Graz wächst. Nur wohin, das war vergangenen Dienstag im Styria Media Center der Kleinen Zeitung die Frage. Denn mit den Bevölkerungszahlen wachsen auch die Herausforderungen an die Stadt: leistbares Wohnen, Mobilität, Klimaanpassung und die Qualität öffentlicher Räume.

Sechs Vertreter:innen der Gemeinderatsparteien diskutierten Zukunftsfragen zu wesentlichen Handlungsfeldern der Ziviltechniker:innen wie Wohnen, Mobilität und Klimaschutz. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einleitenden Worten von Moderator Klaus Höfler und Gustav Spener (Präsident der Ziviltechniker:innen-Kammer für Steiermark und Kärnten) wurde der Organismus der Stadt Graz sprichwörtlich auf Herz und Nieren untersucht: Christine Braunersreuther (KPÖ) diagnostizierte der Stadt ein Sauerstoffdefizit, das man mit mehr Grünraum, mehr Luft und mehr Bewegung kurieren könnte. Alexandra Würz-Stalder (Die Grünen) setzt auf die „Arterien“, also die Verbindungen zwischen Graz und seinem Umland, sowie auf die Förderung der aktiven Mobilität, während Markus Huber (ÖVP) das „Herz“ der Stadt, also die Innenstadt, stärken will.

Über diese und weitere medizinische Gutachten kam das Gespräch dann auf das Thema Verkehr. Philipp Pointner (NEOS) plädiert hier für mutige Großprojekte wie den City-Tunnel. Auch mit autonomen Minibussen könne man Außenbezirke und schlecht angebundene Stadtteile künftig besser mit den Öffis vernetzen. Manuel Lenartitsch (SPÖ) schlägt ein gemeinsames Verkehrskonzept mit den Umlandgemeinden vor. Auch die Leistbarkeit des öffentlichen Verkehrs müsse ein zentrales Ziel der Stadtpolitik sein.

© KLZ / Nadja Fuchs

Roland Zistler (FPÖ) bekennt sich zu einer Mobilität nach dem Prinzip der freien Wahl des Verkehrsmittels; der öffentliche Verkehr dürfe nicht zulasten des Individualverkehrs ausgebaut werden. Weiters kritisiert Zistler den Ausbau „völlig sinnloser Radwege“.

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Wo wollen wir wohnen?

Die Leistbarkeit des Wohnens in der Stadt könne man nur durch Gemeindewohnungen garantieren, ist Christine Braunersreuther überzeugt. Und dabei sei auch die Unterstützung des Bundes gefragt. Markus Huber drängt in diesem Kontext auf schnellere, transparentere und verlässlichere Bauverfahren und bedauert, dass es für Bauträger derzeit keine ausreichende Rechtssicherheit mehr gebe.

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Pointner stellt fest, dass „Wohnen Graz“ derzeit keine Erträge abwirft, und schlägt vor, jungen Menschen günstige Mietwohnungen mit anschließender Kaufoption anzubieten.

Für Lenartitsch hat Wien in Sachen Wohnen Vorbildfunktion. Weiters plädiert er in diesem Zusammenhang für einen Schulterschluss zwischen Stadt, Land und Bund, auch um Verfahrensabläufe effizienter zu gestalten. Die FPÖ wiederum ortet beim Wohnbau eine mangelnde Abstimmung zwischen den Abteilungen, widersprüchliche Anforderungen und die fehlende Verbindlichkeit behördlicher Aussagen.

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Auf die anschließende Frage, ob es sinnvoll sei, auch den städtischen Gebäudebestand weiterzuentwickeln, erklärt Würz-Stalder, dass die Grünen Sanierung, Umnutzung und Aufstockung stärker in den Fokus rücken und den Abbruch intakter Gebäude kritischer betrachten wollen. Eine Vorbildwirkung sollen dabei die öffentlichen Bauprojekte der Stadt übernehmen.

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Infrastruktur & Lebensqualität

„Wenn wir verdichten, können wir nicht wieder nur Wohnungen verdichten, sondern wir brauchen auch Bildungseinrichtungen und Kindergärten ums Eck für die Familien, die dann dort einziehen“, ist Pointner überzeugt.

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Beim Thema Infrastruktur und Lebensqualität ließ Moderator Höfler dann vermehrt auch das Publikum zu Wort kommen. Dabei ging es unter anderem um demografische Entwicklungen und das Miteinanderleben verschiedener Kulturen, ineffiziente Bebauungspläne, Versiegelung, kleinliche Hickhacks der vergangenen Stadtregierung sowie um Bekenntnisse zur Buntheit von Graz.

Auch vom Publikum kam zur Diskussion zur Zukunft der Stadt reichhaltiger und teilweise durchaus emotionaler Input.
Auch vom Publikum kam zur Diskussion zur Zukunft der Stadt reichhaltiger und teilweise durchaus emotionaler Input. © KLZ / Nadja Fuchs

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