Haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Feistritztalbahn die Hinweistafel zum Gewerbe- und Industriezentrum (GIZ) Rosegg bei Birkfeld mutwillig entfernt? War dies ein Lausbubenstreich wie sich etwa der Unternehmer Vinzenz Harrer und andere Wirtschaftskammer-Vertreter in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Dienstag ärgerten?
„Nein“ kontern nun die Verantwortlichen der Feistritztalbahn rund um Geschäftsführer Reinhard Zeller und die beiden Obmänner Daniel Maier (Club U44) und Walter Hausleitner (Verein zur Erhaltung der Feistritztalbahn).
„Dach war angemorscht“
„Im Zuge laufender Kontrollen und Sanierungsarbeiten entlang der Strecke haben wir als Eigentümer und Erhalter auch das Betriebsgebäude an der Haltestelle Rosegg einer eingehenden Inspektion unterzogen“, heißt es in einer Aussendung der Feistritztalbahn. Da sei dann die Hinweistafel auf das GIZ Rosegg abgenommen worden. Ein Zufall, dass die Wirtschaftskammer erst am 22. Mai dort ein Transparent aufgehängt hatte, auf dem einmal mehr der Ausbau der B72 gefordert wurde?
„Es war eine Verkettung unglücklicher Ereignisse“, betont auch Vorstandsmitglied und Pressebeauftragter der Bahn Stephanos Berger. Das Dach des Betriebsgebäudes sei angemorscht gewesen. Wegen der Wetterlage mit Starkwind und Gewittern hätten die Ehrenamtlichen rasch handeln müssen. Deshalb sei der Besitzer der Tafel, dem GIZ Rosegg, nicht gesondert informiert worden. „Es obliegt dem Eigentümer des Gebäudes, Sorge für die allgemeine Sicherheit zu tragen“, heißt es in der Aussendung. Eine Ersatzlösung sei möglich.
„Viel Unwahres behauptet“
Es werde viel geredet und auch Unwahres darüber behauptet, wie man als Feistritztalbahn zum Ausbau der B72 im Bereich Rosegg stehe, betont Berger. Die Probebohrungen des Landes Steiermark wurden erfolgreich abgeschlossen, das Ergebnis wird erwartet und davon hängt ab, in welcher Weise der Ausbau erfolgt. „In jedem Fall aber unter Beibehaltung aller vorhandenen Verkehrswege – also Straße, Bahn und Radweg“, so Berger.
Der Verein begrüße darum ebenso wie andere Interessensvertreter den zügigen Ausbau, denn auch die Bahn braucht eine zuverlässige und moderne Lösung an dieser neuralgischen Engstelle. „Alles andere wäre nicht in unserem gemeinsamen Interesse“, betont Berger.
Die Verantwortlichen der Feistritztalbahn wollten weder dem GIZ Rosegg noch der Wirtschaftskammer schaden. Aber: Gibt es rufschädigende Äußerungen, behalte man sich rechtliche Schritte vor.
Faszination Feistritztalbahn: Ein Dossier
Baustart nicht vor 2029
Wie geht es weiter: Nach dem Abschluss der Erkundungsbohrungen im April sollen bis zum Sommer Kosten-Nutzen-Analyse und Trassenempfehlung vorliegen. Drei Varianten werden betrachtet – in jeder soll es sowohl Platz für die dann breitere Straße als auch für die denkmalgeschützte Trasse der Feistritztalbahn geben. Ende Juli, so heißt es im Büro der Verkehrslandesrätin Claudia Holzer, könnte es Ergebnisse geben. Den Baubeginn könnte es dann 2029 geben.
Ab wann wird die Feistritztalbahn wieder Fahrt aufnehmen? „Vermutlich erst kurz nach Schulschluss“, meint Berger. In den vergangenen Monaten gab es von den Ehrenamtlichen viel zu tun. So musste die komplette 24 Kilometer lange Strecke freigeschnitten werden. Auch das für kommenden Samstag angekündigte Bahnhofsfest findet nicht statt. „Wir hatten zu wenig Vorlaufzeit, es wurde uns von der BH nicht genehmigt“, so Berger.