Es war weit mehr als nur ein Tor bei der Fußball-WM: Als Schottlands Matchwinner John McGinn nach seinem Treffer zum 1:0-Sieg gegen Haiti jubelnd vor die Tribüne lief, galt sein erster Gedanke seinem Neffen Jack. Mit den Händen formte McGinn eine Brille vor seinem Gesicht – eine einfache, aber bewegende Geste. „Es bedeutet mir die Welt“, sagte der Aston-Villa-Profi über das Zeichen für seinen jungen Verwandten, der von der Tribüne aus zusah.
„Ich bin mir sicher, wenn er wieder in die Schule geht, werden all seine Mitschüler darüber reden“, sagte McGinn. Der Neffe des 31-Jährigen leidet an einer Sehschwäche und ist beim Fußballspielen auf eine Brille angewiesen. Gerade für Kinder könne das eine große Herausforderung sein, erklärte McGinn. „Wenn du jünger bist, ist das oft schwierig, weil du dich sozial ausgeschlossen fühlst. Deshalb will ich ihn so ein wenig unterstützen und ihm Kraft schicken“, hatte der Mittelfeldspieler seinen Torjubel einst erklärt.
Ein Engländer, der US-Amerikaner wurde
Zwei Treffer steuerte Folarin Balogun zum 4:1-Auftaktsieg der USA gegen Paraguay bei. Die Vereinigten Staaten jubeln bei der Fußball-WM mit einem der ihren, obwohl er eigentlich nur durch Zufall US-Bürger wurde. Was war passiert? Baloguns – sie stammen aus Nigeria – lebten vor seiner Geburt in England. Seine Mutter war zu ihm im siebenten Monat schwanger, als sie eine Verwandte in New York besuchte. Als sie zurückfliegen wollte, verweigerte die Airline der Hochschwangeren den Einstieg in das Flugzeug – aus Sorge um eine Entbindung in der Luft. Sie musste in New York bleiben – und brachte dort Folarin zur Welt, womit er automatisch US-Bürger wurde.
Rund ein halbes Jahr später kehrte die Familie nach England zurück. Balogun spielte in der Arsenal-Jugend und in den Nachwuchsnationalteams von England. Dann entschied sich der Dreifach-Staatsbürger gegen England und gegen Nigeria – und für die USA. Hier ist der 24-jährige Stürmer des AS Monaco nun Stammspieler, hat in bisher 28 Spielen elf Tore erzielt.
Flüchtlingskind lässt Australien jubeln
„Es ist ein Traum wahrgeworden, es fühlt sich unglaublich an“, sagte Nestory Irankunda nach dem 2:0 Australiens gegen die Türkei. Der 20-Jährige traf zum 1:0, ist damit jüngster australischer WM-Torschütze aller Zeiten. Und einer mit einer großen Geschichte. Irankundas Eltern flohen vor dem Bürgerkrieg aus ihrer Heimat Burundi ins Nachbarland Tansania, wo Nestory in einem Flüchtlingslager zur Welt kam. Wenig später wanderte die Familie nach Australien aus. Im Alter von 15 Jahren debütierte er in der australischen Liga, ist jetzt Stammspieler im A-Team, das gegen die Türkei „extrem hart gearbeitet hat“ und nach Schlusspfiff noch einen Grund hatte, ausgiebig zu jubeln. Laut dem Watford-Stürmer seien die Australier im Vorfeld von türkischer Seite herabgewürdigt worden. „Es war eine Extra-Motivation, weil wir es nicht gerne haben, wenn Leute schlecht über uns sprechen.“