleines Wunderwerk im Ohr.“

Am neuen Standort werden in diesem Jahr mittels 3D-Druck rund 80.000 maßgefertigte Otoplastiken hergestellt – aus den individuell angepassten Ohrpasstücken entstehen Lärmprotektoren (Gehörschutz) oder Hörgeräte. Bis zu 35.000 Stück werde man heuer für den Heimmarkt produzieren, schätzt Hartlauer und verortet damit sein Unternehmen „als Nummer eins oder zwei in Österreich“. Das Labor in der Ankerstraße ist mit einer Kapazität von 170.000 Einheiten pro Jahr für die steigende Nachfrage gerüstet, „wir sind in der Lage, auch für andere Hörakustik-Unternehmen Hörsysteme zu fertigen“.

Rückzug aus dem Fotosegment

In der Augenoptik und in der Hörakustik sieht Hartlauer die Zukunft des Unternehmens. Aus dem Bereich Foto hingegen, der den Namen des Gründers groß gemacht hat, „werden wir uns langfristig zurückziehen. Die große Masse fotografiert mit dem Smartphone und nur noch Liebhaber kaufen sich eine Fotoausrüstung. Das funktioniert nicht für ein breit aufgestelltes Unternehmen mit 160 Standorten“, erklärt Robert Hartlauer.

„Wir werden deshalb aber nicht weniger Arbeitsplätze haben, im Gegenteil wird durch unseren Fokus auf Gesundheitsthemen der Bedarf an Hörakustikern und Augenoptikern eher noch steigen.“ In der firmeneigenen Akademie werden sie ausgebildet bzw. Beschäftigte umgeschult.

Seit Kurzem bietet Hartlauer in 60 Filialen auch DNA-Tests an. Anhand der Ergebnisse können individuelle Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel abgeleitet werden. Hartlauer arbeitet hier mit dem österreichischen Unternehmen Novogenia zusammen.