„In meinem familiären Umfeld gab es vor Jahren einen tragischen Suizid. Damals bekam man in dieser Situation keine Hilfe und stand alleine da. Das hat sich im Laufe der Jahre zum Glück geändert. Als ich vom Kriseninterventionsteam erfahren habe und was diese Menschen leisten, wollte ich ein Teil davon sein", sagt Sophie Polzer (33) aus Knappenberg. Seit mittlerweile sechs Jahren engagiert sie sich freiwillig an der Bezirksstelle des Roten Kreuzes in St. Veit.
Das Kriseninterventionsteam wird von den Einsatzorganisationen angefordert und betreut Angehörige nach einem schlimmen und traumatisierenden Vorfall. „Wir rücken leider zu 99 Prozent aus, wenn eine Person verstorben ist. Sei es durch Suizid, plötzlichen Todesfällen oder nach schlimmen Unfällen", erklärt Polzer und fügt an: „Das Wichtigste ist, mit den Menschen zu reden. Ein Gespräch kann oft wirklich helfen, damit die Menschen wieder zu einem klaren Verstand kommen und wieder handlungsfähig werden. Aber jede Person ist anders, fühlt anders und man erlebt auch skurrile Momente.“ So fand sich die 33-Jährige auch schon mal in einer Situation, dass sie mit den Angehörigen Karten gespielt hat.
Doch die Aufgabe ist auch sehr fordernd, ebenso musste die 33-Jährige die Erfahrung machen, dass zwei Bekannte plötzlich verstorben sind. „Natürlich können Fälle einem sehr nahe gehen. Aber nach einem Einsatz setzt sich auch unser Team zusammen und versucht mit Gesprächen das Vorgefallene zu verarbeiten. Aber ich kann das Ganze zum Glück gut ausblenden. Wenn man das nicht kann, dann könnte man diesen Dienst wohl nicht machen..“ Wichtig ist es, auf die Gefühlslage der Angehörigen einzugehen. „Jeder Einsatz ist anders, man kann fast nie nach den Vorgaben des Lehrbuchs vorgehen.“ 48 Stunden im Monat steht Polzer für das Kriseninterventionsteam im Bereitschaftsdienst.
An ihren allerersten Einsatz kann sich die Knappenbergerin noch gut erinnern. „Ich hatte Angst, habe geschwitzt und gezittert. Als es vorbei war, war ich irrsinnig erleichtert. Doch das hat sich im Laufe der Jahre gelegt. Nach einem Einsatz höre ich laute Musik und gehe duschen, das wurde schon zu meinem Ritual", sagt Polzer, die Betriebsrätin bei den Kinderfreunden in Kärnten ist.
Was die 33-Jährige zum Weitermachen motiviert: „Wenn sich die Personen bedanken. Dieses Dankeschön ist das Einzige, was wir bekommen und das reicht auch. Das Gefühl, wenn man helfen konnte, motiviert einen zum Weitermachen.“