Vier Jahre ist es her, dass es die EZB doch noch mit Entschlossenheit probierte. Im Zuge des Ukrainekriegs galoppierte die Inflation davon. Monate vergingen, in denen die Notenbank abwartete; statt mit höheren Leitzinsen die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen, wurde wertvolle Zeit vergeudet. Später räumte man ein, die Inflationsgefahr unterschätzt zu haben.
Der Vorsatz, ein weiteres Mal dürfe das nicht geschehen, wird nächsten Donnerstag auf die Probe gestellt: Wieder ist es ein Krieg, diesmal am Golf, der die Inflation treibt. Zwar nicht in so lichte Höhen, aber die Mai-Teuerung von 3,2 Prozent im Euroraum (3,7 in Österreich) liegt weit über der Ziellinie von 2 Prozent. Erneut frisst sich ein fossiler Preisschock durch die Realwirtschaft.
Tiefe Furchen in der Konjunktur
Damals wie heute ziehen höhere Zinsen tiefe Furchen in der Konjunktur. Anders als 2022 grundelt das Wachstum knapp über der Nulllinie, Einbußen sind ein hoher Preis. Viel teurer wäre es, der Geldentwertung mit all ihren Verwerfungen weiter tatenlos zuzusehen.