„Tut mir leid, aber wir sind ausgelastet. Der Herr Doktor arbeitet schon rund um die Uhr und nimmt keine neuen Patienten mehr auf.“ Sätze wie diese hören Kärntner Patienten vermehrt, wenn sie mit Ordinationsassistenten oder -assistentinnen einen Termin vereinbaren wollen.

Die Vorsorgeplattform krankenversichern.at hat kürzlich eine österreichweite Studie veröffentlicht. Dabei wurden 1112 Ordinationen abgefragt und das Ergebnis für Kärnten lautet: 33,8 Prozent der Kassenärzte haben bereits einen Aufnahmestopp erlassen. Damit ist Kärnten im Bundesländervergleich im Mittel: Im Burgenland liegt die Quote bei 52 Prozent, in Wien bei 25,6 Prozent.

Klaus Mitterdorfer
Klaus Mitterdorfer © Thomas Hude

Für Patienten, die sowieso schon überall mit langen Wartezeiten zu kämpfen haben, ist eine Ablehnung natürlich ein Schlag ins Gesicht. Darf das ein Arzt überhaupt? „Ein Kassenarzt hat grundsätzlich eine Versorgungspflicht im Rahmen seines Vertrages, aber keine uneingeschränkte Pflicht, jeden neuen Patienten aufzunehmen“, sagt Klaus Mitterdorfer, Direktor der Kärntner Ärztekammer. „Wichtig ist, dass in medizinischen Notfällen die Versorgung in allen Fachdisziplinen gewährleistet ist. Patientinnen und Patienten erhalten die notwendige ärztliche Hilfe – niemand bleibt in einer akuten gesundheitlichen Situation unversorgt.“

Das Phänomen hat viele Ursachen

Laut Monika Hasenbichler, stellvertretende ÄK-Direktorin, sind die Probleme Folge struktureller Herausforderungen: „Steigende Nachfrage bei begrenzten Ressourcen, Mangel an Kassenplanstellen oder verzögerte Nachbesetzungen, Verlagerung von Leistungen aus dem Spitalsbereich und bürokratische Belastungen reduzieren die Behandlungszeit.“

Wilhelm Kerber
Wilhelm Kerber © Markus Traussnig

„Die Patientenzahlen und die Konsultationszahlen steigen, die Behandlungen werden aufwändiger, die Überlastung der Ärzte steigt und gleichzeitig sind die Kassenstellen begrenzt“, spricht Wilhelm Kerber, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, aus der Praxis. Er könne Betroffenen nur raten, andere Ärzte aufzusuchen oder sich an die Gesundheitshotline 1450 zu wenden.

Aufnahmesperren gibt es in allen Fachrichtungen, bei der ÄK Kärnten verzeichnet man in den letzten Monaten viele Patientenanfragen im Bereich Dermatologie und in der Augenheilkunde.

84 Patienten am Tag

In diesem Bereich beißt sich die Katze in den Schwanz, weil sowohl die Augenambulanz im Klinikum Klagenfurt, als auch die Fachärzte im niedergelassenen Bereich am Limit sind. Yosuf El-Shabrawi kennt beide Seiten: Er ist Primar im Klinikum und Fachgruppenobmann für Augenheilkunde und Optometrie.

„Die Kollegen in den Arztpraxen arbeiten am Anschlag. Jene Patientengruppe, die Fachärzte braucht, wird immer größer. Die Behandlungsmöglichkeiten werden besser und Patienten müssen oft vier, fünf Mal im Quartal zum Augenarzt“, sagt El-Shabrawi. „Ein Kollege hatte zuletzt 84 Patienten am Tag in der Ordination und die benötigen auch eine gewisse Behandlungsqualität. Außerdem gibt es Limitierungen der Kasse, die Ärzte arbeiten aber sowieso schon über diese Deckel. Wir brauchen mehr Kassenstellen und andere Deckel – die Kasse berücksichtigt die demografische Entwicklung nicht.“

Yosuf El-Shabrawi
Yosuf El-Shabrawi © Markus Traussnig

Werden Patienten bei den Kassenärzten abgelehnt, strömen sie ins Klinikum. Dort zählt man 60.000 ambulante Frequenzen pro Jahr – zuletzt mit jährlichen Steierungen von acht bis zehn Prozent. Die Konsequenz für El-Shabrawi: „Akute Notfälle werden bei uns selbstverständlich behandelt. Aber die restlichen Patienten können nicht mehr ungefiltert in die Ambulanz kommen. Wir benötigen künftig eine Zuweisung vom Facharzt.“

Drei Fragen an die Gesundheitskasse