Am Donnerstag endet also die erste „echte“ Amtszeit von Johan Eliasch als Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS. Und während der britisch-schwedische Milliardär der Welt gerne verkauft, wie er den Skisport weltweit zum Florieren bringt bzw. gebracht hat, brodelt es im Hintergrund. Oder besser: In Teilen explodiert die FIS bereits – und das in den Tagen vor dem FIS-Kongress in Belgrad, bei dem am Donnerstag auch die Wahl des Präsidenten auf dem Programm steht. Eine Wahl, die noch mehr eine Richtungsentscheidung sein könnte, als es jene schon war, in der sich Eliasch erstmals durchgesetzt hatte; das war 2021. Ein Jahr später wurde er ohne Gegner, aber nicht ohne Diskussionen, für vier weitere Jahre im Amt bestätigt.

Seither hat sich viel getan. Unter Eliasch ging die FIS mit den größten ihrer Mitgliedsverbände auf Konfrontationskurs, Eliasch pochte auf die Zentralvermarktung aller Weltcup-Rennen inklusive der „Blue Chips“, der Rennen in Wengen und Kitzbühel. Der Österreichische Skiverband und auch Swiss Ski stellten sich dem lange entgegen, fürchteten um die eigene Existenz. Und während Eliasch auf immer mehr Rennen hinarbeitete, wollten die „Großen“ eher eine Verschlankung des Kalenders, dafür mehr Preisgeld. Das hatte Eliasch den Athletinnen und Athleten ohnehin versprochen.

Alexandra Meissnitzer
Alexandra Meissnitzer © GEPA pictures/ Alexander Solc

Parallel zu allen Konfliktlinien baute Eliasch auch das Personal bei der FIS umfassend aus, ebenfalls nicht ohne Streitereien. Sein größter Coup gelang im vergangenen September, als er den ehemaligen Swiss-Ski-Präsidenten Urs Lehmann als neuen „CEO“ der FIS installierte und auch Ex-Gesamtweltcupsiegerin Alexandra Meissnitzer ins „Presidents Office“ holte, zuständig für Spezialprojekte. Je näher die Wiederwahl rückte, desto mehr mehrten sich aber die Stimmen gegen Eliasch. Es wurde publik, dass in seiner ersten Amtszeit die Reserven des Weltverbandes von rund 140 Millionen Franken auf rund 40 Millionen geschrumpft sind, allein das Jahresgehalt für Lehmann soll sich demnach auf rund 900.000 Franken belaufen. Und, so kritisiert auch Österreichs Verband scharf: Das Geld floss auch nicht in Einmalinvestitionen, etwa für die Etablierung des eigenen TV-Senders „FIS-TV“, sondern der gewachsene Apparat verursacht ein strukturelles Minus. Mit anderen Worten: Die FIS gibt jährlich erheblich mehr Geld aus, als sie einnimmt.

Viele meinten, das Problem habe sich gelöst, als die beiden Verbände, die Eliasch im Normalfall für die Präsidentschaft nominieren können – Schweden und Großbritannien – eigene Kandidaten ins Rennen schickten. Doch Eliasch handelte schnell, beschaffte sich im Eilverfahren einen georgischen Pass und wurde von seiner neuen „Heimat“ als FIS-Präsident nominiert. Die verheerende Optik? Egal. Nun glaubt die Allianz der großen Verbände und Österreich, Schweiz und Deutschland, dass man alles getan habe, um Eliasch‘ Wiederwahl zu verhindern. Doch man weiß auch: So, wie Eliasch auch seinen Pass in Rekordzeit bekam, hat er mit Sicherheit auch viele der kleinen, aber stimmberechtigen Nationen, bereits hinter sich versammelt. Fraglich, ob die Stimmkraft der großen Ski-Nationen ausreicht, um die Phalanx der „Kleinen“ zu durchbrechen.

Am Donnerstag wird gewählt. Neben Eliasch sind mit dem Liechtensteiner Alexander Ospelt, auf den sich auch Österreich eingeschworen hat, und der Britin Victoria Gosling nur noch drei Kandidaten im Rennen. Spannend wird es auf jeden Fall. Und Eliasch wehrt sich mit allen Mitteln, will sich auch durch den überraschenden Rücktritt von Lehmann nicht aus dem Amt drängen lassen. Wie er agiert, hat nun auch Alexandra Meissnitzer erleben müssen. Die Salzburgerin meinte in einem Interview mit den „Salzburger Nachrichten“: „Ich habe seit dem Rücktritt von Urs Lehmann viel nachgedacht und es ist der Zeitpunkt gekommen, um Haltung zu zeigen. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Organisation hat durch die Ereignisse der letzten Wochen gelitten und so wie es derzeit läuft, scheinen die großen Verbände kein Vertrauen mehr zu haben. Wenn ich das stillschweigend hinnehme, dann käme es einer Zustimmung zu den aktuellen Vorgängen gleich.“

Und dann erneuerte sie ihre Kritik, dass vor allem die Kommunikation seitens des Präsidenten zu wünschen übrig ließe. Und selbst eine Spaltung schloss Meissnitzer nicht mehr aus: „Ich befürchte es, weil sich die großen Verbände gemeinsam mit den Veranstaltern aufstellen und positionieren. Es bleiben noch wenige Tage, um hier gegenzusteuern. Seit geraumer Zeit erleben wir nur Differenzen und öffentliche Auseinandersetzungen, das ist für mich schwer nachvollziehbar. Wenn nur noch Konfrontation herrscht und der Dialog verloren geht, dann schaut es nicht gut aus. Dann droht wirklich die Spaltung!“

Rücktritt wohl nur eine Frage der Zeit

Die Folge des Interviews: Noch am Sonntagabend wurde Meissnitzer von der Teilnahme am Kongress in Belgrad ausgeladen, am Montag kam Post vom Anwalt nach – sie darf nicht mehr öffentlich über die FIS und die Vorgänge im Weltverband sprechen. Nur so viel darf sie noch sagen: „Ich wurde seitens der FIS gebeten, nicht beim FIS-Kongress teilzunehmen, und mir wurde ein Schreiben übermittelt, das derzeit näher geprüft wird. Von weiteren Stellungnahmen möchte ich derzeit Abstand nehmen“, sagt sie. Was aber klar ist: Meissnitzer wird wohl wie wenige Tage zuvor auch Lehmann, sehr bald ihren Rücktritt erklären.

Was das harsche Vorgehen des verbliebenen FIS-Managements rund um Eliasch und seinen Generalsekretär Michel Vion zeigt: Der Kampf, den manche schon für gewonnen erachteten, ist sicher nicht vorbei. Und es ist gut möglich, dass der wahre Machtkampf im Skisport erst nach der Wahl beginnt. Dann, wenn Eliasch wirklich wiedergewählt wird.