Klimaforscher Daniel Huppmann betonte im Gespräch mit Marie-Claire Zimmermann, dass die Speicherung von CO₂ im Untergrund zwar ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Erderwärmung sei, aber keinesfalls die zentrale Lösung. Vorrang habe weiterhin die rasche Reduktion von Emissionen, insbesondere aus fossilen Energieträgern wie Öl und Gas. Nur jene Emissionen, die sich nicht vollständig vermeiden lassen – etwa in der Zementindustrie oder Landwirtschaft –, müssten anschließend durch natürliche oder technische Senken ausgeglichen werden. Huppmann stellte klar: „Wir müssen zuallererst darauf schauen, unsere CO₂-Emissionen so rasch wie möglich zu reduzieren.“
Sowohl Aufforstung als auch technische Verfahren zur CO₂-Entnahme seien grundsätzlich wirksam, erklärte der Forscher. Allerdings seien beide Ansätze mit Herausforderungen verbunden. Für neue Wälder fehle oft die notwendige Fläche, da diese auch für Landwirtschaft und Siedlungen benötigt werde. Technische Lösungen wiederum seien aufwendig und teuer. Neben dem eigentlichen Einfangen des CO₂ müssten Transportwege und Speicherinfrastruktur aufgebaut werden. Huppmann verwies darauf, dass „jede Tonne CO₂, die wir heute vermeiden könnten, aber die Maßnahme nicht treffen, wir nachher um teures Geld anders wiedergutmachen müssen.“
„Der Klimawandel ist nicht abgesagt“
Mit Blick auf aktuelle Klimaszenarien warnte Huppmann davor, die jüngste Überarbeitung wissenschaftlicher Prognosen falsch zu interpretieren. Zwar seien einige der extremsten Szenarien angepasst worden, dies bedeute jedoch keineswegs eine Entwarnung. „Der Klimawandel ist nicht abgesagt“, sagte er. Die Folgen seien bereits heute sichtbar – etwa durch zunehmende Trockenheit, Hitzewellen und Starkregenereignisse. Auch ein sich entwickelndes starkes El-Niño-Phänomen könnte die globale Erwärmung in den kommenden Monaten zusätzlich verstärken.
Kritisch äußerte sich Huppmann zudem zur österreichischen Klimapolitik. Seiner Ansicht nach würden weiterhin Milliardenbeträge in klimaschädliche Subventionen fließen, etwa über die Pendlerpauschale oder die Förderung von Flugverbindungen. Gleichzeitig würden klimafreundliche Alternativen nicht ausreichend vorangetrieben. Zwar würden Wissenschaftler von politischen Entscheidungsträgern angehört, doch fehle es häufig an der Umsetzung ihrer Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen. Die entscheidende Frage sei daher, so Huppmann, „wofür wollen wir als Staat, als Gesellschaft Geld ausgeben? Wollen wir klimaschädliches Verhalten subventionieren oder wollen wir es den Menschen einfach und komfortabel machen, sich klimafreundlich und nachhaltig zu verhalten?“