Eine Flasche Schilcher, eine unterzeichnete Urkunde und eine aktuelle Ausgabe des Stadtmagazins Deutschlandsberg: Was beim Spatenstich in eine Zeitkapsel gelegt und direkt an der Baustelle vergraben wurde, war der symbolische Startschuss für eines der großen Energieprojekte der Stadt.
In der Liechtensteinstraße entsteht ein neues Biomasseheizwerk, zugleich wird die seit 1993 bestehende Anlage modernisiert und erweitert. Die bisherige Kapazität wird damit mehr als verdoppelt. Die Energie Steiermark investiert 18 Millionen Euro in das Projekt.
Wärme für 600 Haushalte
Zwei Biomassekessel mit insgesamt vier Megawatt Leistung, Rauchgaskondensation und ein 200.000-Liter-Pufferspeicher sollen künftig für mehr Versorgungssicherheit sorgen, schilderten die Energie-Steiermark-Vorstände Martin Graf und Werner Ressi anlässlich des Spatenstichs. Gemeinsam mit der Bestandsanlage komme das System damit auf rund sieben Megawatt. Der Anteil erneuerbarer Energie solle damit von rund 60 auf über 90 Prozent steigen. Jährlich könnten so etwa 2500 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Rund 610 Haushalte in etwa 400 Gebäuden sollen vom neuen Biomasse-Heizwerk profitieren. Vor allem der Nordosten Deutschlandsbergs wird neu erschlossen – darunter bisher mit Erdgas versorgte Industrie- und Gewerbebetriebe sowie Wohngebiete.
Bauen im laufenden System
Für den Betrieb werden jährlich rund 35.000 Schüttraummeter regionales Hackgut benötigt. Ein Großteil stammt von der nahegelegenen Holzindustrie Liechtenstein, der Rest von Lieferanten aus der Region.
Projektleiter Heinz Essert spricht von einer anspruchsvollen Baustelle. Beim bestehenden Heizwerk müsse der Betrieb weiterlaufen, größere Umbauten seien daher vor allem in Sommerpausen möglich. „Aber das ist alles gut machbar“, meint er.
Bekenntnis zur grünen Energie
Deutschlandsberg habe schon seit vielen Jahren ein klares Bekenntnis zu erneuerbarer Energie abgegeben, betonte Bürgermeister Josef Wallner. Dazu zählten Windkraft, Biomasse, grüner Wasserstoff und eine der ersten Wärme-Kupplungen beim LKH Südweststeiermark. Die neue Fernwärme sei nun der nächste Baustein auf diesem Weg.
Das neue Biomasse-Heizwerk soll im Herbst 2027 in Betrieb gehen, das Gesamtprojekt soll 2028 abgeschlossen sein. Der Blick geht aber schon weiter: Nach dem Spatenstich stand ein Lokalaugenschein auf der Freiländeralm an – dort soll der Ausbau der Windkraft vorangetrieben werden.