Regenbogenwichtel, Wasserwichtel, Waldwichtel und Entdeckerwichtel – diese vier Gruppen gibt es im Kindergarten Kraig in Frauenstein. Naturnah herumtoben können die 80 Wichtel aber seit Anfang Mai nicht mehr, denn im Freien wurde anstatt des Naturrasens eine rund 200 Quadratmeter große Kunstrasenfläche verlegt – weil die Kinder immer schmutzig zurück in den Kindergarten kamen, lautet die Begründung der Gemeinde.

„Ganz abgesehen von gesundheitlichen Schäden durch Farbe und den diversen Ausdünstungen, sollte man eigentlich gerade Kindern vermitteln, welches wertvolle Gut die Natur ist“, sagt Gerda Schulze Zumloh, der die Umbauarbeit auffiel und die nun das Kindeswohl gefährdet sieht. Sie meldete den Sachverhalt der Kleinen Zeitung und der Kinder- und Jugendanwaltschaft. Schulze Zumloh: „Kinder zu zwingen, den größeren Teil ihres wachen Tages in einer Plastikumgebung zu verbringen, ihnen nur ja nicht irgendein Gräschen, Blümchen oder ein Insekt zu zeigen, finde ich empörend.“

Harald Jannach
Harald Jannach © Wolfgang Jannach

Warum wurde die Maßnahme überhaupt getroffen? „Die Kinder haben sich im Freien immer auf dem selben Fleck aufgehalten und daher hat teilweise die blanke Erde herausgeschaut“, sagt Frauensteins Bürgermeister Harald Jannach (Liste Jannach). „Die Kinder wurden dann stets schmutzig und haben den Schmutz und Staub in den Kindergarten getragen. Daher haben wir in Absprache mit den Pädagoginnen den Kunstrasen angeschafft.“ 20.000 Euro hat das Projekt verschlungen. Die Gemeinde hat sogar beim Land eine Förderung beantragt. Dieses Ansinnen wurde abgelehnt.

Rasen lockt Bienen an

Der neue Kunstrasen hat aber einen überraschenden, negativen Nebeneffekt: Offenbar lockt der süßliche Geruch Bienen an. Als die Kindergartenkinder letzte Woche barfüßig am künstlichen Untergrund herumliefen, wurden acht von ihnen von Bienen gestochen. „Jetzt müssen sie die Schuhe anlassen“, lautet der Zugang des Bürgermeisters zur Problematik.

Astrid Liebhauser
Astrid Liebhauser © Helmuth Weichselbraun

Inzwischen beschäftigt sich schon die Kinder- und Jugendanwaltschaft des Landes mit der Causa. „Grundsätzlich halte ich diese Maßnahme für bedenklich. Wir werden uns genau anschauen, ob das Kindeswohl vorrangig berücksichtigt wurde“, sagt Kinderanwältin Astrid Liebhauser.

Plastikrasen wird schnell heiß

Die Kleine Zeitung hat Kinderärzte und Arbeitsmediziner gefragt, was sie vom Kunstrasen im Kindergarten halten. Zitieren lassen wollte sich keiner, weil „sie die genauen Gegebenheiten nicht kennen“, hieß es. Der Tenor lautete aber: „Da Kunststoffflächen in der prallen Sonne stark aufheizen und bei der Herstellung chemische Zusätze verwendet werden, gibt es oft Bedenken bezüglich der Sicherheit. Auf nicht fachgerecht gereinigtem Kunstrasen können sich außerdem Bakterien, Pilze und Tierkot ansammeln, da die biologische Selbstreinigung des Bodens fehlt.“

Christiane Loinig-Velik
Christiane Loinig-Velik © Kk/Benny Bürger

Sportmedizinerin Christiane Loinig-Velik, ärztliche Leiterin vom Olympiazentrum Kärnten, bringt ein weiteres Argument ein: „Es zeigt sich, dass bei Fußballern deutlich mehr Sprunggelenks- und Kniebeschwerden aufgetreten, wenn sie auf Kunstrasen statt auf natürlichem Rasen trainieren. Das haben auch die Kicker der Austria Klagenfurt berichtet.“