Fußball ist ein Ergebnissport, folglich ist das Resultat vordergründig auch die wichtigste Bewertungsgrundlage eines Matches. Aber Nicolas Seiwald war vermutlich nicht der einzige Österreicher, der nach dem 0:2 gegen Argentinien im zweiten Spiel der Gruppe J das Gefühl hatte, dass es rein von der Leistung besser als der 3:1-Sieg beim WM-Auftakt gegen Jordanien war. Insgesamt „schärfer und griffiger“ sei das ÖFB-Team im Schlager gegen den Titelverteidiger gewesen, besser in die Zweikämpfe gekommen. Aber Haltungsnoten werden im Fußball nun mal nicht vergeben, weshalb die Qualifikation für die K.o.-Runde vorerst nicht fixiert werden konnte.

Fehlende offensive Durchschlagskraft

Was sich die ÖFB-Kicker selbst vorwerfen konnten und auch taten, war, dass sie aus den durchaus vorhandenen, offensiven Momenten zu wenig herausholten. Gerade als Außenseiter gilt, mit noch mehr Konsequenz und Effizienz zu agieren. „In der einen oder anderen Situation hätten wir noch mehr in Richtung Abschluss gehen können“, verdeutlichte Michael Gregoritsch, der diesmal im Angriff den Zuschlag bekommen hat, aber im ÖFB-Spiel „die deutlichen Abschlüsse“ vermisste. Letztlich mangelte es in so mancher Szene an der notwendigen Präzision. „Am Ende fehlt dann vielleicht ein bisschen der letzte Pass, die letzte Idee“, monierte Konrad Laimer.

Lionel Messi gelang ein Doppelpack
Lionel Messi gelang ein Doppelpack © IMAGO

Der Faktor Lionel Messi:

Wie sehr Lionel Messi den Unterschied ausmachen kann, ist seit zwei Jahrzehnten bekannt und kein revolutionärer Gedanke. Am Mittwoch feiert der Superstar seinen 39. Geburtstag und hat sich nach drei Toren gegen Algerien nun auch mit einem Doppelpack gegen Österreich selbst beschenkt, auch wenn im Dallas Stadium aus seiner Sicht bestimmt nicht alles klappte, vor allem der vergebene Elfmeter. „Aber Stars wie Messi brauchen halt nicht viel, er macht die zwei Tore und das ist der Unterschied“, analysiert Seiwald. David Alaba konnte nur den Hut ziehen: „Die Zahlen sprechen für sich. In zwei Spielen bei einer Weltmeisterschaft fünf Tore schießen, ist sicherlich was Spezielles.“ Den ÖFB-Kickern blieb ohnehin nichts anderes übrig, als die Klasse Messis neidlos anzuerkennen. „Wir sollten froh sein, in derselben Dekade wie er spielen zu dürfen“, meinte Patrick Wimmer.

Vor dem 1:0 wurde Xaver Schlager gefoult
Vor dem 1:0 wurde Xaver Schlager gefoult © GEPA

Das Foul an Xaver Schlager:

Wie riesig der Respekt ist, muss man in diesem speziellen Fall noch weniger erwähnen als sonst. Deswegen geht es auch keineswegs darum, die Leistung des „Man of the Match“ zu schmälern, wenn das rot-weiß-rote Lager damit hadert, dass das 1:0 anerkannt wurde oder nicht zumindest einmal per Video überprüft wurde. Doch dieser Hinweis des VAR blieb aus, sehr zum Ärger von Teamchef Ralf Rangnick: „Ich hätte mir gewünscht, dass sie den Schiedsrichter gebeten hätten, sich die Szene noch mal anzuschauen. Wenn er das getan hätte, hätte er gesehen, was jeder von uns auf der Bank gesehen hat: ein klares Foulspiel an Schlager.“ Alexis Mac Allister war der Übeltäter, der leicht zu überführen gewesen wäre. Es sind wohl Szenen wie diese, die gemeint sind, wenn es um Details geht, die auf diesem Niveau den Unterschied machen. Laimer fand: „Wenn du so ein Spiel gewinnen willst, dann muss vielleicht auch mal die eine oder andere Schiedsrichterentscheidung in deine Richtung laufen.“

Bewusst lästig

Das Spiel hat einen verdienten Sieger gefunden, doch Argentinien hatte härter um diese drei Punkte zu kämpfen, als dem Titelverteidiger vermutlich lieb war. „Unser Ziel war, einfach nervig zu sein, in die Zweikämpfe reinzukommen und ihnen so ein bisschen den Stecker zu ziehen“, meinte Seiwald. Teilweise sei das auch gelungen: „In manchen Phasen wusste Argentinien nicht, was sie machen sollen. Sie haben auf einmal Bälle ins Out gespielt.“ Auch Gregoritsch fand, dass dieses Kalkül eigentlich recht gut aufging: „Wenn du gegen große Mannschaften spielst, musst du in jedem Moment versuchen, sie zu nerven. Ich glaube, das ist uns gut gelungen.“

Alles selbst in der Hand

Die Entscheidung über das Weiterkommen fällt nun im abschließenden Gruppenspiel gegen Algerien. Die erwartete Ausgangsposition hätte sich durch das Ergebnis im Parallelspiel gegen Jordanien beinahe verändert, aber die Nordafrikaner setzten sich nach 0:1-Rückstand doch noch 2:1 durch. Nach dem eigenen Sieg gegen Jordanien reicht ein Punkt, um unter den ersten drei zu landen und ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Alexander Schlager: „Wir haben es selbst in der Hand, können am letzten Spieltag alles selber richten. Wir wissen, dass es in uns drinnensteckt. Wenn wir die Leistung von heute als Parameter nehmen, werden wir gegen Algerien punkten und dann sind wir weiter.“