Der Regen der vergangenen Tage und Wochen hat das Seine getan: Wo sich am Mittwoch Vertreter von Bund, Land und Stadt einfanden, um ein Hochwasserschutzprojekt am Schöcklbach offiziell abzuschließen, sprießt an den Bachufern saftiges Grün. In den vergangenen beiden Jahren bot sich von der Radegunder Straße aus ein anderes Bild: Bagger im Flussbett, „nackte“ Ufer.

Im April 2024 hatte man die Bauarbeiten in Angriff genommen – und damit den vierten und letzten Bauabschnitt des Projekts am Schöcklbach. Zwischen Rotmoosweg und Stadtgrenze wurde auf einer Länge von 2,4 Kilometern das Bachbett stellenweise aufgeweitet oder vertieft. Laut Experten aus der Abteilung Grünraum und Gewässer der Stadt Graz kann im Bachbett nun drei bis vier Mal so viel Wasser abfließen wie vor den Bauarbeiten.

Baustart kurz vor dem Hochwasser 2024

Die Bauarbeiten am Schöcklbach starteten im April 2024 und dauerten rund zwei Jahre
Die Bauarbeiten am Schöcklbach starteten im April 2024 und dauerten rund zwei Jahre © Jürgen Fuchs

Wie notwendig das Hochwasserschutzprojekt ist, zeigte sich zuletzt im Juni 2024, kurz nachdem die Arbeiten begonnen hatten. Sintflutartige Regenfälle ließen unter anderem den Schöcklbach über die Ufer treten und richteten große Schäden an. „Mit dem Abschluss des 4. Bauabschnitts erhöhen wir die Sicherheit der Bevölkerung nachhaltig“, unterstricht Landesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) am Mittwoch.

270 Bäume gefällt, 700 Bäume gepflanzt

Wie schon bei den vorangegangenen Bauabschnitten, nutzte man das Projekt, um den Wasserlauf ökologisch aufzuwerten. Das Bachbett wurde strukturiert, die Uferbereiche so gestaltet, dass Tiere und Pflanzen dort gute Bedingungen vorfinden. Neue Lehmschichten sollen dafür sorgen, dass das Bachbett auch in niederschlagsarmen Zeiten möglichst spät austrocknet. 270 Bäume wurden laut den Projektverantwortlichen geschlägert, 700 neue gepflanzt. Herzstück der ökologischen Verbesserungen ist eine große, etwas vertiefte Freifläche beim Storchenhorst am Puchleitnerweg. Was für Laienaugen ein wenig kahl wirkt, bringt Fachexperten zum Schwärmen. Der kiesige Untergrund wurde bewusst gewählt, große Baumstrünke dienen als XXL-Insektenhotels.

Radweg wurde modernisiert

„Wir schaffen Platz für die Natur und verbessern mit dem neuen Radweg auch die Alltagsmobilität im Grazer Norden“, sprach die Grazer Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) bei der Eröffnung einen weiteren Aspekt des Projekts an. Der zwei Meter breite Geh- und Radweg entlang des Gewässers wurde auf bis zu 3,5 Meter verbreitert. Aus Naturschutzgründen ist er mit einem sensorgesteuerten Lauflichtsystem ausgestattet. Die Beleuchtung wird automatisch aktiviert, wenn sich eine Person nähert.

Projektbeteiligte und politische Vertreter bei der offiziellen Eröffnung am Mittwoch
Projektbeteiligte und politische Vertreter bei der offiziellen Eröffnung am Mittwoch © Foto Fischer

Zweites Rückhaltebecken in Weinitzen

Für die Modernisierung des Radwegs wurde eine Million Euro aus den Mitteln der Radoffensive ausgegeben. Die Hochwasserschutzmaßnahmen haben 8,3 Millionen Euro gekostet. Bund und Land übernahmen jeweils 40 Prozent der Kosten, die Stadt Graz 20 Prozent. Der Linearausbau des Schöcklbachs ist damit zwar abgeschlossen, eine Großinvestition wird in den nächsten Jahren aber noch notwendig sein. In Weinitzen ist im Annengrabens auf Höhe des Steinbruchs ein zweites Rückhaltebecken für den Schöcklbach geplant. Wann das Großprojekt umgesetzt werden kann, ist allerdings noch nicht fix.