Wie bringt man Volksschülerinnen dazu, sich auch für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern? Einen vielversprechenden Ansatz hat die Juristin Antonia Csuk gefunden. „Da viele Mädchen gerne lesen, haben wir ein interaktives Kinderbuch entwickelt“, erklärt sie: In der Geschichte im Buch spielen auch kleine Experimente eine Rolle, die man mit einem Experimentierkoffer gleich selbst ausprobieren kann. Den Verein „Klara Kühn“, so heißt auch die Protagonistin im Buch, gibt es seit sechs Jahren. Der Großteil der Bücher wird an Kinder aus einkommensschwachen Familien verschenkt. Außerdem bietet man „Action-Lesungen“ in Volksschulen an.
„Schlummernde Stärken entdecken“
Das Projekt stärke Mädchen auch darin, Neues auszuprobieren und stereotype Rollenbilder zu hinterfragen, befand die Jury beim Grazer Frauenpreis 2026: „Klara Kühn und der geheime Experimentierkoffer“ wurde am Dienstagabend auf den Kasematten in Graz mit dem mit 6.000 Euro dotierten Projektpreis ausgezeichnet. 39 Projekte waren heuer eingereicht worden, 35 davon wurden nominiert und mit Videos online vorgestellt. „Bei diesem Projekt profitieren nicht nur die unmittelbar Teilnehmenden, sondern unsere ganze Gesellschaft“, lobte Bürgermeisterin und Frauenstadträtin Elke Kahr (KPÖ) in ihrer Laudatio: „Es hilft dabei, schlummernde Stärken zu entdecken, bewusst zu machen und weiterzuentwickeln.“ Die Jury habe das Projekt seit vielen Jahren immer wieder im Blick gehabt: „Nun ist es aber soweit!“, freute sich Kahr.
Preis für eine Beharrliche
Außerdem wurde der Frauenpreis für herausragendes Engagement verliehen – er geht jedes Jahr an eine Grazerin, die sich für Mädchen- und Frauenarbeit, den feministischen und frauenpolitischen Diskurs sowie für die Förderung von Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit engagiert. Aus 20 Einreichungen wurden 15 Nominierungen – und eine Gewinnerin: Edith Zitz. Die 61-jährige gebürtige Salzburgerin setze sich seit Jahrzehnten mit außergewöhnlicher Beharrlichkeit, fachlicher Breite und klarer feministischer, antifaschistischer und inklusiver Haltung für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Stärkung marginalisierter Menschen ein, so die Begründung der Jury. „Ihr war immer schon klar, dass wir eine Welt frei von Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung nur gemeinsam, interdisziplinär und bereichsübergreifend schaffen“, sagte ihre Laudatorin Eli Taxacher.
Zitz war schon in ihrer Jugend in zahlreichen Bewegungen aktiv, sie ist Mitbegründerin zahlreicher Initiativen wie Klimabündnis Österreich, Felin, Women’s Action Forum und „empower net“ gegen Hass im Netz. Von 1995 bis 2010 saß sie für die Grünen im steirischen Landtag. Die Erwachsenenbildnerin ist Geschäftsführerin des gemeinnützigen Vereins „inspire – Bildung und Beteiligung“. 2016 erhielt sie das große goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark.
Den Abend auf der Kasemattenbühne verfolgten zahlreiche Vertreterinnen aus der Politik, den beiden Jurys, ehemalige Frauenpreisträgerinnen sowie engagierte Frauen aus Graz und darüber hinaus mit. Frauenreferatsleiterin Doris Kirschner begrüßte das Publikum, durch den Abend führte Martina Poel, musikalisch umrahmt wurde der Abend durch die Trommelgruppe Guadada und DJ Monique Fessl. Lebenswerk-Preis wurde heuer im Gegensatz zu den Vorjahren keiner vergeben.