Mit „Artemis 3“ will die nationale US-Raumfahrtagentur NASA 2027 künftige Mondlandungen vorbereiten – und die mit Spannung erwartete Mission soll einer ausschließlich männlichen Besatzung vorbehalten sein: Eine Frau, wie es mit der hochqualifizierten und erfahrenen Astronautin Christina Koch im Rahmen von „Artemis 2“ der Fall war, ist nicht geplant.
„Enttäuschung bis hin zu Empörung“
Dass das für Verwunderung und Verärgerung sorgt, sollte NASA-Chef Jared Isaacman nicht wundern: „Ich habe Reaktionen von Enttäuschung bis hin zu Empörung gesehen“, ließ er auf der Plattform X wissen. Er erwarte aber, dass die Öffentlichkeit den Auswahlprozess akzeptiere und die nominierten Raumfahrer bejubele, betonte Isaacman. Die Auswahl basiere auf zahlreichen Kriterien und letztlich werde jene Crew ausgewählt, „die der Mission die beste Chance gibt, ihre Ziele zu erreichen“, schrieb er weiter, ohne dabei spezifischer zu werden.
Isaacman, einst Schulabbrecher und Betreiber einer kleinen Firma für Computer-Reparaturen, ist heute Milliardär: Der 43-Jährige machte ein Vermögen mit einem Unternehmen für Zahlungsabwicklung, zudem war er Mitbegründer einer privaten Flotte, die Kampfflugzeuge für militärische Trainingszwecke betreibt.
2024 und 2025 wurde er von Donald Trump als neuer NASA-Administrator nominiert, Ende des vergangenen Jahres trat er den Posten an. Er und Elon Musk gelten als Vertraute – ohne dessen Raumfahrunternehmen SpaceX würde die NASA kaum noch abheben. Isaacmans wichtigste Agenda ist es, das „Artemis“-Programm voranzutreiben und auf die Oberfläche des Mondes und des Mars zu bringen. Selbst Pilot, war Isaacman 2021 Teil der ersten bemannten Raumfahrtmission, an der ausschließlich Privatpersonen teilnahmen.
Von 600 waren 560 Männer
Von den 600 Personen, die bislang in das All flogen, waren gut 560 Männer und der Rest Frauen. Zumindest für die frühe Ära der Raumfahrt lässt sich der eklatante Überhang dadurch erklären, dass für die damaligen Missionen fast ausschließlich männliche Militärtestpiloten rekrutiert wurden. Bei der NASA und der europäischen ESA liegt der Fokus bei der Ausbildung von Raumfahrtnachwuchs heute immerhin oft bei Quoten von rund 30 bis 50 Prozent Frauen.
2027 werden übrigens die drei US-Amerikaner Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik und mit Luca Parmitano aus Italien zumindest ein Europäer mitfliegen: Sie sollen vom Kennedy Space Center in Florida starten und in eine Erdumlaufbahn kommen, um dort die Koppelung ihres Orion-Raumschiffs mit einer Mondlandefähre zu testen. Falls es vor dem bislang noch nicht genau datierten Start einen unerwarteten Ausfall in der „Artemis 3“-Crew geben sollte, steht ein Ersatz-Crewmitglied parat: ebenfalls ein Mann.